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Jona Studhalter (24) will in den Luzerner Stadtrat: «Ich gebe mein Megafon gerne an Jüngere weiter»

Jona Studhalter strebt für die Jungen Grünen einen Sitz im Luzerner Stadtrat an. Er habe das Zeug dazu, findet er. Seine Schwerpunkte liegen beim Klimaschutz und der Jugendkultur. Und er will Autofahrer zur Kasse beten.

Simon Mathis
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Stadtratskandidat Jona Studhalter beim Jugendkulturhaus Treibhaus, wo er seit fünf Jahren arbeitet.

Stadtratskandidat Jona Studhalter beim Jugendkulturhaus Treibhaus, wo er seit fünf Jahren arbeitet.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 24. Januar 2020)

«Ich will den Jungen zeigen, dass Politik nicht nur etwas für alte, gewissenhafte Streber ist», sagt Jona Studhalter, der für die Jungen Grünen einen Sitz im Luzerner Stadtrat erobern will. Der 24-Jährige hat eine Lehre als Koch absolviert, studiert in Zürich angewandte Psychologie und ist Co-Präsident der Jungpartei, die mit 45 Kandidierenden für die Grossstadtratswahlen antritt mit dem Ziel, Fraktionsstärke zu erreichen. Wir haben Studhalter im Treibhaus getroffen, wo er seit fünf Jahren arbeitet. «Für mich ist dieses Haus ein zweites Zuhause – und ein tolles Beispiel dafür, wie sich Junge einbringen können.»

Im Stadtrat hingegen vermisst Studhalter eine junge Stimme: auch sie soll in der Exekutive vertreten sein, findet er.

«Wir Jungen sind mit Problemen konfrontiert, die den älteren Generationen nicht so nahe gehen.»

Dabei denkt er natürlich ans Klima, aber auch an die Kultur. «Immer mehr alternative Kulturräume gehen verloren». Das ist eine Entwicklung, der er entgegenwirken will. Unter anderem deshalb fordert Studhalter eine Enteignung der Bodum-Villen – sie sollen Kulturhäuser werden. In Sachen Umwelt will Studhalter etwa die EWL in die Pflicht nehmen, nicht mehr auf Erdgasheizungen zu setzen.

Studhalters eigentliches Steckenpferd aber ist das Sozialwesen; die Sozial- und Sicherheitsdirektion spricht ihn daher am stärksten an. Studhalter vermisst Angebote für Jugendliche, die Probleme haben und einen Ausweg aus schwierigen Lebenssituationen suchen.

«So etwas wie ein Frauenhaus für Jugendliche schwebt mir vor, eine unbürokratische Unterkunft für Junge.»

Zürich etwa habe bereits ein solches Angebot; das so genannte Schlupfhuus.

Auch in Sachen Wohnraum sieht er in Luzern Verbesserungspotenzial: «Eine Siedlung wie das Himmelrich ist zwar gut, aber wir brauchen auch kleinere und günstigere Wohnungen.» Für das Verkehrsproblem der Stadt Luzern nennt Studhalter zwei Lösungsansätze: «Der ÖV soll für Stadtluzerner gratis und daher attraktiver werden.» Er spricht sich zudem für Road Pricing aus:

«Wer über die Seebrücke fährt, soll eine Gebühr von 15 Franken zahlen. So wird der Weg frei für jene, die das Auto wirklich brauchen.»

Natürlich müsse man dabei allfällige Ausnahmen und flankierende Massnahmen besprechen.

Studhalter ist eines der bekanntesten Gesichter der Jungen Grünen in Luzern. Bei Kundgebungen wie dem Frauenstreik und den Klimademos ist er häufig mit Megafon anzutreffen. «Politik wird nicht nur im Parlament gemacht, sondern auch auf der Strasse», ist Studhalter überzeugt. «Aber klar, als Stadtrat wäre ich dem Gremium verpflichtet. Mein Megafon gebe ich dann gerne an Jüngere weiter. Die können das genau so gut wie ich.» Das ist nicht nur so daher gesagt: Nach den Wahlen im März wird Jona Studhalter das Co-Präsidium der Jungen Grünen nach 3,5 Jahren abgeben. Seine politische Karriere macht er jedoch nicht von einem Erfolg in den Stadtratswahlen abhängig. «Die Politik ist meine Leidenschaft, ich werde so oder so weitermachen.» An Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht:

«Ich habe das Kaliber, etwas zu leiten und zum Erfolg zu führen.»

Politisch aktiv ist Studhalter seit acht Jahren. «Ich will meinen Aktivismus in den Stadtrat bringen.» Er sei aber auch dazu bereit, an seinen Ideen zu schleifen, sie mehrheitsfähig zu machen. Ausserdem will er nicht auf die Klimajugend reduziert werden, sondern die Anliegen aller Jungen vertreten: «Viele von ihnen sind unzufrieden darüber, wie es zurzeit läuft.» 

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