JUGENDVEREINE: Das waren noch Zeiten

«Weisch no?» – Luga-Besucher können am Stand von Jubla und Pfadi in Erinnerungen schwelgen. Auch die Autorin wird von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Beatrice Vogel
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Levin aus Bürglen (links) und Pfadfinder Matthias Galbier schiessen mit der Kanone auf dem Piratenschiff. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. Mai 2017))

Levin aus Bürglen (links) und Pfadfinder Matthias Galbier schiessen mit der Kanone auf dem Piratenschiff. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. Mai 2017))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

«Du warst doch mal im Blauring Ruswil», sagt eine Stimme, als ich das Piratenschiff von Jubla und Pfadi an der Luga betrete. Zur Stimme gehört ein bekanntes Gesicht: Caroline Seeholzer, Blauring-Name Zapato, war unter den jüngeren Blauring-Mädchen, als ich vor zehn Jahren meinen Austritt gab. Die heute 22-Jährige ist noch immer Leiterin im Blauring Ruswil.

«Ich weiss noch, wie du damals der König warst und wir dich ins Gefängnis eingesperrt haben», sagt Caroline, das sei eine ihrer besten Erinnerungen an ihre frühen Blauring-Jahre. Auch ich erinnere mich: Das war im Sommerlager 2005 auf dem Brünig mit dem Motto «Das waren noch Zeiten» – eines der legendärsten Lager meiner Blauring-Zeit. Wir spielten an jenem Tag die Französische Revolution nach, und ich als König Louis XVI wurde glücklicherweise nicht hingerichtet, sondern in einen hölzernen Käfig gesperrt – zur Freude aller Mädchen.

«Freundschaften, die bis heute bestehen»

Nicht nur ich werde von der Vergangenheit eingeholt, wenn ich den Luga-Platz von Jubla und Pfadi betrete. Auch Tanja Fraser (36), die mit ihrem zweijährigen Sohn hier ist, denkt dabei an früher. Sie war Mitglied des Blaurings Leuk-Susten. «Es war eine coole Zeit, ich habe von damals Freundschaften, die bis heute bestehen», erzählt sie. «Ich würde mich freuen, wenn auch der Kleine einmal bei Jubla oder Pfadi mitmachen würde.» Faszinierend an den Vereinen finde sie, dass es für deren Aktivitäten so wenig brauche («keine Playstation») und man dabei mit Spass sehr viel lerne. Ebenso sei spannend, wie das Wissen und die Verantwortung von Generation zu Generation weitergegeben werden: «Plötzlich sind die Kleinen selbst Leiterinnen», so Fraser.

Die Aktivitäten sind aus Sicht von Janine «Laida» Durrer (23) ein wichtiger Aspekt, warum die Jugendvereine nach wie vor ungebrochenen Zulauf haben. Sie war früher in der Pfadi St. Michael und ist heute im Kantonalverband Luzern aktiv. «In der Pfadi erlebt man Dinge, die man nirgendwo anders erleben kann. Und man lernt etwas, ohne dass man es merkt.» Beispielsweise, wenn man mitten in der Nacht im Regen eine Zeltplane neu spannen müsse, um danach wieder im Trockenen schlafen zu können, sei das schon ein Erfolgserlebnis, so Durrer.

Bei der Sonderschau Jugend gibt es eine Wand, an der Besucher ihre schönsten Jubla- und Pfadi-Erinnerungen aufschreiben können. Da steht etwa: «Lagerfeuer mit Gitarre», «jedes Lager, jede Gruppenstunde», «Schoggi-Bananen essen», «Schlammrutsche», «auf der Wiese liegen mit Pfadi-Freunden und den Sternschnuppen zuschauen» und «... dass ich Kevin kennen gelernt habe». Ja, auch viele Liebesgeschichten haben im Jugendverein ihren Ursprung. Das weiss auch Janine Durrer: «Meine Grosseltern haben sich in der Pfadi kennen gelernt.»