KAMMERORCHESTER: Erstes Konzert der Sinfonietta Lucerne: «Wir bringen die Klassik aufs Land»

Heute bestreitet die neu gegründete Sinfonietta Lucerne ihr erstes Konzert. Die Profis spielen nicht etwa im KKL, sondern in Beromünster und Schüpfheim – wo sonst die Blasmusik den Ton angibt. Einer der Initianten erklärt, warum.

Alexander von Däniken
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Silvan Setz (22) tritt heute mit seinem Kammerorchester erstmals in den Luzerner Landgemeinden auf. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 3. Oktober 2017))

Silvan Setz (22) tritt heute mit seinem Kammerorchester erstmals in den Luzerner Landgemeinden auf. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 3. Oktober 2017))

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Silvan Setz (22) aus Schüpfheim ist ein Blasmusik-Kind. Er spielt Schlagzeug in der Musikgesellschaft seiner Gemeinde. Der Schlagzeugstudent ist aber auch ein Klassikliebhaber. Diese Leidenschaft teilt er mit Marius Brunner, den er aus dem Militär und der Musik kennt. Die beiden haben im Mai dieses Jahres ein aussergewöhnliches Projekt gestartet: Ein Kammerorchester aus Luzerner Musikstudenten soll die klassische Musik aufs Land bringen – in die Hochburgen der Blasmusik und Brassbands. Wir haben mit Silvan Setz vor der Premiere gesprochen.

Silvan Setz, was haben Sie gegen die Blasmusik?

Überhaupt nichts, im Gegenteil. Ich liebe die Blasmusik. Aber ich höre und spiele auch gerne klassische Musik. Und wenn ich meinen Grossvater zu einem klassischen Konzert im KKL überreden will, stehen der lange Weg und die spätabendlichen Zeiten oft im Weg.

Gibt es denn auf dem Land keine klassischen Konzerte?

In Entlebuch und Sursee gibt es regelmässig Operetten. Es hat aber auch Laienorchester mit Nachwuchsproblemen und leider nur wenigen Auftritten. Die wollen wir unterstützen. Auch darum bringen wir Klassik aufs Land.

Demnächst geht das Zentralschweizer Jugendsinfonie­orchester auf Tournee durch alle Zentralschweizer Kantone. Ist das keine Konkurrenz?

Nein, eher eine Ergänzung. Marius Brunner und ich haben auch schon im Jugendsinfonieorchester gespielt und uns auch mit dem Dirigenten abgesprochen. Das Jugendsinfonieorchester soll jungen Musikern die Gelegenheit bieten, Erfahrungen zu sammeln. Wir sind ein professionelles Orchester, das auf sehr hohem Niveau die klassische Musik verbreiten möchte.

Das ist auch ein Wagnis.

Das stimmt, wir haben noch keine Ahnung, wie die Landbevölkerung reagieren wird. Entsprechend konnten wir den Musikern auch keine finanziellen Garantien geben. Hier müssen wir noch schauen, wie sich das Projekt aus Eintrittsgeldern und von Stiftungen finanzieren lässt.

Wie viele machen beim Projekt mit?

Wir sind 17 Musiker. Dazu kommen Marius Brunner als Dirigent und der Gastsolist Serafin Heusser. Das Ziel ist, dass wir einen Kern aus Musikern bilden können, der immer dabei ist. Denn wir proben nur fünfmal pro Konzertreihe.

Wie oft treten Sie denn auf?

Wir wollen vier Konzertreihen à vier Konzerte pro Jahr machen. Aktuell spielen wir Werke von Mahler, Dvorák und Janácek.

Spielen Profis nicht lieber im Luzerner KKL, wo alle von der Akustik schwärmen?

Das KKL ist der Traum klassischer Musiker. Aber auch Kammerkonzerte in kleineren Räumen haben ihren Reiz. Aufgrund der kleineren Besetzung bietet sich etwa viel eher die Gelegenheit für Soli. Kommt dazu, dass die Atmosphäre viel intimer ist.

Hinweis

Das Kammerorchester Sinfonietta Lucerne spielt heute in Beromünster sein erstes Konzert. Es findet um 19.30 Uhr im Theatersaal Don Bosco statt. Tickets gibt es für 25 respektive 15 Franken an der Abendkasse. Weitere Auftritte sind am Sonntag im Gemeindesaal Adler in Schüpfheim (11 Uhr) und am 11. Oktober im Kloster Baldegg (19.30 Uhr) geplant.

Weitere Infos gibt es unter: www.sinfonietta-lucerne.ch.