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JUBILÄUM: Vonarburg feiert 125-jähriges Jubiläum: «Gerettet hat uns die Armee»

Vor 125 Jahren wurde die Firma Vonarburg in Luzern gegründet. Seither haben die Besitzer das Sortiment laufend verbreitert – und auch einige harte Jahre durchlebt.
Jeannette Voltz
Inhaber Peter Vonarburg (links) und Geschäftsführer Jörg Schnider im Laden an der Alpenstrasse. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 24. Oktober 2017))

Inhaber Peter Vonarburg (links) und Geschäftsführer Jörg Schnider im Laden an der Alpenstrasse. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 24. Oktober 2017))

Jeannette Voltz

stadt@luzernerzeitung.ch

Der Grundstein für das Unternehmen, das seit fünf Generationen in Familienbesitz ist, legte Xaver Vonarburg – Ururgrossvater des heutigen Inhabers Peter Vonarburg (53). «Er war Schuhmacher und suchte damals in Mailand nach speziellem Leder, das in Schweizer Gerbereien nicht zu finden war», erzählt ­Peter Vonarburg. Die qualitativ hochstehenden Lederschuhe riefen bei Berufskollegen darauf den Wunsch hervor, ebenfalls mit dem exklusiven Material zu arbeiten. «So wurde der Lederhandel geboren.» Während des Ersten Weltkriegs brach dieser jedoch ein und brachte die Familie an den Rand des Ruins. «Gerettet hat uns damals die Armee, für die wir für ein bescheidenes Entgelt Schuhe produzieren konnten.»

Bernina-Vertretung als Glücksgriff

Steil bergauf ging es dann zu Beginn der 1930er-Jahre, als Vonarburg die Vertretung von Bernina-Nähmaschinen für die Region Luzern übernahm und damit ein goldenes Händchen bewies. «Denn auch heute noch kennt man unser Traditionshaus vor allem wegen des grossen Bernina-Nähmaschinen-Sortiments», sagt Peter Vonarburg.

Dies war nicht der einzige Strategiewechsel, den die Firma seit ihrer Gründung 1892 vollzogen hatte. Dass sich Vonarburg inzwischen auch im Fasnachtsgeschäft gut positionieren konnte, daran habe er bereits als Knirps hart gearbeitet, erzählt Peter Von­arburg mit einem Augenzwinkern. «Wenn mein Vater jeweils Anfang Jahr über das Januarloch gejammert hat, habe ich ihn immer wieder gedrängt, er solle auch Fasnachtsutensilien verkaufen.» Natürlich habe er dabei nicht nur an den Umsatz, sondern vor allem an den eigenen Indianerkopfschmuck gedacht. Dass der Einsatz Früchte trug, beweist das heutige breit gefächerte Fasnachtssortiment im unteren Stock des Geschäfts.

Peter Vonarburg übernahm die Firma 1991. Vor einem Jahr konnte er alle Aktien, die sich noch in erweitertem Familien­besitz befanden, übernehmen. 2001 zog das Geschäft von der Kapellgasse an den Weinmarkt. Nach zehn Jahren beanspruchte die damalige Besitzerin den obersten Stock als Eigenbedarf und erhöhte gleichzeitig die Miete exorbitant. «Deshalb sind wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge an den Rand der Altstadt an die Alpenstrasse 10 gezogen», sagt Vonarburg. Mit dem Umzug erhöhte sich die Ladenfläche von ehemals 500 auf 1200 Quadratmeter.

Aber nicht nur die Verkaufsfläche wuchs, sondern auch der Umsatz. «Schuld» daran sei auch Jörg Schnider (46), seit 13 Jahren Geschäftsleiter bei Vonarburg und «rechte Hand» des Firmenbesitzers. Er habe Vonarburg darin bestärkt, das Konzept auszuweiten. Neben Bernina-Maschinen, einer Nähmaschinen-Werkstatt und Fasnachtsartikeln findet man im Laden unter anderem auch jede Menge Bastel­zubehör, Nähutensilien oder diverse Stoffe. «Die ineinander gehenden Abteilungen, welche unserer Kundschaft einen umfassenden Überblick auf das gesamte Sortiment ermöglichen, werden allgemein sehr geschätzt», sagt Schnider. Was man bei Von­arburg nicht finde, fände man ­nirgendwo, höre er immer wieder. «Ein Lieferant hat mir sogar bestätigt, dass wir nicht nur schweiz-, sondern auch europaweit das grösste Sortiment anbieten.» Dass sich die Firma in einer Zeit des allgemeinen Ladensterbens auch nach 125 Jahren in der Innenstadt behaupten kann, sei dem breit gefächerten Angebot, aber auch guten Serviceleistungen und kompetenten Mitarbeitenden zu verdanken, sagt Peter Vonarburg.

Zum Leben blieb teils wenig übrig

Der Inhaber schaut voller Stolz auf die 125-jährige Geschichte seiner Familie zurück. Er habe grosse Ehrfurcht vor der Arbeit seiner Vorfahren. Die Zeiten während der Kriege bis zum Ende der 1960er-Jahre seien hart gewesen. So habe ihm seine Mutter erzählt, dass der Vater in der Zeit, als sein älterer Bruder ­geboren wurde, 250 Franken ­verdient habe – von denen gleich 130 für die Miete draufgingen. «Als meine Mutter sich bei der Schwiegermutter über den mageren Lohn beklagte, hat meine Grossmutter 20 Franken draufgelegt», meint Vonarburg schmunzelnd. Trotz der vielen Jahre, in denen man Verluste geschrieben habe, sei Aufgeben nie eine Option gewesen.

Xaver Vonarburg, Gründer des Unternehmens Vonarburg und Ururgrossvater Peter Vonarburgs. Das Bild entstand um 1895. (Bild: zvg.)

Xaver Vonarburg, Gründer des Unternehmens Vonarburg und Ururgrossvater Peter Vonarburgs. Das Bild entstand um 1895. (Bild: zvg.)

Xaver Jr., Seppi und Anton Vonarburg, dritte Inhaber-Generation des Familienunternehmens Vonarburg Luzern. (Bild um 1912) (Bild: zvg.)

Xaver Jr., Seppi und Anton Vonarburg, dritte Inhaber-Generation des Familienunternehmens Vonarburg Luzern. (Bild um 1912) (Bild: zvg.)

Anton Vonarburg, Vater von Peter Vonarburg. Er führte die Firma Vonarburg in vierter Generation. (Bild: zvg.)

Anton Vonarburg, Vater von Peter Vonarburg. Er führte die Firma Vonarburg in vierter Generation. (Bild: zvg.)

Werbeinserat der Firma Vonarburg im Luzerner Tagblatt vom 23. Januar 1896. (Bild: zvg.)

Werbeinserat der Firma Vonarburg im Luzerner Tagblatt vom 23. Januar 1896. (Bild: zvg.)

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