Jugendgewalt: Nun reichts den Politikern

Auch wenn die Jugendkriminalität sinkt: Bürgerliche Luzerner Politiker fordern Nulltoleranz. Sie vermuten bei Gewaltdelikten eine hohe Dunkelziffer.

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Jugendliche Opfer von Gewalttaten getrauen sich oftmals nicht, das ihnen zugestossene zu melden. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Jugendliche Opfer von Gewalttaten getrauen sich oftmals nicht, das ihnen zugestossene zu melden. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

«Küsnachter Schüler schlagen in München Mann halb tot». Solche und ähnliche Schlagzeilen sorgten vor knapp drei Jahren schweizweit für Empörung. Nicht nur das: Auch in Deutschland, wo das Verbrechen in der Nacht auf den 1. Juli begangen wurde, sorgte die Tat der 15- bis 17-jährigen Berufswahlschüler aus dem zürcherischen Küsnacht für grosses Entsetzen. Zum Motiv der Tat gab einer der brutalen Schläger später bei den Einvernahmen an, dass sie einen «Kick» gesucht hätten. Am 22. November verurteilte die Jugendkammer des Landgerichts München den Hauptangeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Viele Opfer haben Angst

Solche und ähnliche Taten brennen sich ins Gedächtnis vieler Medienkonsumenten ein und sorgen in breiten Bevölkerungsschichten für ein latentes Unbehagen. Politiker (siehe Kasten) nehmen solche Stimmungen auf und versuchen Gegensteuer zu geben. So auch der 28-jährige FDP-Kantonsrat Damian Müller aus Hitzkirch. Als Erstunterzeichner eines Postulates mit dem Titel «Nulltoleranz bei Jugendgewalt» fordert er die Kantonsregierung auf, einen umfassenden Bericht über die «jugendliche Gewaltkriminalität im Kanton Luzern vorzulegen». Zur Motivation für diesen Vorstoss sagt Müller: «Viele Gewalttaten und vor allem Bedrohungen werden heute unter dem Deckel gehalten. Den Grund dafür sehe ich im Umstand, dass viele Opfer aus Angst vor Repressalien sich nicht mehr getrauen, die Vorkommnisse zu melden.» Müller vermutet im Zusammenhang mit der Jugendgewalt eine hohe Dunkelziffer. Diesen Eindruck erhielt Müller aufgrund von Kontakten mit Eltern, deren Kinder über längere Zeit bedroht wurden. Auch Gespräche, die Müller mit Jugendlichen führte, stützen die Vermutung des Kantonsparlamentariers.

Höhepunkt war 2005

Nun ist es so: Die offiziellen Statistiken zeigen auf, dass sich die Jugendgewalt in den vergangenen Jahren glücklicherweise nicht ausgeweitet hat. Im Geschäftsbericht der Luzerner Polizei vom vergangenen Jahr ist unter anderem Folgendes festgehalten: «Ähnlich wie in anderen Kantonen stellt die Polizei auch im Kanton Luzern im Bereich der Jugendgewalt rückläufige Zahlen fest.» Gegenüber 2010 war das im letzten Jahr bei allen Straftatbeständen der Fall. Also bei Delikten, die beispielsweise unter der Kategorie «Sexuelle Integrität» oder unter der Rubrik «Vermögensdelikte» geführt werden.

Thomas Heer / Zentralschweiz am Sonntag

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