JUSTIZ: Luzerner Kriminalgericht verurteilt betrügerischen Finanzoptimierer

Ein Versicherungsagent, der als Finanzoptimierer auftrat und mit dem Geld Dutzender Gutgläubiger sein Leben finanzierte, ist vom Kriminalgericht Luzern wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und Misswirtschaft verurteilt worden. Das Gericht sprach eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren aus.

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Das Kriminalgericht am Alpenquai in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Das Kriminalgericht am Alpenquai in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Die Kriminalrichter blieben damit sechs Monate unter dem Strafantrag der Staatsanwältin, dies vor allem wegen der langen Verfahrensdauer. Der Verteidiger hatte eine maximale Strafe von einem Jahr und acht Monaten gefordert. Das am Sonntag publizierte Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Berufung wurde angemeldet.

Der 35-jährige selbständige Versicherungsvermittler baute, um einen finanziellen Engpass zu überbrücken, ein Lügengebäude auf, wie die Staatsanwaltschaft darlegte. Er änderte etwa Unterlagen seines letzten Arbeitgebers ab, um in Beratungsgesprächen den Opfern ein Investment Depot einer scheinbar international tätigen "Finanzoptimierer Group" anzubieten. Im Internet trat er, ohne entsprechende Qualifikationen zu haben, als Buchhaltungs-, Steuer- und Sanierungsexperte auf.

Auch eigene Mitarbeiter getäuscht

Der Beschuldigte ertrog zwischen 2007 und 2010 von 61 Opfern über eine Million Franken. Viele, in Finanzgeschäften unerfahrene Geschädigte, stammten aus seinem Bekanntenkreis. Er habe auch seine eigenen Mitarbeiter getäuscht und sie für seine Machenschaften genutzt, schreibt das Gericht.

Der Beschuldigte habe gerissen mit vorteilhaften, aber noch immer glaubhaften Zinsversprechungen die Opfer angelockt, schreibt das Kriminalgericht. Sie hätten den Plan des Beschuldigten, auch ohne das bestehende Vertrauensverhältnis zu diesem, nicht durchschauen können.

Ohne finanzielle Not gehandelt

Der Beschuldigte habe ohne finanzielle Not gehandelt, betont das Gericht. Er habe mit den unrechtmässig erlangten Geldern sein Unternehmen, seinen Lebensunterhalt und Luxusgüter finanziert.

Der beschuldigte Schweizer ist bereits wegen Veruntreuung vorbestraft. Zu Gute hielt ihm das Gericht, dass er im Strafverfahren kooperativ und geständig war.

Der mutmassliche Betrüger soll von der verhängten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren acht Monate absitzen. Für die restlichen 22 Monate gewährte das Gericht bei einer Probezeit von drei Jahren den bedingten Vollzug.

Auf den Beschuldigten kommen hohe finanzielle Forderungen zu. Gemäss des Urteils des Kriminalgericht muss er Privatklägern Schadenersatz von deutlich über 600'000 Franken zahlen. Dazu kommen Verfahrenskosten und Parteienentschädigungen. (sda)