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JUBILÄUM: Er erzählt ein Stück Luzerner Geschichte

Ein Urgestein der Kanti Beromünster hat deren Geschichte aufgearbeitet. Daraus geworden ist weit mehr als die Chronik einer Schule.
Christian Hodel
Pirmin Meier auf dem Rundgang in Beromünster: Im Haus neben dem Stiftungstheater war früher eine Schule samt Metzgerei untergebracht, wie die Inschrift «Schol» (Metzgerwaage) zeigt. (Bild Nadia Schärli)

Pirmin Meier auf dem Rundgang in Beromünster: Im Haus neben dem Stiftungstheater war früher eine Schule samt Metzgerei untergebracht, wie die Inschrift «Schol» (Metzgerwaage) zeigt. (Bild Nadia Schärli)

Pirmin Meier (69), früher Gymnasiallehrer und heute Buchautor, schreitet ins Hotel Hirschen in Beromünster. Die Tür hinter ihm ist noch nicht zu, da zeigt Meier schon auf ein schwarz-weisses Gemälde an der Wand – eine vergrösserte Kopie eines Kupferstichs von Matthäus Merian. Beromünster um 1642 sei darauf zu sehen, sagt er. Mit einem Finger tippt er auf ein Haus, holt tief Luft – dann unterbricht ihn die Kellnerin: «Herr Meier, bevor Sie zu erzählen beginnen, was möchten Sie bestellen?»

Tausendjährige Geschichte

Meier – er nimmt eine heisse Schoggi – ist kein Unbekannter im Michelsamt. 33 Jahre bis zu seiner Pensionierung vor vier Jahren unterrichtete er an der Kantonsschule Beromünster, hauptsächlich Philosophie und Deutsch. Seine Leidenschaft ist aber die Kulturgeschichte der Zentralschweiz. Heute wird sein Buch «Schola beronensis» zum 150-Jahr-Jubiläum der kantonalen Mittelschule Beromünster der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist nicht nur die Chronik einer Schule, sondern auch ein Bericht über das gesellschaftliche, das kulturelle und das politische Leben im Kanton Luzern der vergangenen tausend Jahre unter dem Gesichtspunkt der Bildung.

Zurück im Restaurant Hirschen, Meier zeigt mit dem Finger zum nächsten Objekt auf dem Wandgemälde und macht das, was er am liebsten tut: Geschichte erzählen. Das Haus neben dem heutigen Stiftungstheater sei während vier Jahrhunderten von 1533 bis 1936 ein Schulhaus gewesen, sagt Meier. Mehr noch: «Es war das traditionsträchtigste Gymnasialgebäude im Kanton Luzern. Im untersten Geschoss war eine Metzgerei einquartiert.» Mit einem Teil des Schweineverkaufs sei die Schule finanziert worden. «Die Tiere, die zum Unterhalt der Schule bestimmt waren, nannte man Schulbarg.» Auf den Buchstaben über dem Hauseingang steht noch heute das Wort Schol – Metzgerwaage.

Turnunterricht als pure Provokation

Wer Meier zuhört, fühlt sich auf einer Reise durch die Epochen, die immer wieder in die Gegenwart führt. So schlage etwa die obere Turmuhr der Stiftskirche in Beromünster noch bis heute nicht um 9 Uhr morgens, sondern 5 Minuten vorher. Grund: Die Stiftsschüler mussten pünktlich im Unterricht erscheinen – und dank der 5 Minuten hatten sie noch Zeit, einen Schluck Wasser am Brunnen zu trinken.

Wenn Meier erzählt, ist er kaum zu bremsen. Er nennt in einem Atemzug Jahreszahlen, Namen von Geistlichen, Lehrern, Politikern. Er berichtet von Hermann Zähringer (Historiker und wichtigster Luzerner Mittelschuldenker Mitte des 19. Jahrhunderts), von Joseph Eutych Kopp (Präsident des Luzerner Erziehungsrats von 1841 bis 1845) und von Sibylla Kündig (sie war 1963 die erste Mittelschülerin an der Schule in Beromünster). Wer mit Meier spricht, muss vor allem eins: zuhören können.

«Wussten Sie, dass 1866 bereits 18 Fächer unterrichtet wurden?», fragt Meier. Ein Sekundarlehrer habe damals rund 1000 Franken verdient und eine ganze Schule geführt, nicht nur eine einzelne Klasse. Und 1822 habe einst eine Gruppe von Buben vor dem damaligen Mädchenschulhaus Mariahilf in der Stadt Luzern Turnübungen gemacht. «Stellen Sie sich das einmal vor, das wurde von den Geistlichen, die damals das Schulsystem noch immer stark dominierten, als reine Provokation aufgefasst.» Meiers Gehirn ist ein Lexikon der lokalen Geschichte.

Auf fast 300 Seiten hat er nun die Luzerner Bildungsgeschichte aufgearbeitet, erzählt am Beispiel der Schule Beromünster, die zu den ältesten Gymnasien der Schweiz gehört. Und Meier ist sich sicher: «Die Kantonsschule Beromünster wird es noch lange geben.» Denn die Schule habe schon immer gewusst, sich für ihre Existenz zu wehren – so etwa 1912, als die Schule nur noch drei Schüler aus der Region und zwölf Auswärtige hatte.

Ein Schritt in die Zukunft gemacht

Die Kantonsschule Beromünster lud gestern zum grossen Fest. Hunderte ehemalige Schüler und Interessierte haben das 150-jährige Bestehen gefeiert. Unter anderem erfolgte auch der Spatenstich zum Erweiterungsbau der Mensa und der Turnhalle. 2,8 Millionen Franken werden investiert. Heute geht die Feier mit der Vernissage des Buchs von Pirmin Meier weiter (siehe Haupttext).

Mehrmals vor dem Aus

Derzeit besuchen rund 360 Schüler die Kanti in Beromünster. Die Schule stand in ihrer Geschichte schon mehrere Male vor dem Aus. Letztmals 2005. Damals wollte die Luzerner Regierung die Schule aus Spargründen schliessen. Bereits Mitte der 1970er-Jahre wurde eine Stilllegung diskutiert.

Christian Hodel

Hinweis

Vernissage der Chronik von Pirmin Meier: heute, 16 Uhr, im Stiftstheater Beromünster. Das Buch «Schola beronensis» kostet 36 Franken. Es ist zu beziehen über www.ksberomuenster.lu.ch und in den Buchhandlungen Hirschmatt in Luzern, Untertor in Sursee und von Matt in Stans.

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