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Luzerns Kämpferin für gute Bildung tritt ab

Annamarie Bürkli (64) hat als Präsidentin des Luzerner Lehrerverbands Niederlagen erlebt und Erfolge gefeiert: Nun verstummt das Sprachrohr der Pädagogen – startet dafür andernorts nochmals richtig durch.
Yasmin Kunz
Annamarie Bürkli während einer Französischlektion. (Bild: Corinne Glanzmann (Eschenbach, 25. Mai 2018))

Annamarie Bürkli während einer Französischlektion. (Bild: Corinne Glanzmann (Eschenbach, 25. Mai 2018))

«Je ne suis pas d’accord.» Das sagt Primarlehrerin Annamarie Bürkli zu einem Schüler, der das französische Verb «aller» falsch konjugiert hat. Der Bub startet erneut einen Versuch, dann stimmt es. Bürkli unterrichtet seit 2002 eine 5. und 6. Primarklasse in Eschenbach. Und seit neun Jahren präsidiert sie den Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV). Per 31. Juli tritt sie zurück, ihr Nachfolger wurde am Mittwochabend gewählt.

«Je ne suis pas d’accord» – diese Aussage passt zu ihrer Amtszeit. Annamarie Bürkli war nicht immer einverstanden mit der Entwicklung in der kantonalen Bildungslandschaft. Besonders herb war der Rückschlag am 24. September 2017, als das Volk die Fremdspracheninitiative mit einem Ja-Anteil von nur 42 Prozent bachab schickte. Bürkli, als Präsidentin des Komitees «Eine Fremdsprache auf der Primarstufe», hatte verloren. Primarschüler müssen weiterhin Englisch und Französisch lernen. Trotz dieses Ausgangs bezeichnet die 64-Jährige die Initiative als ein Highlight ihrer Amtszeit. «Dass wir die 5000 Unterschriften innert kurzer Frist zusammen hatten, zeigte, dass wir den Puls der Bevölkerung richtig fühlten.»

Arbeit ist oft nicht sichtbar

Annamarie Bürkli, die etwas abgeschieden in Menzberg wohnt, war das Sprachrohr für 5000 Lehrerinnen und Lehrer im Kanton. Kein einfaches Amt. Denn nicht immer waren alle Pädagogen ihrer Meinung. Hinter vorgehaltener Hand hörte man zuweilen, sie setze sich zu wenig für die Lehrpersonen ein. «Meine Arbeit als Präsidentin war halt oft nicht sichtbar», entgegnet sie. Anliegen bespreche man in der Kommission, nach aussen kommuniziert werde nur das Resultat. Ausserdem: «Der LLV kann nur versuchen, gewisse Entwicklungen in die wünschenswerte Richtung zu lenken. Am Ende handelt es sich dann meistens um einen politischen Entscheid.»

Die Fremdspracheninitiative ist das beste Beispiel dafür. LLV-Geschäftsführer Kaspar Bättig, der fünf Jahre mit Bürkli zusammengearbeitet hat, sagt: «Unsere Aufgabe besteht darin, die Interessen unserer Mitglieder zu vertreten.» Dies brauche im Präsidialschrank ein sehr breites Hutablagefach. Bei der Diskussion um die Fremdsprachen trug Bürkli drei Hüte: Französischlehrerin, Co-Präsidentin des Komitees für «Eine Fremdsprache auf der Primar», legitimiert durch demokratische LLV-Entscheide, und ihre persönliche Freude an dieser Sprache. Solche Momente seien schwierig, so Bättig und Bürkli.

Die Mutter von vier erwachsenen Kindern sieht in den Niederlagen auch Chancen. Über den kürzlich getroffenen Entscheid der Regierung, Primarklassen mit mehr als 40 Prozent fremdsprachigen Kindern eine zusätzliche Lektion Fremdsprachenunterricht zu geben, freut sie sich (Ausgabe vom 24. Mai). Sie wundert sich jedoch, wie dies finanziert werden kann und man gewillt ist, «noch mehr Geld in ein falsches Konzept zu stecken».

«Sie ist standhaft bis hartnäckig»

Generell sagt Bürkli von sich, sie sei eine Kämpferin. «Aber eine, die nicht nachtragend ist.» Charles Vincent, Leiter der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung, kann das bestätigen: «Sie ist standhaft bis hartnäckig – und sehr engagiert.» Den Kämpfergeist hat Vincent vor allem bei der Fremdspracheninitiative zu spüren bekommen, wo man unterschiedliche Meinungen vertrat. «Obwohl es schwierig war, diese Initiative durchzubringen, liess sie sich nicht unterkriegen und hat bis zum Schluss gekämpft.» Grundsätzlich habe man über die Jahre hinweg in der Schulentwicklung aber meistens die gleichen Interessen vertreten. Dazu gehöre etwa die Einführung des zweijährigen Kindergartens und der Basisstufe, sagt Vincent.

Auch wenn es schwierige Momente gab: Bürkli hat das Amt geliebt. Ein Höhepunkt waren für sie die Lehrerinnen- und Lehrertage. «Da sind jeweils bis zu 1000 Berufsleute zusammengekommen – dieses zahlreiche Erscheinen hat mich motiviert, weiter für unsere Anliegen zu kämpfen. Auch das Engagement der Junglehrerinnen und -lehrer hat mich immer begeistert.»

Apropos jung: Was rät sie ihrem Nachfolger? «Wichtig ist, dass man auf der sachlichen Ebene argumentieren kann und den Blick fürs Wesentliche nicht verliert. Wir Lehrer haben manchmal die Eigenschaft, uns zu fest auf Details zu versteifen.» Gerade die Bildungsinitiative, die im September vors Volk kommt, fordere alle heraus, sich «für den Erhalt einer qualitativ hochstehenden Schule im Kanton Luzern» stark zu machen. Auch sei es von Vorteil, wenn man das Rampenlicht nicht scheue. «Das ist etwa das einzige, was ich nicht vermissen werde», sagt sie und lacht.

Obwohl Annamarie Bürkli das LLV-Präsidium altershalber abgibt und sich auf die Pensionierung einstellte, startet sie nochmals durch: Ab August unterrichtet sie in einem 95-Prozent-Pensum. Also mehr als heute.

Freizeit: Ein neues Fernrohr hat sie bereits gekauft

Weil die Schule in Eschenbach keine ausgebildete Lehrperson für die Integrative Förderung (IF) rekrutieren konnte, springt Bürkli in die Bresche. «Das ist für mich eine neue Erfahrung und ich freue mich darauf.» Das Rekrutieren von IF-Lehrpersonen und Schulischen Heilpädagogen sei ein schweizweites Problem, sagt Bürkli. «Es gibt auf dem Markt schlicht zu wenig ausgebildete Fachkräfte.» Auch wenn die Zahl der Studenten in diesem Fachbereich zunehme, gebe es nicht mehr. «Der Grossteil, der die Ausbildung absolviert, ist bereits an einer Schule tätig, hat also eine Stelle als IF-Lehrperson.»

Die Freizeitaktivitäten, wozu unter anderem auch das Beobachten von Vögeln gehört, werden nun ein Jahr länger auf die lange Bank geschoben. Bürkli hofft jedoch, dass auch in ihrem letzten Arbeitsjahr Zeit für Hobbys bleibt. «Ein neues Fernrohr habe ich bereits gekauft.»

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