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JUBILÄUM: Sie beleben seit 50 Jahren die Fasnacht im Entlebuch

Dank der Chräjezunft wird die Fasnacht im Entlebuch gelebt. Sie entstand vor einem halben Jahrhundert und war bereits damals fortschrittlich. Die Jubiläumsfeier gibt es aber erst nach der Fasnacht.
Martina Odermatt
Sorgen seit 50 Jahren für fasnächtliche Stimmung im Entlebuch: die Chräjezunft, hier auf einem Foto unbekannten Datums. (Bild: PD)

Sorgen seit 50 Jahren für fasnächtliche Stimmung im Entlebuch: die Chräjezunft, hier auf einem Foto unbekannten Datums. (Bild: PD)

Es ist wohl auch dem an der Fasnacht jeweils reichlich fliessenden Alkohol zu verdanken, dass im Entlebuch seit 50 Jahren Fasnacht gemacht und gelebt wird. Denn so lange ist es her, dass in Entlebuch die Chräjezunft gegründet worden ist – auch wenn sie zu Beginn noch anders hiess. Aber von vorne.

22. Februar 1968. Es ist Schmutziger Donnerstag, die Guggenmusigen spielen ihre Stücke, das närrische Treiben hat den Kanton Luzern fest im Griff. Nur im Entlebuch, da hält sich das Fasnachtsfieber in Grenzen. Die beiden Entlebucher Josef Wigger alias Spowi und Max Kaufmann haben die Idee zu einem Fasnachtsumzug. Dieser soll noch im selben Jahr stattfinden. Und tatsächlich: Nach fünf Tagen Organisation und Vorbereitungen für den Umzugswagen wurde am Güdisdienstag in Entlebuch der erste Fasnachtsumzug durchgeführt. Damals war auf dem Wagen noch der Schriftzug «Chölizunft» zu ­lesen. Bei der Zunftgründung am 9. Oktober 1968 wurde dieser Name jedoch in Chräjezunft geändert.

Ausschlaggebend dafür war ein Einwand des Lokalhistorikers und Sprachkenners Julius Aregger aus Hasle. Das Wort «Cheli», mit welchem man ein Kafi Schnaps meint, sei ursprünglich ein Obwaldner Ausdruck. Im Entlebuch werde von «Schwarzem» oder eben «Chräj» gesprochen.

Konservativ und doch fortschrittlich

Mitglied der Chräjezunft durfte zu Beginn jedoch nur sein, wer aus dem Hinterdorf kam. Da der Zunft mit der Zeit aber die zunftmeisterlichen Oberhäupter ausgingen, verzichtete man schon bald auf diese örtliche Begrenzung. Wer heute Mitglied werden will, muss lediglich den Zunftbeitrag bezahlen.

War die Zunft zu Beginn vielleicht mit der Ortseinschränkung etwas konservativ, so war sie in einem anderen Belang doch sehr fortschrittlich: Von Anfang an durften Frauen in die Zunft eintreten. Sie konnten sogar Zunftmeisterinnen werden. In Anbetracht, dass auch heute noch ­viele Zünfte in Männerhand sind – besonders die städtischen –, ist das doch recht aussergewöhnlich. Auch das aktuelle Oberhaupt ist mit Vreny Renggli weiblich, und Katja Jenni präsidiert gar die Zunft. Sie ist überzeugt: Schon früher haben die Frauen gerne «gfäschtet» und Fasnacht gemacht. «Allerdings schickte es sich zu jener Zeit einfach noch nicht.» Auch eine weitere Tradition hat die 50-jährige Zunftgeschichte überlebt: Anders als in anderen Zünften bedeutet eine Mitgliedschaft im Zunftrat noch nicht, dass man einmal Zunftmeister wird. «Der Zunftpräsident sucht jemanden aus dem Dorf, der zum fasnächtlichen Treiben und zur Zunft passt», erklärt Jenni. Das sei jeweils sehr spannend – für die Zunfträte wie auch für die Bevölkerung. «Unsere Zünftler sind sehr offen. Es spielt eigentlich keine Rolle, wer als Zunftmeister ausgesucht wird: Er oder sie wird immer gut aufgenommen.»

Einiges hat sich seit der Gründung aber doch verändert: Ganz so schnell wie vor 50 Jahren organisiere man heute keinen Umzug mehr, sagt Jenni und lacht. Da brauche es mehr Vorbereitung. «Unser Umzug ist mit 53 Nummern mittlerweile recht gross.» Man organisiere ihn abwechselnd alle zwei Jahre mit Wolhusen. Auch eine Fasnachtszeitung gebe man heraus, das «Chräjegschrei». Und das «Fäscht im Chräjenäscht» finde jährlich statt.

Das halbe Jahrhundert, das die Zunft mittlerweile auf dem Buckel hat, werde wenig an der Fasnacht gefeiert, sagt Jenni. Man habe die Dorfdeko verändert, und am Umzug gebe es zu Ehren des Jubiläums eine Spezialnummer. Richtig gefeiert wird aber erst nach der Fasnacht, am 14. April. «Wir hatten zwischen Weihnachten und der Fasnacht schlicht keine Zeit zum Organisieren, und wir fanden kein Datum, das allen gepasst hat», sagt Jenni. «Wir möchten das Fest auch geniessen können.» Man darf annehmen, dass dabei auch das eine oder andere Kafi Chräj getrunken werden wird – auch wenn die Fasnacht dann bereits vorbei ist.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

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