Sempachs Kandidaten fürs Stadtpräsidium zeigen Kampfgeist

Die beiden lieferten sich am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Jürg Aebi erhielt nur zwölf Stimmen mehr als sein Mitkandidat Bruno Rosset – und verpasste das absolute Mehr. Im Juni treten beide nochmals zur Wahl an.

Livia Fischer
Drucken
Teilen
Treten im Juni nochmals fürs «Stapi»-Amt in Sempach an: Jürg Aebi (links) und Bruno Rosset.

Treten im Juni nochmals fürs «Stapi»-Amt in Sempach an: Jürg Aebi (links) und Bruno Rosset.


Bild: Eveline Beerkircher (Sempach, 12. März) 

Wahlsonntag, 15 Uhr. Jürg Aebis Telefon klingelt. «Du hast gewonnen», sagt der Anrufende, hält einen Moment inne und fährt fort: «Aber du hast leider das absolute Mehr nicht erreicht.» So schildert Aebi die Situation am Sonntagnachmittag. Er und Bruno Rosset wollen Stadtpräsident von Sempach werden. Knapper hätte das Ergebnis kaum ausfallen können.

Rosset wählten 703 Stimmbürger und Stimmbürgerinnen, Aebi 715 – zwei Stimmen fehlten ihm zum absoluten Mehr.  «In der ersten halben Stunde habe ich mich schon etwas darüber geärgert», gibt Aebi zu. Danach habe er sich aber einfach nur gefreut. «Ich hätte dieses gute Resultat nicht erwartet.» Auch Rosset zeigt sich über das Ergebnis überrascht; dass es so knapp wird, damit hat er nicht gerechnet. Trotz zweitem Platz geht es ihm wenige Tage nach der Auszählung sehr gut: «Ich freue mich, so nahe an Jürg Aebi herangekommen zu sein.»

Einigung zwischen den CVPlern kommt nicht infrage

«Siegessicher bin ich überhaupt nicht. Aber ich rechne mir weiterhin gute Chancen aus, ich habe nun ja bereits zweimal gewonnen», sagt Aebi. Er bezieht sich auf die Nominationsversammlung der CVP im Januar, bei der er ebenfalls mehr Stimmen als Rosset erzielt hatte. Für den 60-Jährigen steht fest: «Ich will Stadtpräsident werden und bin jetzt motivierter denn je.»

Aufgeben ist auch für Rosset ausgeschlossen. Auf die Frage, ob eine Einigung zwischen ihm und seinem Parteikollegen zur Debatte gestanden sei, antwortet der CVPler lachend: «Nein, wir sind beide Kämpfernaturen.» Er sei ein Ausdauersportler und «nicht so schnell am Boden».

Nach der Wahl habe er mit seiner Familie darüber diskutiert, was der Hauptgrund sei, warum er weitermachen will. «Ich mache es nicht einfach aus reinem Siegeswillen, sondern weil ich überzeugt bin, dass ich in unserem Städtchen etwas bewegen kann», so der selbständige Unternehmer. Seine Familie und Freunde unterstützen den 60-Jährigen auch weiterhin tatkräftig. «Ich habe ein riesiges Glück, so ein tolles Umfeld zu haben.»

«Andere Sorgen» als zweiter Wahlkampf

Im Juni findet der zweite Wahlgang voraussichtlich statt. Aufgrund der Coronanotlage gestaltet sich der Wahlkampf zurzeit besonders schwierig. Aebis Ziel ist es, bei der Sempacher Bevölkerung noch bekannter zu werden. Dafür bräuchte er mehr persönliche Auftrittsmöglichkeiten – da habe er jeweils punkten können. «Das liegt sicher auch an meiner beruflichen Erfahrung. Ich bin den Umgang mit Medien sowie Reden vor x-Leuten gewohnt. Bruno Rosset war vor den Auftritten jeweils etwas nervöser als ich», glaubt der CEO des Kantonsspitals Baselland.

In den kommenden Wochen setze er vermehrt auf die sozialen sowie auf Print- und Audiomedien. Was genau er vor hat, behält er für sich. Nur so viel verrät er: «Ich habe ein paar neue, überraschende Ideen. Ein herkömmliches Inserat mit einem Foto von mir und dem Satz ‘Wählen Sie Jürg Aebi’ wird es bestimmt nicht geben.»

Bruno Rosset will an seinen bisherigen Inhalten festhalten. «Damit fahre ich ganz gut», so sein Fazit. Seine Hauptanliegen: moderates Wachstum, auf der «ökologisch und zwischenmenschlich hohen Qualität Sempachs» aufbauen und das «schöne Städtchen» gegen aussen noch etwas moderner positionieren. Für ihn ist aber klar: aktiven Wahlkampf betreibt er vorerst nicht. «Dafür bleibt noch lange Zeit. Wir haben im Moment ganz andere Sorgen in dieser aussergewöhnlichen Situation.»

Mehr zum Thema

Sempach: Es kommt zu einem zweiten Wahlgang

Vier Kandidatinnen und Kandidaten haben den Sprung in den Stadtrat von Sempach gemacht. Der Sitz des Stadtpräsidenten konnte aber ganz knapp noch nicht besetzt werden.
Susanne Balli