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KANALISATION: Ein Abstecher in die unbekannte Luzerner Unterwelt

Mit modernsten Robotern wird das Kanalisationsnetz unter der Stadt Luzern in Schuss gehalten. Ratten und Gestank: Fehlanzeige.
Niels Jost
Rund 400 Meter lang ist der Luzerner Maihofstollen. Hier fliesst das Abwasser in eine Röhre unter den Füssen von Kanalreiniger Oswin Wickie (Bilder Boris Bürgisser)

Rund 400 Meter lang ist der Luzerner Maihofstollen. Hier fliesst das Abwasser in eine Röhre unter den Füssen von Kanalreiniger Oswin Wickie (Bilder Boris Bürgisser)

Es ist ein unscheinbares, fast schon idyllisches Plätzchen am Luzerner Reussufer, direkt unter der St. Karlistrasse. Ein Spazierweg führt unter dicht bewachsenen Bäumen und Sträuchern neben zwei Betonhäuschen vorbei. David Cathomas, Leiter Unterhalt Siedlungsentwässerung und Naturgefahren, schliesst eine mit Graffiti besprayte Metalltür zum Maihofstollen auf. Fünf Treppenstufen weiter stehen wir bereits im über zwei Meter hohen und breiten Sammelkanal der städtischen Kanalisation.

Der Maihof Kanal. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Walter Scheuber steuert über die Monitore den Roboter durch die Kanalisation. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Das Video Bild aus der Kanalisation zeigt, ob alles in Ordnung ist. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Oswin Wicki, David Cathomas und Walter Scheuber betrachten den Plan der Kanalisation. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Oswin Wicki (vorne) und Walter Scheuber kontrollieren den Kanal. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Oswin Wicki leuchtet den Kanal mit einer Lampe aus. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
6 Bilder

Kanalisation Stadt Luzern

Der Boden ist trocken, erst 50 Meter im Innern des Kanals fliesst das braune Abwasser langsam in eine Röhre unter unseren Füssen. Es riecht wie in einem abgestandenen Waschkeller – angesichts der Tatsache, dass hier ein Grossteil aller Abwasser von WCs, Küchenabflüssen oder Waschmaschinen aus den Tausenden Privathaushalten in der Nähe durchfliesst, ein überraschend dezenter Geruch. Cathomas erklärt: «Fäkalien oder dergleichen werden mit so viel Wasser runtergespült, dass sich kaum Gestank verbreiten kann.» Zudem fliesse auch das Regenwasser durch diesen Sammelkanal, das die Brühe nochmals stark verflüssigt.

Immer mehr Essen in Kanalisation

Cathomas Mitarbeiter Oswin Wicki zündet mit der Taschenlampe in die Dunkelheit. «Rund 400 Meter weiter in diese Richtung beginnt der Kanal beim Friedhof Friedental», erklärt Cathomas. Dort werde das grobe Material mit einem simplen Metallgitter zurückgehalten: WC-Papier, Kies oder Sand. Das Gitter beim Friedental muss deshalb – wie alle übrigen – monatlich von den angestauten Materialen befreit werden. Insgesamt fallen so jährlich rund 200 Tonnen Abfall in der städtischen Kanalisation an.

Seit einigen Jahren finde man in den Gittern auch immer mehr Feuchttüchlein. «Sie sind mittlerweile so reissfest, dass sie im abfliessenden Wasser nicht mehr zersetzt werden und deshalb hängen bleiben», so Cathomas. Noch schlimmer seien aber Essensreste, die die Leute unbedacht ihr WC hinunterspülen. «Ganze Steaks oder Spaghetti», ärgert sich Cathomas. «Das zieht auch vereinzelte Ratten an. Diese haben ihre Nester und Futterquellen eigentlich ausserhalb, kommen wegen des menschlichen Abfalls aber in die Kanalisation.» Seit der Einführung der Abfallsackgebühr 2003 und wegen der Tatsache, dass viele Essensreste nicht auf den Kompost gehören, habe das Hinunterspülen zugenommen.

Kamera an Roboter

Wer dachte, die Luzerner Kanalisation bestehe aus stinkenden Kanälen voller ekliger Fäkalien und Tausenden Ratten, hat sich also getäuscht. Vielmehr besteht sie aus einem komplexen Netz von verschiedensten Abflussrohren und Regenwasserschächten, die allesamt in einen Sammelkanal führen. Insgesamt ist das öffentliche, zu unterhaltende Kanalisationsnetz unter der Stadt Luzern rund 230 Kilometer lang – das ist mehr als die Autobahnstrecke Luzern–Lausanne (rund 215 Kilometer). Das gesamte Abwasser wird schliesslich in der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Buholz in Emmen gereinigt.

Dass die Kanalisation auch weiterhin nicht ihrem stinkenden Klischee gerecht wird, sind die Kanalreiniger täglich mit Unterhaltsarbeiten beschäftigt, wie dies auch bei den Strassen der Fall sei, so Cathomas. «Mit dem Unterschied, dass man unsere erledigten Arbeiten nie zu sehen bekommt.» Den «dreckigsten» Job übernimmt dabei ein kleiner, flacher Roboter auf vier Rädern. Dieser wird für die Kontrolle in die Kanäle und Abflussrohre gefahren. Eine Kamera gewährt dem Kanalreinigungsarbeiter in einem speziell ausgerüsteten Fahrzeug einen Einblick in sonst verborgene Ecken. Risse in den Rohren, undichte Stellen oder Verstopfungen können so erfasst werden. Walter Scheuber, der seit 20 Jahren beim Strasseninspektorat arbeitet, sagt: «Viele Rohre sind durch aggressive Waschmittel oder auch Lösungsmittel wie Nagellackentferner völlig zerfressen.»

Reinigung mit Hochdruck

Systematisch kontrolliert werden die Abflüsse bei Neubauten sowie fünf Jahre danach. Auch wenn bei sonstigen Bauarbeiten Abflussrohre freigelegt werden, wird diese Gelegenheit für eine Kontrollfahrt mit dem ferngesteuerten Roboter genutzt. Möglich ist aber auch, dass gewisse Abflüsse erst nach zehn Jahren kontrolliert werden. «Solange kein Mangel wie etwa ein Rohrbruch auftritt, schreiten wir auch nicht ein», sagt Scheuber.

Muss ein Abflussrohr gereinigt oder von einer Verstopfung befreit werden, kommt der Saug- und Spüllastwagen zum Einsatz. 9000 Liter Fassungsvermögen hat er. Mit bis zu 250 Bar können die Kanalreiniger die Leitungen selbst von einer dicken Fettschicht befreien, die etwa bei Restaurants zu finden sind. Das hineingepumpte Wasser wird zusammen mit dem Abwasser wieder komplett aufgesogen. Vier Saug- und Spülfahrzeuge stehen für die Stadt im Einsatz.

Unerwartete Entdeckung

Was die 12 Kanalreiniger bei ihrer Arbeit immer wieder verblüfft, ist das Alter und die Haltbarkeit der Kanalisation. Scheuber: «Erst kürzlich haben wir einen bisher unbekannten, rund 200 Jahre alten Regenwasserkanal beim Hirschengraben entdeckt.» Nach einer ersten Kontrollfahrt mit dem Roboter hat man entschieden, den Kanal genauer unter die Lupe zu nehmen. Man will herausfinden, wo der Steinkanal genau hinführt und ob andere Kanäle oder Entwässerungsleitungen daran angeschlossen sind.

Niels Jost

Mehr Impressionen aus der Luzerner Kanalisation finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

Der Roboter mit schwenkbarer Kamera (Bild links). (Bilder Boris Bürgisser)

Der Roboter mit schwenkbarer Kamera (Bild links). (Bilder Boris Bürgisser)

Dessen Bedienung erklärt Kanalreiniger Walter Scheuber im eigens dafür ausgerüsteten Fahrzeug. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Dessen Bedienung erklärt Kanalreiniger Walter Scheuber im eigens dafür ausgerüsteten Fahrzeug. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

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