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Jugendtheater Willisau: Berauscht von Musik und Tanz

Im Fokus des neuen, selbst erarbeiteten Stücks des Jugendtheaters Willisau steht das Thema «Rausch». Sechs junge Frauen beweisen bei ihrem eindrücklichen Spiel viel Sensibilität und Bühnenhunger.
Yvonne Imbach
An der Hauptprobe des Jugendtheaters Willisau. (Bild: Pius Amrein, 4. Juni 2019)

An der Hauptprobe des Jugendtheaters Willisau. (Bild: Pius Amrein, 4. Juni 2019)

«Tanz der Mänaden» heisst die neue Eigenproduktion des Jugendtheaters Willisau, das am Freitagabend Premiere feierte. Bei einem Probebesuch kurz vorher wurde klar: Das gesamte Ensemble hat ein rundum kluges, intensives und packendes Stück geschaffen.

Mänaden sind in der griechischen Mythologie Frauen, die sich aus Verehrung zu Gott singend und tanzend in einen ekstatischen, rauschartigen Zustand versetzen. Das Thema Rausch ist der inhaltliche Schwerpunkt des Stückes. Regisseurin Nina Halpern blickt auf den Entwicklungsprozess zurück: «Das Thema Rausch brachte ich in das Ensemble ein. Mit den sechs jungen Frauen, die sich dieses Jahr angemeldet hatten, fand ich die richtige Truppe für diese Thematik.» Weil es heuer eine reine Frauengruppe ist, habe sich das Bildnis der Mänaden sehr gut zur Umsetzung geeignet.

«Ohne Musik würde das Stück nicht funktionieren»

Der Zuschauer wird ungewöhnlich abgeholt: Es erhalten alle Kopfhörer, über die auf drei Kanälen verschiedene Musik wähl- und hörbar ist. Verantwortlich für die gesamte Musik ist Soundkünstler Raphael Fluri, der mit seinen Kompositionen das Stück komplett macht. Nina Halpern sieht absolut zu Recht ein Privileg in dieser Zusammenarbeit: «Ohne die Musik würde das Stück nicht funktionieren.» Der Soundteppich aus dumpfen Dröhnen, Kichern, Schritten, Schlaggeräuschen und Rufen erzeugt das Gefühl, sich in eine andere Welt zu begeben. Dieser Wirkung kann man sich kaum entziehen.

Wenn alle Zuschauer Musik auf den Ohren haben, meldet sich eine Stimme, die sich als «Künstliche Intelligenz» vorstellt. «KI», wie sie genannt werden will, möchte den Rauschzustand der Menschen begreifen und selbst erfahren. Dazu lädt sie sechs Frauen mit unterschiedlichen Biografien an ein Festival ein, eben zum «Tanz der Mänaden». Das Festival wurde von «KI» geschaffen, um den Menschen eine Auszeit zu ermöglichen. Die sechs Frauen lassen sich darauf ein, singen und tanzen, brüllen und schreien, reflektieren, was Rausch für sie ist: «Rausch ist für mich Flucht», oder «Momente des Rausches machen das Leben für mich erträglicher», bekennen sie. Aber auch das «Loch nachher» oder die Angst, zu sterben, kommen zur Sprache. «KI»muss sich entscheiden, ob sie berauscht sein will. Denn Menschen kehren aus Rausch und Trance zurück in den Alltag. Eine ausser Kontrolle geratene Maschine jedoch ist defekt.»

Dem Ensemble ist die intensive Entwicklung der Charaktere sehr gut gelungen. Voller Körpereinsatz, spannende Choreografien, sensible Lieder und sehr viel Bühnenhunger machen aus dem Stück ein nachhaltiges Werk. Drogen und Alkohol werden aber keineswegs verherrlicht. «Denn Rausch ist nicht gleich Rauschmittel», betont Nina Halpern.

Hinweis: Aufführungen bis am 29. Juni, im Zeughaus «I der Sänti» in Willisau. Vorverkauf: www.jugendtheater.willisau.ch oder bei der Papeterie Imhof, Telefon 041 970 14 34.

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