Bundesgericht
Luzerner hat Gold versprochen – und viel Geld erschlichen

Ein Mann erschwindelt sich 280'000 Franken und wird dafür verurteilt. Vor Bundesgericht macht er sein Opfer mitverantwortlich – und fordert einen Freispruch. Allerdings vergeblich.

Manuel Bühlmann
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Zum Verhängnis wurde ihm sein eigenes Inserat in einer Zeitung: Das spätere Opfer suchte nach Altgold. Prompt meldete sich ein potenzieller Verkäufer. Seine Geschichte hörte sich offenbar so verlockend wie glaubwürdig an. Die beiden Männer kamen ins Geschäft. Bloss: Das Gold, das angeblich aus einer Erbschaft in Deutschland stammen sollte, war erfunden. Die erste, aber längst nicht letzte Lüge. Über eine längere Zeit hinweg hatte der vermeintliche Verkäufer sein Opfer dazu gebracht, ihm insgesamt 280'000 Franken zu bezahlen – ohne dass dieses dafür auch nur einen Teil der versprochenen Gegenleistung erhalten hätte.

Erst das Luzerner Kriminalgericht, dann das Kantonsgericht verurteilten den Beschuldigten wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zu einem früheren Urteil. Lässt er sich innerhalb der vierjährigen Probezeit nichts mehr zuschulden kommen, wird er ein Jahr absitzen müssen. Doch damit wollte er sich nicht abfinden, er wandte sich ans Bundesgericht und verlangte dort einen Freispruch.

Eine vorgetäuschte Freundschaft

Das aktuelle Urteil des Bundesgerichts zeigt: Der Beschuldigte baute eine emotionale Bindung zu seinem Opfer auf, gaukelte eine Freundschaft vor. Die erfundenen Geschichten belegte er mit Urkunden, darunter ein Testament seiner Mutter, wonach sie ihm nach ihrem Tod rund 300'000 Euro hinterlassen werde. Ausserdem stellte er mehrere Darlehensverträge aus, mit denen er den Eindruck verstärken wollte, er werde die erhaltenen Gelder zurückzahlen.

Zwar räumt der Beschuldigte ein, sein Verhalten sei dreist gewesen, ein Betrug könne ihm jedoch nicht angelastet werden, da die zentrale Voraussetzung der Arglist fehle. Seine Verteidigungsstrategie: einen Teil der Verantwortung dem Opfer zuschieben. Vom Vorwurf des Betrugs ist ausnahmsweise ein Freispruch möglich, wenn die getäuschte Person leichtfertig die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen missachtet hat. Der Beschuldigte argumentiert, mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte sich der Mann selber schützen können.

Beschuldigter ging laut Bundesgericht arglistig vor

Das Bundesgericht weist sämtliche Einwände zurück. Dem Opfer könne zwar eine gewisse Gutgläubigkeit und Naivität nicht abgesprochen werden, doch der Beschuldigte sei arglistig vorgegangen. «Raffiniert und perfide» habe er darauf hingewirkt, das Vertrauen in seinen Willen zur Rückzahlung der Beträge zu erwecken. «Der Erfolg der Täuschung ist nicht hauptsächlich auf die Leichtgläubigkeit des Opfers zurückzuführen, sondern auf das durchtriebene Vorgehen des Beschwerdeführers», urteilt das Bundesgericht – und bestätigt den Schuldspruch wegen gewerbsmässigen Betrugs.

Hinweis: Bundesgerichtsurteil 6B_1299/2020 vom 20. Januar 2021