Kann sich Luzern die Zurückhaltung bei den Steuerentlastungen leisten?

Der Kanton Luzern war bei den Unternehmenssteuern seit 2012 die Nummer 1 in der Schweiz. Nun, mit der im Januar in Kraft gesetzten Bundessteuerreform, haben andere Kantone ihre Firmensteuern teils massiv gesenkt, so dass sich Luzern derzeit auf Platz 4 wiederfindet. Finanzdirektor Reto Wyss nimmt Stellung zu Forderungen nach Steuererleichterungen.

Lukas Nussbaumer
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Der Luzerner Finanzdirektor Reto Wyss (CVP).

Der Luzerner Finanzdirektor Reto Wyss (CVP).

Bild: Jakob Ineichen

Luzern hat die Bundessteuerreform sehr zurückhaltend umgesetzt. Ist das mit Blick auf die offensive Haltung der Zentralschweizer Kantone immer noch richtig?

Reto Wyss: Luzern hat die Hauptinhalte der Bundessteuerreform mit der Halbierung der Unternehmenssteuern 2012 schon vor acht Jahren eingeführt. Damit lagen wir landesweit jahrelang an der Spitze, der aktuelle 4. Rang ist immer noch gut. Das damalige Vorgehen beurteilen wir deshalb auch aus heutiger Sicht als richtig.

Wirtschaftsvertreter fordern vom Kanton Luzern Massnahmen bei der Patentbox und die Einführung eines Forschungs- und Entwicklungsabzugs. Sonst würden innovative Firmen Luzern verlassen und es könnten sicher keine neuen angesiedelt werden. Was sagen Sie zu diesen Forderungen?

Massnahmen wie die Patentbox und der Forschungs- und Entwicklungsabzug wurden mit namhaften Luzerner Firmen besprochen. Sie haben sich grossmehrheitlich positiv zu unserem Vorgehen geäussert. Sollten diese Unternehmen nun zu einer anderen Meinung gelangt sein, würde mich das überraschen. Nach unseren Informationen bleiben alle Unternehmen dem Standort Luzern treu.

Wenn ein innvovatives Unternehmen in Zug oder Nidwalden ansässig ist und von den dortigen Abzugsmöglichkeiten profitiert, resultiert im Vergleich zum Kanton Luzern eine um bis zu 3 Prozent tiefere Gewinnsteuerbelastung Kann sich Luzern diese Zurückhaltung leisten?

Trotz unserer Spitzenposition bei den Firmensteuern sind nicht sämtliche Firmen aus den Nachbarkantonen nach Luzern gezogen. Das lässt darauf schliessen, dass nicht einzig die Gewinnsteuern Ausschlag für die Wahl des Firmensitzes geben. Zudem war eines der Ziele der damaligen kantonalen Steuerreform, die hier ansässigen Firmen zu halten. Das ist uns insgesamt gelungen.

Also kommen Forderungen nach Entlastungen für Firmen zu früh?

Ja. Bevor über eine allfällige Anpassung des Steuergesetzes nachgedacht wird, müssen wir unsere Finanzsituation nachhaltig konsolidieren. Die aktuelle Steuergesetzrevision ist erst seit 50 Tagen in Kraft. Bereits jetzt Schlüsse über etwaige Auswirkungen zu ziehen, scheint mir wenig aussagekräftig.