JUGENDSESSION: Samuel Schmid: «Ihr seid auf dem richtigen Weg»

Alt Bundesrat Samuel Schmid referierte an der gestrigen Jugend- session. Er warb für politisches Engagement – aber nicht für ein tieferes Stimmrechtsalter.

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Alt Bundesrat Samuel Schmid liess es sich gestern nicht nehmen, im Luzerner Kantonsratssaal vor den Jungpolitikern zu sprechen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Alt Bundesrat Samuel Schmid liess es sich gestern nicht nehmen, im Luzerner Kantonsratssaal vor den Jungpolitikern zu sprechen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die zweite Luzerner Jugendsession tagte im Saal des Luzernwer Grossen Rats. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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Alt Bundesrat Samuel Schmid war prominenter Gast. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Jungpolitiker vollziehen den dramaturgischen Bogen der Rede nach. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Samuel Schmid über das politische Engagement: «Der Bürger ist permanent gefordert.» (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die zweite Luzerner Jugendsession tagte im Saal des Luzernwer Grossen Rats. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Charly Keiser

Das Ziel der Jugendsession sei die Meinungsbildung Jugendlicher und deren Begeisterung für die Politik. So fasst Agustin Maiorini, Vorstandsmitglied des Vereins Jugendparlament Kanton Luzern, die Vereinsvision zusammen. Rund 20 Jugendliche mehr als im Vorjahr hätten an der gestrigen zweiten Luzerner Jugendsession teilgenommen, verriet er.

Besonders das Interesse von Schulen sei gross gewesen, sagte Maiorini und ergänzte: «100 Teilnehmer sind ein grosser Erfolg. Dies ganz besonders, wenn man es mit der eidgenössischen Jugendsession und deren rund 200 Beteiligten vergleicht.» Die Session müsse als Werbung für die Politik bei den jungen Leuten betrachtet werden, ergänzt Maiorini und betont: «Und das Wichtigste ist, dass die Meinungsbildung und die Diskussion auch nach der Jugendsession in den Schulen weitergehen.»

Verschiedene Spielregeln

Grossen Anteil an der «Werbung» kam beim gestrigen Anlass alt Bundesrat Samuel Schmid zu, der in seiner Rede in Mundart über den Sinn und die Notwendigkeit der politischen Arbeit referierte. Er verglich dabei zuerst die Privatwirtschaft mit dem Staat. Für Firmen sei ein Gewinn wichtig, um Steuern und andere Auslagen begleichen zu können. Der ständig wechselnde Markt und Wettbewerb verlange Flexibilität. «Doch die öffentliche Verwaltung ist eine andere Sportart, hat andere Spielregeln», erklärte er und mahnte. «Und dies ist auch nötig. Denn es kann ja nicht mit Handballregeln Fussball gespielt werden.» Der Staat besitze das Macht- und Gewaltmonopol und müsse dieses verwalten. «Das verlangt nach speziellen Regeln», betonte Schmid. Die öffentlichen Institutionen seien ausserdem der Rechtsgleichheit verpflichtet. «Der Staat kann zum Beispiel einem Bürger eine Leistung nicht verweigern und sagen, ‹Du passt mir nicht›; was private Unternehmer aber sehr wohl tun können.» Auch die Rendite sei für den Staat nicht von Belang, fügte Schmid an.

«Schuh zwischen die Türe halten»

Ganz wichtig sei darum, dass insbesondere beim Gesetzesprozess in der Schweiz das Volk immer die Möglichkeit habe, den «Schuh zwischen die Türe zu halten», betonte Schmid und fügte an: «Darum ist der Bürger permanent gefordert, und darum sind in der Schweiz die Wahlen auch nicht so wichtig wie in Ländern, wo nur alle vier Jahre gewählt werden kann.» Es sei wichtig, mitzumachen – und genau genommen sei es eine Bürgerpflicht, deren Missachtung aber nicht geahndet werde, erklärte Schmid. «Dank des Jugendparlaments seid ihr ja auf dem Weg, gute Mitglieder der Gesellschaft zu werden», lobte Schmid und doppelte nach: «Lesen, Sehen und Zuhören ersetzen das Denken nicht. Engagiert euch. Und seid euch bewusst, es ist wie beim Sport. Mitmachen garantiert keinen Erfolg.»

Alt Bundesrat Schmid wurde nach seiner Rede gefragt, was er von einer Wahl- und Abstimmungspflicht sowie einem tieferen Stimmrechtsalter halte. «Eigentlich nicht viel», antwortete er. «Es gibt manchmal gute Gründe, warum jemand nicht an die Urne will.» Auch das Stimmrechtsalter 16 ist für Schmid kein Thema: «Es ist doch komisch, wenn Sie zwar über höchst wichtige Sachen an der Urne entscheiden könnten, aber nicht Autofahren dürften», begründete er seine Ablehnung und ergänzte: «Engagieren Sie sich, bleiben Sie kritisch, und lassen Sie sich nicht instrumentalisieren. Sie sind gut ausgebildet und reif, nutzen Sie das.»

Dies taten die jungen Leute denn auch und fordern in ihrer Petition an den Regierungsrat, dass künftig schon ab der 5. Klasse und nicht erst im Gymnasium ein entsprechend ausgebildeter Lehrer unterrichten soll.