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Ein junger Emmer diszipliniert Maiskörner

Schon als Bub war Silvio Bossert ein Tüftler. Nun hat der 26-jährige Emmer Maschineningenieur eine Mais-Sämaschine entwickelt, die gar in den USA Furore macht. Bossert ist überzeugt: Wenn der Mais geordnet wächst, steigt der Ertrag.
Hannes Bucher
Silvio Bossert beim Feldversuch in den USA. (Bild: PD)

Silvio Bossert beim Feldversuch in den USA. (Bild: PD)

Nicht etwa Bleisoldaten präsentiert der 26-jährige Emmer Silvio Bossert auf seinem Laptop. Vielmehr sind Maisschösslinge zu sehen, in strammer Formation, ausgerichtet an einer imaginären rot gestrichelten Linie. Diese stellt die Saatrichtung dar. Silvio Bossert betreibt «Oriented Planting» und demonstriert, womit er sich in den letzten Monaten intensiv befasst hat. Eben mit dem Wachstum von Mais – konkret damit, dieses zu optimieren.

Maschineningenieur Silvio Bossert. (Bild: PD)

Maschineningenieur Silvio Bossert. (Bild: PD)

Der junge Mann ist weder Biologe noch Agronom, sondern Maschineningenieur. Ein leidenschaftlicher. «Ich war schon als Bub stets am Tüfteln und Konstruieren», berichtet er. Landmaschinen hätten ihn schon immer besonders fasziniert. Er habe häufig bei seinem Onkel auf dessen Bauernhof geweilt und dabei Arbeitsabläufe und Maschinen kennen gelernt. Später, bei einem Praktikum auf einer Farm in Alberta, Kanada, machte er wertvolle Erfahrungen in Umgang und Funktion mit Landmaschinen grossen Kalibers.

Maisschösslinge in Reih und Glied

Seine Berufswahl nach dem Besuch der Schulen in Emmen war demnach die logische Folge seiner Vorlieben. Er wurde Polymechaniker. Nach Absolvieren der Berufsmatura studierte er an der Hochschule Luzern Maschinenbau. Im vergangenen Sommer schloss er sein Studium ab. Seine Bachelorarbeit wurde dann zu einem Highlight – und begleitet ihn bis heute. Die Aufgabe: Die Entwicklung einer Sämaschine zur präzisen Saatgutablage. Der Dozent, der ihn bei seiner Arbeit betreute, war gleichzeitig sein Industriepartner.

Gesagt, getan – respektive getüftelt und entwickelt. Die Herausforderung war da, die Motivation entfacht. Das Entwickler- und Erfinderfeuer im angehenden Maschinenbauingenieur loderte – und trug reiche Früchte. Silvio Bossert schuf einen raffinierten Mechanismus zur präzisen Saatgutablage. Konkret werden dabei die Saatkörner so in den Boden abgelegt, dass die Blätter der Maispflanze exakt im rechten Winkel zur Saatrichtung stehen. Die Blätter der jungen Maispflanzen werden «diszipliniert».

«Wenn alle Pflanzen dieselbe Position haben, nehmen sie mehr Sonnenlicht auf. Ihr Wachstum wird dadurch begünstigt», erklärt der junge Ingenieur. Er zeigt im Schema die Blätteranordnung von Maispflanzen bei konventioneller Saattechnik und ebenso bei seinem «Oriented Planting»: Statt eines ungeordneten Blätterwirrwarrs im ersten Fall zeigt sich eine auffallend gleichmässige Ausrichtung in der optimierten Variante. Im letzten Frühling konnte der junge Erfinder schliesslich einen Prototyp seiner Maschine auf dem Feld konkret testen. Diese Feldversuche wertete er minutiös aus.

Erfindung schlug Wellen bis nach Amerika

«Die Ergebnisse sind schlicht und einfach spektakulär», freut er sich. Eine Ertragssteigerung von über 15 Prozent könne dadurch erreicht werden. Ein vermindertes Unkrautwachstum und eine reduzierte Wasserverdunstung auf der Erdoberfläche kommen als zusätzlicher Gewinn daher. Das Projekt schlug Wellen bis in die USA. So konnte er vergangenen Sommer an der Oklahoma State University einen weiteren Prototyp seiner Sämaschine bauen. Die überzeugenden Ergebnisse bestätigten sich da. Entsprechend gross ist die Resonanz in der Fachwelt. Grosse Landmaschinenhersteller zeigen ihr Interesse.

Welche konkret? Bei dieser Frage schweigt des jungen Entwicklers Höflichkeit. Verständlicherweise gibt er sich bedeckt – auch darin, was wichtige Details seiner Sämaschine betrifft. Erst will er seine Erfindung absichern – die Schritte für die Patentierung sind eingeleitet. «Dann sehen wir weiter», ergänzt er viel sagend. Aktuell laufe zudem die Investorensuche.

Momentan arbeitet Silvio Bossert in einem Betrieb im Kanton Luzern, der ebenfalls auf die Entwicklung von Landmaschinen spezialisiert ist. Hat die Erfahrung in den USA Lust gemacht, allenfalls im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» ebenfalls von solchen zu profitieren und den hiesigen Verhältnissen in absehbarer Zeit den Rücken zu kehren? Er verneint. «Es gefällt mir hier ganz gut». Er hat sich auch in seiner Werkstatt zu Hause ganz gut eingerichtet, wo er an seiner Sämaschine und neuen Ideen weiter tüftelt.

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