JUSTIZ: Berufseinbrecher erhält keine Zusatzstrafe

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen Mann für schuldig gesprochen, weil er mehrere Male am Ausrauben von Bijouterien beteiligt gewesen war. Eine Strafe sprach es aber nicht aus, weil der Pole bereits in Island eine Strafe von sieben Jahren absitzen muss.

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Ein Einbrecher bei der Arbeit. (Themenbild) (Symbolbild)

Ein Einbrecher bei der Arbeit. (Themenbild) (Symbolbild)

Mit dem Entscheid blieb das Kriminalgericht sowohl unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft wie auch der Verteidigung. Diese hatten beantragt, die in Island gefällte Strafe um dreieinhalb respektive zweieinhalb Jahre zu erhöhen.

Das Luzerner Gericht sprach den 39-Jährigen des bandenmässigen Raubs, des mehrfachen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls sowie weiterer, im Rahmen dieser Taten begangenen Delikte schuldig. Die Beute betrug 533'000 Franken. Der Sachschaden wird auf 225'000 Franken beziffert.

Um an den Schmuck in den Bijouterien heranzukommen, wandten der Beschuldigte und seine Mittäter in Winterthur drei Mal die "Rammbockmethode" an, das heisst sie fuhren nachts mit einem Fahrzeug gegen die Schaufensterauslage. In Luzern wurde ferner tagsüber ein Raubüberfall auf ein Schmuckgeschäft verübt.

Das Gericht kommt zum Schluss, dass der Beschuldigte zwar nicht der Chef der gut organisierten Bande gewesen sein dürfte, aber ein Hauptakteur gewesen sei und die Delikte berufsmässig verübt habe. Es stuft das Verschulden des Mannes als mittelschwer ein.

Die Taten in der Schweiz wurden zwischen 2009 und 2011 begangen. 2013 wurde der Beschuldigte in Island wegen dort begangenen Raub- und Diebstahldelikten rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Bei der Strafzumessung mussten die Luzerner Richter die in Island begangenen Taten mitberücksichtigen. Das Kriminalgericht schreibt, es hätte für alle Taten zusammen eine Gesamtstrafe von weniger als sieben Jahren ausgesprochen. Weil diese hypothetische Gesamtstrafe somit kleiner ausfalle als die bereits in Island gefällte Grundstrafe, müsse auf eine zusätzliche Strafe verzichtet gewesen.

Anders hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Lage eingeschätzt. Sie hatten hypothetische Gesamtstrafen von von zehneinhalb und neuneinhalb Jahren gefordert. Beide Seiten meldeten Berufung gegen das Urteil an.

sda