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JUSTIZ: «Die Partei mischt sich nicht ein»

Andrea Blum (36) aus Kriens wird Ersatzrichterin am Bundesstrafgericht. Für den Beruf hat sie sich erst spät entschieden – wegen einer SVP-Kantonsrätin.
Natalie Ehrenzweig
Andrea Blum am Bezirksgericht in Kriens. Im September wird sie als Ersatzrichterin für das Bundesstrafgericht in Bellinzona vereidigt. (Bild Pius Amrein)

Andrea Blum am Bezirksgericht in Kriens. Im September wird sie als Ersatzrichterin für das Bundesstrafgericht in Bellinzona vereidigt. (Bild Pius Amrein)

Eigentlich war Anwältin gar nicht Andrea Blums Traumberuf. Die Krienserin hatte auch kein prägendes Erlebnis, das in ihr den Wunsch aufkommen liess, für Gerechtigkeit auf dieser Welt einzustehen. Ihre Berufswahl verlief viel unspektakulärer: «Erst studierte ich englische und spanische Literatur an der Uni Fribourg. Doch ich merkte, dass das nicht mein Weg ist. Aus Interesse habe ich spontan eine Staatsrechtvorlesung besucht. Das hat mich beeindruckt und schien mir greifbarer als Literatur und Sprachwissenschaften», erinnert sich die heute 36-Jährige. Nun hat sie ihren ersten Karrierehöhepunkt erlebt. Als erst 36-Jährige wurde Blum am 15. Juni von der Vereinigten Bundesversammlung als nebenamtliche Richterin des Bundesstrafgerichts in Bellinzona gewählt.

Wege ans Richterpult gibt es einige. Die Krienserin hat nach ihrem Jus-­Studium das Luzerner Anwaltspatent erworben und dann als Gerichtsschreiberin und selbstständige Anwältin gearbeitet. «Während meiner Anwaltstätigkeit habe ich die SVP-Kantonsrätin Nadia Furrer-Britschgi kennen gelernt. Sie hat mich damals auf ein Richteramt am Bezirks- und Zwangsmassnahmengericht in Kriens angesprochen», sagt Andrea Blum.

«Spielraum ist begrenzt»

Um die Kräfteverhältnisse der politischen Parteien im Kantonsrat auch an den Gerichten zu repräsentieren, wird bei der Wahl eines Richters auf die Parteizugehörigkeit geachtet. «Doch meine Partei mischt sich nicht in meine Urteilsfindung ein. Gesetz und Rechtsprechung machen die Vorgaben, der Ermessensspielraum ist begrenzt. Dabei kommen dann natürlich Arbeits-, Lebenserfahrung und meine persönliche Einstellung zum Tragen.»

Als Richterin für die SVP kam sie so zum Krienser Bezirksgericht und zum Zwangsmassnahmengericht des Kantons Luzern. Am Zwangsmassnahmengericht entscheidet die Richterin über Anträge der Staatsanwaltschaft, die zum Beispiel eine Untersuchungshaft anordnen will. Im Strafrecht handelt es sich mehrheitlich um Strafbefehlsverfahren, da für die schweren Fälle das Kriminalgericht zuständig ist.

Am Bezirksgericht beschäftigt sie sich vor allem mit dem Familienrecht, also Scheidungen, Trennungen und Kindesschutz. «Ich versuche, wo möglich immer einen Vergleich zu erzielen – zum Besten aller Beteiligten. Als alleinerziehende Mutter habe ich oft das Gefühl, dass die Parteien meinen Ratschlägen vertrauen», sagt Andrea Blum. Die Vorbereitung der Verhandlungen nehme relativ viel Zeit in Anspruch.

Bei ihrer Arbeit achtet sie darauf, dass sie auch langfristig hinter ihren Urteilen und Vergleichen stehen kann. «Manchmal treffe ich diese Menschen hinterher in der Freizeit, zum Beispiel beim Einkaufen. Dann will ich ihnen mit gutem Gewissen in die Augen schauen können. Vor allem wenn es um Kinder geht», betont Andrea Blum. Schwierig sei ihre Arbeit bei unklarer Beweislage, wenn etwa ein Elternteil den anderen der physischen Gewalt gegenüber dem Kind beschuldige. «Dann muss ich mich auf meine innere Stimme und meine Menschenkenntnis verlassen.»

Zuerst Erfahrungen sammeln

Die SVP hat Andrea Blum auch bei der Wahl ans Bundesstrafgericht unterstützt. «Auch das Bundesstrafgericht ist eine erste Instanz. Das Gericht befasst sich mit Bundesstrafsachen wie Verbrechen und Vergehen gegen Bundesinteressen, Sprengstoffdelikte, Geldwäscherei, Wirtschaftskriminalität oder organisiertes Verbrechen», erläutert die Richterin. Sie wird in einzelnen Fällen am Bundesstrafgericht in Bellinzona aushelfen. Vereidigt wird sie am 27. September, die Arbeit in Bellinzona dürfte sie nächstes Jahr aufnehmen.

Andrea Blum freut sich, in einen ganz anderen Rechtsbereich reinzuschauen und ihren Horizont zu erweitern. «Die Arbeit an erstinstanzlichen Gerichten ist lebendig, es finden regelmässig Verhandlungen mit Kontakt zu den Parteien statt, was mir sehr gefällt. In den höheren Instanzen nimmt dies ab, und am Bundesgericht sind jeweils nur noch Rechtsfragen zu behandeln.»

Eine ordentliche Stelle als Bundesstrafrichterin könnte sie später aber durchaus interessieren. «Doch erst möchte ich weitere Erfahrungen sammeln. Währenddessen kann ich hier in Kriens meinen interessanten und spannenden Job am Bezirksgericht weiter ausüben, was mich sehr freut.»

Natalie Ehrenzweig

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