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Kolumne

Journalist Simon Mathis über seine Erfahrungen als «Nidwaldner in Lucerne»

Auch wenn Luzerner und Nidwaldner Nachbarn sind, kann es aufgrund des Dialekts zu Verständigungsproblemen kommen.
Simon Mathis
Simon Mathis, redaktioneller Mitarbeiter Ressort Stadt/Region Luzern.

Simon Mathis, redaktioneller Mitarbeiter Ressort Stadt/Region Luzern.

«Wie viel wird es kosten?» Diese klassische Journalistenfrage bereitet mir nicht selten Kopfzerbrechen. Ich stelle sie nämlich so: «Wiä teyr wird das?» Oft schauen mich die Angesprochenen dann ratlos an. Und ich sehe mich dazu gezwungen, die Frage verständlicher zu wiederholen. «Wie tüür wird das?», muss ich dann sagen – und meine Nackenhaare stellen sich auf. Jede Faser meines Seins sträubt sich dagegen, das beschwingte «ey» in ein säuseliges «üü» zu verbiegen. Deshalb stelle ich die Frage mittlerweile neutraler: «Wiä viel wird das choschte?»

Ich will mich nicht zu sehr beklagen. Denn als Nidwaldner Journalist in der Stadt Luzern geniesst man fast Heimvorteil. Immerhin stammen zwei der fünf Stadträte ursprünglich aus dem Halbkanton: Beat Züsli und Adrian Borgula. Als ich zum ersten Mal mit Borgula sprach, konnte dieser sogar mein Heimatdorf identifizieren: «Sie kommen aus Wolfenschiessen, nicht wahr?», sagte er. Ich nickte, überrumpelt.

Mein Dialekt ist meine Visitenkarte. Viele Personen erinnern sich deswegen an mich. Lange war ich mir im Unklaren darüber, ob mich das schmeicheln oder ärgern soll. Als ich in Luzern studierte, musste ich immer mal wieder erklären, was ich denn mit «Huis» (Haus) und «Frai» (Frau) meine. Einer meiner Mitstudenten war besonders fasziniert von dieser phonetischen Besonderheit. Ich versuchte ihm beizubringen, die Wörter «bruin» (braun) und «blai» (blau) korrekt auszusprechen. Das war übrigens gar nicht mal so einfach.

Ein bisschen fremd und exotisch fühlt man sich da schon. Ein wenig wie Sting als «Englishman in New York». Meinen Dialekt aufzugeben und dem Lozärnischen anheimfallen zu lassen, kam aber nie in Frage. Ist das heimatlicher Stolz oder die berühmte Nidwaldner Sturheit? Das sei dahingestellt. Ein zweites Zugeständnis habe ich – neben der eingangs erwähnten Kostenfrage – allerdings gemacht. Am Telefon melde ich mich nicht mehr als «Matheys», sondern als «Mathis». Es ist schon vorgekommen, dass man mich als «Simon Matthäus» ansprach. Das muss nicht sein, mein Name ist schon biblisch genug. In der Redaktion bin ich dennoch unter dem liebenswerten Namen «Seymon Matheys» bekannt.

Ich bin bemüht, auch den Lozärner Dialekt zu studieren. Das geschieht allwöchentlich, wenn ich einen neuen Beitrag für die Serie «Lozärner Usdröck» verfasse. Dabei stelle ich jedes Mal aufs Neue fest: Luzern und Nidwalden teilen sehr viele Ausdrücke. Ganz so fehl am Platze muss ich mich hier also gar nicht fühlen.

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