Kampf gegen Internetkriminalität: Zentralschweiz ist eine Musterschülerin

Die Hochschule Luzern trifft mit dem neuen Studiengang zu Cyber-Security ins Schwarze. Dies zeigt eine Tagung in Rotkreuz, an der Bundesrat Guy Parmelin mit Lob für die Zentralschweiz nicht geizte.

Evelyne Fischer
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Zwei Weinliebhaber unter sich: der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss und Bundesrat Guy Parmelin. (Bild: Maria Schmid, Rotkreuz, 18. Oktober 2018)

Zwei Weinliebhaber unter sich: der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss und Bundesrat Guy Parmelin. (Bild: Maria Schmid, Rotkreuz, 18. Oktober 2018)

Die schlimmsten Schurken tummeln heute im Netz: Der Virus «NotPetya» hat letztes Jahr weltweit Schäden von 100 Milliarden Franken verursacht. Ursprünglich sollte der Computerwurm Daten verschlüsseln und sie gegen Lösegeld wieder freigeben. Doch die Malware entglitt den Erpressern und mutierte zu einer einzigen grossen Zerstörungssoftware.

Um Tätern auf die Schliche zu kommen und neue Hacker-Attacken abzuwehren, sind Cybertalente gefragt. Solche will die Hochschule Luzern – Informatik nun quasi am Laufband produzieren: Vor einem Monat starteten in Rotkreuz über 50 Studenten in den Bachelor «Information & Cyber Security». Geleitet wird der landesweit erste Fachhochschul-Studiengang seiner Art von Bernhard Hämmerli.

Fachkräfte müssen her – und zwar schnellstmöglich

Anlässlich der Lancierung des Novums hat das Departement gestern zu einer Tagung geladen. So unterschiedlich die Hintergründe der Referenten auch waren – in einem Punkt herrschte Einigkeit: Um sich gegen Attacken zu wehren, braucht es Fachkräfte. Und zwar schnell. Es erstaunt daher wenig, erntete der neue Studiengang der HSLU viel Lob – und dies von höchster Stelle: «Heute ist ein grosser Tag für die Hochschule Luzern», hielt Bundesrat Guy Parmelin (SVP) im prallvollen Saal mit gegen 200 Anwesenden fest. «Die Zentralschweiz hilft mit, die Cybersicherheit in der Schweiz zu verbessern.»

Der ausgebildete Winzer Parmelin zeigte sich eingangs seiner Rede «beeindruckt» von den Parallelen zwischen Bildung und Weinbau, mit denen sich der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) die Aufmerksamkeit des Bundesrats gesichert hatte. Bildung und Wein hätten einiges gemein, betonte Wyss und parlierte nonchalant auf Französisch weiter: Wolle man Jahr für Jahr ernten, brauche es in beiden Bereichen Hege und Pflege, Ressourcen und Geduld. Die Zentralschweiz habe sich auf der Hochschulkarte innert 25 Jahren vom weissen Fleck zum blühenden Rebberg entwickelt.

«Wir können und wollen nicht in allen Gebieten mithalten.»

Reto Wyss, Konkordatsrat Fachhochschule Zentralschweiz

Aber wie der Weinbauer entscheiden müsse, welche Rebsorte er anbauen will, habe eine Hochschule zu überlegen, welche Schwerpunkte sie setzen möchte. «Wir können und wollen nicht in allen Gebieten mithalten», bilanzierte Wyss, seines Zeichens Präsident des Konkordatsrats der Fachhochschule Zentralschweiz. Daher setze man auf die Vernetzung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Resultate davon seien etwa der Medizinmaster der Universitäten Luzern und Zürich oder eben das jüngste Kind der Hochschule.

Auch Armee hat neuen Cyberlehrgang lanciert

Die Zentralschweizer Bestrebungen in Sachen Cybersicherheit sind ganz im Sinne des Chefs des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). «Die Wahrung der Sicherheit in der digitalen Welt ist eine Frage der Intelligenz», sagte Bundesrat Guy Parmelin. Die staatliche Vorsorge alleine bringe wenig. Es brauche die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und der öffentlichen Hand. «Wir müssen Probleme frühzeitig erkennen, verstehen und das entsprechende Wissen weitergeben.»

«Ein interdisziplinäres Netz soll technisches Know-how zusammenführen, um im Krisenfall darauf zurückgreifen zu können.»

Guy Parmelin, Bundesrat

Mit dem Ziel des Informationsaustausches arbeitet das VBS am Aufbau eines Cyber-Defence-Campus. «Das interdisziplinäre Netz soll technisches Know-how zusammenführen, um im Krisenfall darauf zurückgreifen zu können.» Auch bildet das VBS neu Cyberspezialisten aus. Dank des Lehrgangs der Armee dürften in sechs bis sieben Jahren gegen 600 Cyberspezialisten zur Verfügung stehen.

Kompetenzzentrum geht auf Zuger Initiative zurück

Der Zuger Ständerat Joachim Eder (links) und Bundesrat Guy Parmelin auf dem Campus der Hochschule Luzern – Informatik in Rotkreuz. (Bild: Maria Schmid, 18. Oktober 2018)

Der Zuger Ständerat Joachim Eder (links) und Bundesrat Guy Parmelin auf dem Campus der Hochschule Luzern – Informatik in Rotkreuz. (Bild: Maria Schmid, 18. Oktober 2018)

Parmelin verwies zudem auf das Kompetenzzentrum, in dem der Bund künftig seine Tätigkeit im Bereich der Cyber-Sicherheit bündeln will. Die Idee geht auf eine Motion des Zuger Ständerats Joachim Eder (FDP) zurück. Launig meinte Parmelin: «Was Eder will, will auch Gott.»

«Halbheiten im Bereich Cyber-Security duldet das Parlament nicht.»

Joachim Eder, Zuger Ständerat (FDP)

Der Ständerat aus Unterägeri verlieh seiner Forderung später Nachdruck: «Im Bereich der Cyber-Security hat Gärtchendenken nichts verloren.» Es brauche ein Gesamtkonzept. «Das Thema Cyber-Security muss beim Bund ein Gesicht erhalten.» Das Parlament, das seine Motion fast oppositionslos befürwortet hatte, werde die Umsetzung «hartnäckig» begleiten. «Halbheiten dulden wir nicht.»

Bevor in einem zweiten Teil strategisch-technische Dimensionen ausgelotet wurden, betonte Peter Grütter, Präsident des Schweizerischen Verbands der Telekommunikation (asut), dass Cyber-Sicherheit eine «Verbundaufgabe» ist. Und Diego Schmidlin, Verantwortlicher für die Informationssicherheit bei der Armee, erläuterte, wie Cyber-Fachkräfte für die Führungsunterstützungsbasis rekrutiert werden. Ihm bereiten zwei Bereiche Sorgen: die hoch rentable Industrie der Internetkriminalität und die Bedrohung durch staatliche Akteure. Um hier Gegensteuer zu geben, brauche es Fachkräfte, die auch über ein ganzes Arsenal an nicht-technischen Fähigkeiten verfügen. «Sie müssen wissensdurstig sein, loyal, teamfähig. Und ganz wichtig: Sie müssen vorausschauend handeln, denken wie ein Angreifer.» Von grosser Bedeutung sei daher die Vermittlung von Wissen, das immer auf dem neusten Stand sei.

«Die Studieninhalte werden stetig weiterentwickelt.»

René Hüsler, Direktor Hochschule Luzern – Informatik

Dieser Herausforderung stellt sich die Hochschule Luzern – Informatik, versicherte Direktor René Hüsler: «Die Studieninhalte werden stetig weiterentwickelt. Die HSLU wird ihren Beitrag leisten, damit die Schweiz im Bereich der Cyber-Security eine Spitzenposition einnehmen kann.»

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