Kampagne
Frauenhaus Luzern startet Aktion für Kinder, die unter häuslicher Gewalt leiden

Mit einer Postkartenaktion an die Luzerner Regierungsräte, alle Luzerner Kantonsrätinnen und Kantonsräte und an die Sozialvorsteherinnen und Sozialvorsteher der Luzerner Gemeinden machen das Frauenhaus Luzern und das Haus Hagar auf von häuslicher Gewalt betroffene Kinder aufmerksam.

David von Moos
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In Familien, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, falle oft nicht auf, wenn ein Kind leide, so Pia Engler, Leiterin Haus Hagar.

In Familien, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, falle oft nicht auf, wenn ein Kind leide, so Pia Engler, Leiterin Haus Hagar.

Symbolbild: Catherine Falls Commercial / Moment RF

Auch Kinder leiden unter häuslicher Gewalt. Um ihren jüngsten Opfern eine Stimme zu geben, lancieren das Frauenhaus Luzern und das Haus Hagar eine Kampagne, um Politik und Gesellschaft auf die Problematik aufmerksam zu machen, wie es in einer entsprechenden Mitteilung heisst. Die Not der Kinder im Kontext der häuslichen Gewalt sei gross und im Alltag auch unter Fachpersonen oft noch zu wenig im Fokus. Die Aktion findet im Rahmen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» statt.

Weltweite Aktionstage

Die Kampagne «16 Days of Activism Against Gender Violence» wurde 1991 vom Women‘s Global Leadership ins Leben gerufen. Die 16 Tage beginnen stets am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, Abschluss ist am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Mit diesen Daten soll deutlich gemacht werden, dass Frauenrechte Menschenrechte sind. Gewalt gegen Frauen ist immer auch eine Menschenrechtsverletzung. (www.16tage.ch)

«Häusliche Gewalt ist für die Entwicklung von Kindern eine schwere Hypothek. Wichtig ist, dass die Kinder nicht vergessen gehen», wird Annelis Eichenberger, Leiterin Frauenhaus Luzern, im Schreiben zitiert. Kinder, die sich mit ihren Müttern im Frauenhaus oder im Haus Hagar aufhalten, würden häufig Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die sich in Unruhe oder Aggressivität, aber auch in Niedergeschlagenheit oder Ängstlichkeit äusserten. Es gebe auch Kinder, die Anzeichen einer Traumatisierung aufweisen.

Traumatisierte Kinder können für die Gesellschaft zur Hypothek werden

Wenn ein Kind regelmässig über Bauch- oder Kopfschmerzen klagt, sich nicht konzentrieren kann oder auch nicht mehr zur Schule gehen will, können das Hinweise sein. Der Schutz vor Gewalt und das Stärken der Erziehungskompetenzen der Mütter sind zentral, um die Kinder und Jugendlichen zu unterstützen: Denn, so Annelis Eichenberger weiter:

«Wir wissen, dass wer im Klima von häuslicher Gewalt aufwächst, im Erwachsenenalter stärker gefährdet ist, Opfer oder auch Täterin oder Täter von häuslicher Gewalt zu werden.»

Und Pia Engler, Leiterin Haus Hagar, hält fest: «Kinder, die Gewalt in der elterlichen Paarbeziehung miterleben, sind immer Opfer von psychischer Gewalt. Das Erleben oder Miterleben von Gewalt stellt eine Gefährdung des Kindeswohls dar und erfordert zeitnahes Handeln.» Nicht selten würden Kinder in von häuslicher Gewalt betroffenen Familien auch vernachlässigt, weil dem Kind zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde. Die Atmosphäre von Gewalt und Angst dominiere das Familienklima, es falle nicht auf, wenn ein Kind leide.

Genau deshalb braucht es laut Engler und Eichenberger eine hohe Sensibilität für das Thema, um die Symptome auch richtig lesen zu können. Es sei entscheidend, dass nahe Bezugspersonen, etwa in der Schule, in der Arztpraxis oder in der Kita, die Zeichen richtig lesen und kompetent reagieren könnten.

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