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Journalistin wegen Hausfriedensbruch in besetzter Luzerner Villa verurteilt

Weil sie für eine Reportage die damals besetzte Bodum-Villa in Luzern betreten hat, muss die 32-jährige Jana Avanzini eine Busse bezahlen. Das Bezirksgericht gewichtet das Eigentumsrecht höher als das öffentliche Interesse.
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Die besetzte Bodum-Villa an der Obergrundstrasse. (Bild: Pius Amrein, Luzern 11. April 2016)

Die besetzte Bodum-Villa an der Obergrundstrasse. (Bild: Pius Amrein, Luzern 11. April 2016)

Dürfen Journalisten für eine Reportage in ein besetztes Haus eintreten, um vor Ort zu recherchieren – oder nicht? Das Luzerner Bezirksgericht findet Nein und gewichtet damit das Eigentumsrecht höher als das öffentliche Interesse, respektive die Medienfreiheit. Es hat die Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruch verurteilt, wie «Zentralplus» meldet.

Für das Onlineportal hatte die 32-Jährige 2016 eine Reportage aus der damals besetzten Bodum-Villa an der Obergrundstrasse in Luzern geschrieben. Avanzini soll nun eine Busse von 500 Franken bezahlen. Damit reduzierte der Einzelrichter die Strafe. Der Anwalt der Liegenschaftsbesitzerin Bodum Invest AG hatte eine bedingte Geldstrafe plus eine Busse gefordert.

Gemäss dem Bericht ist der Einzelrichter davon überzeugt, dass Avanzini wusste, dass die Gespräche zwischen dem Hausbesitzer und den Hausbesetzern gescheitert waren. Daher hätte sie laut Urteil damit rechnen müssen, dass der Besitzer keine unbefugten Personen in der Villa dulde.

«Nur wenn das öffentliche Interesse schwer wiegt»

Die Verteidigerin von Avanzini hatte dies an der Verhandlung vom 25. Juni allerdings klar verneint (wir berichteten). Ihre Mandantin sei beim Betreten davon ausgegangen, dass die Besetzung noch zwei weitere Tage dauern würde. Zudem sei das öffentliche Interesse da gewesen. Die Journalistin habe die Villa betreten müssen, um sich ein unabhängiges Bild von der Situation zu machen.

Das Gericht schreibt laut «Zentralplus» im Urteil zwar, dass die Medienfreiheit ein Rechtfertigungsgrund für strafbare Handlungen sei, aber nur unter «sehr einschränkenden Voraussetzungen» und wenn das öffentliche Interesse an Informationen schwer wiege. «Das ist vorliegend nicht der Fall.» Das Gericht anerkennt mit der Strafreduktion aber, dass die Journalistin sich sicher war, nicht rechtswidrig zu handeln. Jedoch: «Sie hätte den Irrtum durch längere Abklärungen vermeiden können.» Jana Avanzini sagt auf Anfrage, dass sie vom Urteil «überrascht» sei:

«Ich habe mit einem Freispruch gerechnet.»

Ob sie das Urteil weiterziehen wird, entscheidet sie nächste Woche zusammen mit ihrer Anwältin: «Nach dem ersten Ärger werden wir es in Ruhe studieren.»

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