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Interview

Johann Schneider-Ammann über seine Pläne nach der Bundesratszeit: «Das jasse ich zuerst mit mir selber aus»

Johann Schneider-Ammann tourte die letzten Tage durch die Zentralschweiz. Er sprach mit unserer Zeitung darüber, was ihn mit dieser Region verbindet – und was er unbedingt noch erreichen will, bevor er aus dem Bundesrat scheidet.
Simon Mathis

Am Vorabend zum 1. August erhielt Luzern hohen Besuch: Johann Schneider-Ammann hielt die Festrede auf dem Europaplatz. Vor seiner Festansprache nahm sich der Bundesrat Zeit, mit der Luzerner Zeitung zusammen zu sitzen. Im KKL sinnierte er über seine Verbindung zur Zentralschweiz, über seine wichtigsten politischen Ziele – und seine Zeit nach dem Bundesrat.

Die Landwirte Martin Theiler (rechts) und Alois Theiler (links) mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Kräutergarten auf dem Kräuterhof in Hergiswil bei Willisau. (Bild: Philipp Schmidli, 1. August 2018)

Die Landwirte Martin Theiler (rechts) und Alois Theiler (links) mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Kräutergarten auf dem Kräuterhof in Hergiswil bei Willisau. (Bild: Philipp Schmidli, 1. August 2018)

Bundesrat Johann Schneider-Ammann, dieses Jahr machen Sie zur Nationalfeiertag ja eine richtige Tour durch die Zentralschweiz. Wie ist es dazu gekommen?

Johann Schneider-Ammann: Dahinter steckt keine besondere Strategie, eher der Zufall führt mich hierher. Ich gebe allerdings zu, dass ich in den vergangenen Jahren ganz bewusst der Landesgrenze entlang gereist bin, um hier und da Präsenz zu markieren. Dieses Mal ist es eher ein Cluster im Kanton Luzern – und das ist auch gut so.

Was verbindet Sie denn mit dem Kanton Luzern und seiner Umgebung?

Allen voran meine Tochter Daniela, die hier an der Fachhochschule studierte und sich als Profisportlerin bei einem lokalen Verband engagierte. Während dieser Zeit habe ich sogar mit Holzklappen auf der Tribüne Lärm gemacht – und diese hatten die Farben Blau-Weiss, nicht etwa Schwarz-Gelb. Ausserdem bin ich ein begeisterter Besucher des KKL. Unsere Familie besitzt überdies einen Wochenendsitz am Vierwaldstättersee. Die Region ist uns also bestens bekannt.

Ist der 1. August nicht nur eine Gelegenheit, die immer gleichen Reden zu schwingen?

Na ja, ich bin redlich bemüht, nicht immer dasselbe zu erzählen. (Lacht.) Ernsthaft: Ich finde es ganz wichtig für eine Gesellschaft und für ein Land, dass es mindestens einmal pro Jahr einen Marschhalt gibt. Es ist eine Gelegenheit, uns selbst bewusst zu machen: Was wir haben und sind, das ist alles andere als selbstverständlich. In der heutigen Rede werde ich einmal mehr vom «Le Petit Paradis Suisse» sprechen. Wir haben sehr viel erreicht, das ist aber keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen aufeinander zugehen, indem wir etwa parteiübergreifend politisieren. Das kann man sich am 1. August bewusst werden und sich für das nachfolgende Jahr gute Vorsätze fassen – auch und gerade politisch.

Bundesrat lädt in seinen Garten ein

Einen solch hohen Besuch hatte das Kräuterdorf Hergiswil bei Willisau wohl noch nie – obwohl der Ehrengast nur wenige Kilometer ennet der Kantonsgrenze in Langenthal wohnt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann beehrte den 1.-August-Brunch im Hof Unter Sack der Familie Theiler. Dort, wo auf rund 1,5 Hektaren Kräuter angebaut und jene der Kräuteranbaugenossenschaft getrocknet werden.

Die Einladung liessen sich auch viele Politiker und Wirtschaftsvertreter nicht entgehen – sowie zahlreiche Gäste aus der Umgebung. Der Andrang war gross, wie Mitorganisator Franz Wermelinger von Hergiswil Tourismus sagte: «Wir mussten spontan von 150 auf 180 Plätze ausweiten.» Das habe sich gelohnt. «Der Bundesrat hat sich volksnah gezeigt, die Stimmung war sehr locker.» In seiner Rede sprach der Wirtschaftsminister über die regionale und internationale Agrarpolitik. Damit Johann Schneider-Ammann der Besuch im Napf-Gebiet in Erinnerung bleibt, hat ihm Gemeindepräsident Urs Kiener unter anderem einen Hochstamm-Apfelbaum geschenkt. Diesen darf Kiener im Garten des Magistraten pflanzen – neben den anderen beiden Bäumen, welchen Schneider-Ammanns Kindern gewidmet sei. (jon)

Was können Sie als Bundesrat dazu beitragen?

Ich bilde mir natürlich nicht ein, dass ich als Bundesrat einen wesentlichen Einfluss auf das Gesamtbild unseres Landes habe – das wäre zu viel des Guten. Der Bundesrat insgesamt ist allerdings schon eine Institution, die etwas bewirken kann, wenn es um die Wertvorstellungen der Schweiz geht.

Zum Beispiel?

Aktuell haben wir im Gesamtbundesrat in meinem Zuständigkeitsbereich zwei gemeinsame Nenner: Wir setzen auf ein starkes Bildungssystem und vertreten die Überzeugung, dass wir offene Märkte brauchen. Mit einer Trump’schen Politik des Protektionismus kommen wir nicht weiter. Wir sind eine mehrheitsfähige Regierung, die weitsichtig handelt und für die nächste Generation plant. Ich erinnere da an die Forschung in der Landwirtschaft. Das soll kein Reizwort sein, sondern ein ernst gemeintes Zukunftsprojekt.

Wie fühlen Sie sich, seit Sie Ihren Rücktritt angekündigt haben?

Diese Ankündigung hat für mich überhaupt keinen Unterschied gemacht. Ich bin keine so genannte «lahme Ente». Dass mein Engagement nachgelassen hat, davon kann keine Rede sein. Ich mache meinen Job. Und mein Job ist dann gut gemacht, wenn es gelingt, in diesem Land eine Vollbeschäftigung zu erwirken. Das Land war noch nie so gut beschäftigt wie heute. Wir können sowohl Lehrstellen als auch akademische Bildung bieten. Auch die Jobs im Anschluss auf die Ausbildungen können wir sicherstellen. Darauf ist unsere Politik ausgerichtet – meine persönliche ganz besonders. Und das mache ich bis zum letzten Tag.

Und was wollen Sie sonst noch unbedingt noch erreichen, bevor Sie aus dem Bundesrat ausscheiden?

Das ist natürlich Spekulation. Allerdings, ich habe das bereits gesagt und ich wiederhole es gerne: Ich möchte für die Landwirtschaft der Schweiz noch eine gute Tat vollbringen. Und zwar gemeinsam mit der Landwirtschaft. In letzter Zeit haben wir eher aneinander vorbeigeredet. Diverse Missverständnisse waren im Raum. Wenn ich ein Projekt suche, das die Forschung der Landwirtschaft von morgen befördert und nicht einfach eine Sparrunde mitmachen will, dann ist das ein ganz neuer Ansatz – und diesen muss ich der Landwirtschaft und den Kantonen noch schmackhaft machen.

Wenn Sie auf Ihre Zeit als Bundesrat zurückblicken: Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf zwei Sachen bin ich stolz: Dass die Schweiz fast vollbeschäftigt ist und gleichzeitig zu den innovativsten Ländern der Welt gehört. Diese Kombination habe ich von Anfang an angestrebt.

Was bedauern Sie?

In der Laufbahn eines Politikers geht es immer auf und ab. (Schmunzelt.) Ich fange jetzt lieber nicht an aufzuzählen, was alles ich bedaure.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Bundesrat?

Das jasse ich zuerst mit mir selbst aus, dann mit meiner Frau und schliesslich mit meinem Hund. Dann erst kommt die Öffentlichkeit an die Reihe. (Lacht.) Aber vielleicht kann ich noch nachholen, was ich ursprünglich wollte. Meine Idee war es nämlich, Bergführer oder Zimmermann zu werden. Über den lateinischen Weg geriet ich dann in eine akademische Laufbahn. Den Jugendtraum Bergsteiger kann ich nun wohl nicht mehr wahrmachen, dafür bin ich zu alt. Aber ich bedaure nicht, wie es letztlich gelaufen ist.

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