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KAMPAGNE: Carla Del Ponte und ihr hölzernes Ebenbild

In der Altstadt ist gestern eine lebensgrosse Statue von Carla Del Ponte enthüllt worden. Die Tessinerin enthüllte das Kunstwerk gleich selber – und befand es als ein wenig zu streng.
Oliver Schneider
Carla Del Ponte enthüllt ihre Holzstatue vor – wer hätte es gedacht – einer Brücke: der Spreuerbrücke. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 31. August 2017))

Carla Del Ponte enthüllt ihre Holzstatue vor – wer hätte es gedacht – einer Brücke: der Spreuerbrücke. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 31. August 2017))

In Anwesenheit von Carla Del Ponte höchstpersönlich wurde in der Stadt Luzern gestern eine lebensgrosse Holzstatue von ihr enthüllt. Wie der Name der Tessinerin schon erahnen lässt, steht die Statue neben einer Brücke: der Spreuerbrücke beim Mühlenplatz. Dort wird sie für die nächsten zwei Wochen ausgestellt. Geschnitzt wurde die Statue vom Künstler Inigo Gheyselinck für die Kampagne Woodvetia, einer Aktion für Schweizer Holz.

Die Statue von Del Ponte ist die siebzehnte von insgesamt 20 Schweizer Persönlichkeiten, die in der ganzen Schweiz platziert werden. Das Holz dieser Statue stamme aus der Herkunftsregion von Del Ponte, dem Tessin, erklärten gestern die Organisatoren der Aktion. Es sei eine Edelkastanie aus Vira ausgewählt worden, die ihre edle und robuste Persönlichkeit widerspiegeln soll.

Del Ponte enthüllt ihre Holzstatue

«Allora», sagt Carla Del Ponte, und zieht den roten Umhang von der Statue. Mit grossen Augen geht sie um ihr holziges Ebenbild herum. Ein skeptischer Blick zeichnet ihr Gesicht. «Die Statue ist mir zu streng, zu ernst. Ich bin nicht immer so», sagt Del Ponte. Ihre Karriere liess diese lockere Seite aber wohl etwas in Vergessenheit geraten. Die 70-Jährige ist ehemalige Bundesanwältin und Chefanklägerin am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Kürzlich ist sie aus der UN-Untersuchungskommission für Syrien ausgetreten (wir berichteten). Es ist eine Karriere, die nur eine zähe Person zu meistern vermag. Zur Statue habe sie zugestimmt, ohne die Hintergründe der Kampagne zu kennen. «Jetzt sehe ich das Resultat und den Sinn dahinter», sagt Del Ponte. Es mache ihr grosse Freude, Teil eines Projekts zu sein, das einmal nicht mit ihrer Arbeit zu tun habe.

Der Prozess, den die Statue durchlaufen musste, geht lange. «Vom Fällen des Baumes bis zum Endresultat vergehen etwa drei bis vier Wochen», sagt Gheyselinck. Viele Arbeiten würden dabei parallel laufen: Den Kopf modelliert er jeweils mit Ton, für den Körper wird ein Double benutzt. Ist er mit dem Resultat zufrieden, wird alles eingescannt. Von da an übernehmen die Maschinen. Um jede Einzelheit aus dem rohen Holz zu schnitzen, braucht eine Maschine ganze 18 Stunden.

Die Statuen sollen das Schweizer Holz fördern

Neben Del Ponte sind auch Persönlichkeiten wie Mundartrock-Legende Polo Hofer und Eisenbahnpionier Alfred Escher in Holz geschnitzt worden. Sie sind von einer Jury aus 100 Biografien ausgewählt worden. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) zusammen mit der Wald- und Holzbranche der Schweiz wollen sich damit für Schweizer Holz einsetzen.

«Pro Jahr könnten zwei bis drei Millionen Kubikmeter mehr Schweizer Holz geerntet werden», sagt Bruno Röösli, Leiter Abteilung Wald des Kantons Luzern. Das meiste Holz werde jedoch importiert, was sich negativ auf unsere Wälder auswirke. Denn nur gut gepflegte Wälder könnten Funktionen wie CO2-Senkung und Schutz vor Naturgefahren gewährleisten. «Mit dem Auge erkennt man Schweizer Holz natürlich nicht», sagt Röösli. Man könne jedoch einfach auf die Zertifizierung «HSH» achten, die Holz aus einheimischen Wäldern und Produktion garantiert.

Oliver Schneider

stadt@luzernerzeitung.ch

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