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JUBILÄUM: Nur optisch noch keine Einheit

Zehn Jahre nach der Fusion zeigen sich die Ortsteile Ettiswil und Kottwil rundum zufrieden. Auch weil sich die Partnerschaft auszahlt.
Stephan Santschi
Peter Obi, Gemeindepräsident von Ettiswil, vor einem neu entstehenden Quartier in Kottwil. Vor zehn Jahren haben sich die beiden Dörfer zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. (Bild Pius Amrein)

Peter Obi, Gemeindepräsident von Ettiswil, vor einem neu entstehenden Quartier in Kottwil. Vor zehn Jahren haben sich die beiden Dörfer zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. (Bild Pius Amrein)

Stephan Santschi

«Es läuft sehr gut. Es sind keine quer wirkenden Kräfte im Spiel. Man merkt: Diese Fusion war gut vorbereitet.» Peter Obi, seit 2010 Gemeindepräsident von Ettiswil, zieht im Vorfeld der Jubiläumsfeierlichkeiten vom 3. Juni ein positives Fazit. Zehn Jahre sind vergangen, seit Ettiswil und Kottwil mit deutlicher Mehrheit in beiden Bevölkerungen die Zusammenlegung beschlossen hatten. Für das damalige 421-Seelendorf Kottwil, das nach der Fusion mit Ettiswil (1813 Einwohner) auf einen Schlag zu einer fünfmal grösseren Gemeinde gehörte (total: 2234 Einwohner), war der Schritt besonders wichtig. Anton Birrer, letzter Gemeindepräsident von Kottwil, erinnert sich, dass «für uns in erster Linie finanzielle Gründe ausschlaggebend waren». Das jährliche Defizit von 200 000 Franken im Falle des Alleingangs hätte man nicht kompensieren können.

Verschuldung sinkt massiv

Heute zählt Ettiswil 2656 Einwohner, in den letzten zehn Jahren wuchs die Fusionsgemeinde also nochmals um rund 19 Prozent. Dank der guten Lage zwischen Sursee und Willisau profitiere man von jenen Menschen, welche nicht in, sondern in der Nähe zu einem Ballungszentrum wohnen wollen, betont Obi. Die Pro-Kopf-Verschuldung sank derweil von 7464 Franken (Kottwil) beziehungsweise 4871 Franken (Ettiswil) per Ende 2015 auf netto 795 Franken. Minusbilanzen in der Jahresabrechnung gab es seither nicht mehr, der Steuerfuss reduzierte sich von 2,4 (Ettiswil und Kottwil) auf 2,15 Einheiten. «Klar würden wir mit den Steuern gerne noch weiter runtergehen. Kurzfristig gesehen läge das auch drin. Doch dann würde in etwas fernerer Zukunft möglicherweise wieder eine Erhöhung drohen», berichtet Obi.

Sein Vorgänger als Gemeindepräsident von Ettiswil war Franz Künzli, der dieses Amt schon vor der Fusion und danach noch bis 2010 innehatte. Auf Vorteile aus Ettiswiler Sicht angesprochen, hebt der heutige Geschäftsführer eines Surseer Ingenieurbüros die Schule hervor: «Da Kottwil wie versprochen sein eigenes Schulhaus behalten hat, entstand für Ettiswil insgesamt mehr öffentlicher Raum.» Generell hält er fest: Die Fusion sei ein Vernunftsentscheid gewesen – mit zwei Parteien, die sich sehr gut gekannt und in Bereichen wie der Feuerwehr, der Kirche oder im Vereinswesen schon viel miteinander gemacht hätten. «Alles läuft in guten Bahnen. Wir haben eine gute Bauentwicklung, machen aber keine Riesensprünge. Ettiswil ist weiterhin eine beschauliche Gemeinde.»

Als Hochzeitsgeschenk erhielt man damals vom Kanton 2,8 Millionen Franken zugesprochen. Obi geht davon aus, dass man auch nach 2018, wenn die Besitzstandwahrung und damit die Unterstützung des Kantons abläuft, die Finanzen im Griff haben werde: «Durch den Bevölkerungszuwachs entwickelte sich ein zuverlässig arbeitender Mittelstand, der Steuern zahlt. In dieser Hinsicht verfügen wir über kein Risiko, weil wir hier mit Ausnahme von einigen Kleinunternehmen keine Industrie haben.»

Wird Kottwil vernachlässigt?

Bleibt die Frage: Hielt die positive Entwicklung auch in Kottwil Einzug oder fühlt man sich dort möglicherweise links liegen gelassen? Künzli betont: Im Gemeinderat sitze ein Vertreter aus Kottwil, die Anliegen des Fusionspartners gingen nicht vergessen. Und der Kottwiler Landwirt Anton Birrer hält fest: «Nein, wir können uns nicht beklagen. Wir hatten nie das Gefühl, ein Aussenseiter zu sein.» Klar wünschte er sich einen noch etwas tieferen Steuerfuss, wie es die Fusionsplanung eigentlich auch vorgesehen hätte. «Doch mit den vielen Kosten, welche der Kanton mittlerweile auf die Gemeinde abwälzt, ist das schier unmöglich.»

Peter Obi weist derweil daraufhin, dass Kottwil ebenfalls gewachsen sei und dies weiterhin tue: «Vor allem in Sachen Einfamilienhäuser ist dort einiges passiert.» Die über zwei Kilometer grosse Distanz zwischen den beiden Dorfzentren erschwere es allerdings weiterhin, Ettiswil und Kottwil auch optisch als eine Gemeinde erscheinen zu lassen. «Wir haben das zu ändern versucht, doch dazwischen liegt vor allem Landwirtschaftszone», sagt Obi und fügt an: «Vorderhand behelfen wir uns bei anstehenden Feierlichkeiten damit, die Strassenlampen beider Dörfer auf dieselbe Weise zu beflaggen.» So, wie nun mit Blick Richtung 3. Juni, wenn Ettiswil und Kottwil ihr zehnjähriges Fusionsjubiläum zelebrieren.

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