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JUSTIZ: Luzerner Sprayer vom Grossteil der Tatvorwürfe freigesprochen

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen 34-jährigen Mann wegen fünf Sprayereien und weil er seine Festnahme erschwert hatte, zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. In 20 weiteren Sprayereien, die die Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht hatte, wurde der Beschuldigte freigesprochen, denn diese Tatvorwürfe seien nicht genügend bewiesen.
Die beiden Männer verursachten 100'000 Franken Schaden durch Sprayereien. (Symbolbild: Luzerner Zeitung)

Die beiden Männer verursachten 100'000 Franken Schaden durch Sprayereien. (Symbolbild: Luzerner Zeitung)

Das Gericht sprach den Schweizer der mehrfachen Sachbeschädigung und der Hinderung einer Amtshandlung schuldig. Die Geldstrafe wurde bei 100 Tagessätzen zu je 210 Franken festgelegt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Das am Dienstag veröffentlichte Urteil ist nicht rechtskräftig, die Berufung ist angemeldet.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Luzerner vor, zwischen Mai 2010 und November 2011 an verschiedenen Orten 26 Mal vor allem Eisenbahnwagen, aber auch Brückenpfeiler und Wände, versprayt zu haben. Sie forderte dafür sowie wegen der Hinderung einer Amtshandlung eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen.

Der Beschuldigte, der 45 Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte, gab sechs Sprayereien zu, wovon eine verjährt ist. Die Verteidigung beantragte für die fünf Sprayereien eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen.

Dem Gutachter nicht gefolgt

Die Staatsanwaltschaft hatte von einem Graffiti-Experten der Stadtpolizei Winterthur ein Gutachten erstellen lassen, um zu bestimmen, welche Sprayereien dem Beschuldigten zuzuordnen seien. Das Kriminalgericht Luzern hält die Schlussfolgerungen des Gutachters als teilweise nicht nachvollziehbar. Oft seien die Schuldzuweisungen ungenügend begründet.

Der Sprayer hatte erklärt, dass er sehr unterschiedliche Graffitis gemacht habe und dass man aus einem ähnlichen Stil nicht auf den gleichen Sprayer schliessen könne. Das Gericht beurteilt diesen Einwand als glaubhaft.

Es fehle ihm auch die Kenntnis zu beurteilen, ob eine Sprayerei, die ähnlich oder identisch anmute wie eine des Beschuldigten, nur von diesem verursacht sein könne, schreibt das Kriminalgericht. Stilelemente könnten auch den Sprayereien einer ganzen "Sprayer-Crew" zu eigen kommen oder kopiert worden sein.

Sprayer sieht sich als Künstler

Der Sachschaden, den die fünf vom Gericht anerkannten Fälle verursacht haben, beläuft sich auf 8550 Franken. Dieser Deliktsbetrag sei relativ tief, schreibt das Gericht. Das Vorgehen des Beschuldigten sei nicht besonders verwerflich. Er habe aber egoistisch und mit einer bedenklichen Gleichgültigkeit gegenüber fremden Eigentum gehandelt. Er habe die Einsicht in das Tatunrecht vermissen lassen und bestehe nach wie vor darauf, Kunst gesprayt zu haben.

Strafmildernd wirkte sich aus, dass sich der Beschuldigte seit Beginn des Strafverfahrens schicklich verhalten hat und dass dieses sehr lange gedauert hat. Bei allen Vorwürfen sind mindestens zwei Drittel der siebenjährigen Verjährungszeit verstrichen. Das Gericht reduzierte die Strafe deswegen von 125 auf 100 Tagessätze. (sda)

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