Junge Muslime besetzen Bahnhof-Restaurant

Die Vereinigung Islamischer Jugend Schweiz (VIJS) hat am Sonntag an einem Treffen in Luzern gegen die Islamophobie demonstriert. Ein angekündigter Islam-Prediger aus Deutschland reiste nicht an, offenbar weil er nicht in die Schweiz einreisen durfte.

Drucken
Teilen
Nicolas Blancho spricht zu den rund 150 versammelten Personen. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Nicolas Blancho spricht zu den rund 150 versammelten Personen. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Die 100 bis 150 Teilnehmer des Treffens in Luzern liessen sich kurzerhand im Bahnhofbuffet nieder. Die VIJS war zuvor mit der Buchung von zwei anderen Lokalen in Luzern und Emmen gescheitert, und auch in der Aula der Bahnrestauration Luzern konnten sie ihr Seminar nicht durchführen, wegen einer Doppelbuchung des Saales.

Im Bahnhofbuffet entrollten Frauen - durchwegs mit Kopftüchern, einige zudem auch mit Schweizer Fähnchen - mehrere Transparente. «Nein zur Islamophobie» oder «Wir lassen uns den Mund nicht verbieten!» konnte man unter anderem lesen. Weil der Restaurantbetrieb gestört wurde und einige Gäste reklamierten, wurde die Luzerner Polizei gerufen. Nach Gesprächen mit allen Beteiligten habe sich die Gruppierung aufgelöst, teilte die Polizei am Abend mit.

Auch Nicolas Blancho dabei

Der Präsident des umstrittenen Islamischen Zentralrates (IZRS), Nicolas Abdullah Blancho, rief die Anwesenden auf, stolz zu sein auf ihre Identität. Sie seien Teil der Zukunft der Schweiz und dürften es sich nicht gefallen lassen, dass sie und ihre Rechte unterdrückt würden. Blancho beklagte eine zunehmende Einschränkung der Rechte der Muslime.

Islam-Prediger blieb in Deutschland

An der Veranstaltung hätte auch der deutsche Islam-Prediger Abu Jibril auftreten sollen. Laut einem IZRS-Communiqué wurde Jibril am Sonntag früh am Düsseldorfer Flughafen vom deutschen Bundesgrenzschutz nahe gelegt, nicht in die Schweiz zu reisen, da er dort mit einer vorübergehenden Verhaftung rechnen müsste. Der IZRS geht davon aus, dass die Schweizer Behörden gegen Abu Jibril eine Einreisesperre verhängt haben. Ein fedpol-Sprecher wollte dies nicht kommentieren, da die Verhängung von Einreisesperren grundsätzlich nicht kommuniziert wird.

Vermutungen zu Finanzierung

Der Islamische Zentralrat sah sich am Sonntag zudem mit der Vermutung konfrontiert, wonach Gelder von salafistischen Organisationen, etwa aus Saudi-Arabien, zu seinen Gunsten fliessen könnten. Darauf schliessen liessen «festgestellte Kontakte und Reisen von Exponenten des IZRS», zitiert die «SonntagsZeitung» aus einem Bericht des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB). Diese Behauptungen weist der Islamische Zentralrat zurück, wie der Rat in einer Mitteilung schreibt. «Der Islamische Zentralrat finanziert sich im Inland durch Mitgliederbeiträge, Gönnerbeiträge und Spenden», heisst es weiter. Dass das vertrauliche NDB-Dokument an die Öffentlichkeit gelangte, kommt aus Sicht des Rates einer Diffamierungskampagne gleich. Es könnte sich ausserdem um einen Fall von Amtsmissbrauch und Amtsgeheimnisverletzung handeln.

sda/rem