Kanti Reussbühl: Diese Zwillinge gehen nun getrennte Wege

Lisa und Olivia Rubio (beide 18) starten nach der bestandenen Matur ein Zwischenjahr. Für die Abschlussarbeit malte die eine Schwester blind, die andere hat sich in Prosa vertieft.

Sandra Monika Ziegler
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Lisa Rubio malte für ihre Maturaarbeit blind – ihre Schwester dichtete Sinnsprüche. (Bild: Pius Amrein, Ruopigen, 18. Juni 2019)

Lisa Rubio malte für ihre Maturaarbeit blind – ihre Schwester dichtete Sinnsprüche. (Bild: Pius Amrein, Ruopigen, 18. Juni 2019)

Mir sitzen zwei junge Frauen gegenüber. Wären Lisa und Olivia Rubio nicht unterschiedlich gekleidet, wüsste ich auf Anhieb nicht, wer Olivia ist. Denn die beiden 18-Jährigen sind Zwillingsschwestern. «Wir sind nicht so verschieden, zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber es gibt Nuancen», sagt Lisa Rubio. Sie bezeichnet sich als die Spontanere, Verträumtere, im positiven Sinn. Olivia sagt dazu: «Spontan bin ich zwar auch, aber für meine nahe Zukunft habe ich konkrete Pläne: Zuerst will ich im Service arbeiten und dann ein KV-Praktikum in einem Gastrobetrieb absolvieren. Dann sind die zwei Jahre um und ich kann mich an der Hotelfachschule anmelden. Dafür muss ich 20 Jahre alt sein.»

Blinde Malerei hat Wahrnehmung geschult

Auch Lisa will vorerst ein Zwischenjahr im Gastgewerbe einlegen, um Geld zu verdienen. Pläne für die Zeit nach dem Zwischenjahr hat auch Lisa: Sie will den Vorkurs an der Hochschule für Kunst und Design machen. Schafft sie diesen, fängt beginnt sie danach ihr Studium.

Malen ist dabei Lisa Rubios Leidenschaft. Für ihre Maturaarbeit wagte sie ein Experiment: Sie malte blind. Damit wollte sie üben, bekannte Bilder aus dem Kopf zu malen. Dazu legte sie sich die Ölfarben in einer bestimmten Reihenfolge bereit und malte blind mit Modellierpaste ein Relief auf die Leinwand, was ihr dann das Malen mit Ölfarben erleichterte. Danach wurden die Augen verbunden und durch Tasten und Malen entstanden diverse Werke. Sie ist zufrieden mit dem Resultat: «Das war eine Schulung der Wahrnehmung gewesen und hat mich malerisch mutiger gemacht. Früher hatte ich Mühe, mit dem Malen zu beginnen. Heute fällt mir der erste Schritt viel leichter», schildert Lisa die positive Wirkung ihrer Maturaarbeit.

Olivia setzte bei ihrer Arbeit auf Aphorismen hat so ihren Umgang mit Worten geschärft. Aphorismen sind laut Definition prägnant-geistreiche, in sich geschlossene Sinnsprüche in Prosa. Oliva macht ein Beispiel: «Das Leben im guten Lichte zu sehen, bedeutet nicht, sich von den hellen Strahlen blenden zu lassen.» Der Alltag sei voll von Sinnsätzen, sie habe sich 80 Sätze in ein Notizbuch geschrieben, erzählt Olivia. Daraus wählte sie 20 aus und schrieb sie in ein selber gebundenes Büchlein. Das habe ihrer Maturaarbeit eine speziell persönliche Note gegeben.

Dass sich jetzt ihre Wege – zumindest tagsüber – trennen, finden beide gut. Es ist ein neuer Abschnitt, auf den sie sich auch freuen. Wohnen werden sie weiterhin bei den Eltern in Emmenbrücke. Zudem sind beide Leiterinnen des Blauring Riffig: «Wir sind seit elf Jahren dabei und mega ambitioniert. Das ist nicht etwa ein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.» Dieses Jahr sei das Lagerthema Geschäftsreise. Ganz Künstlerin hat Lisa die Karten gestaltet und das Logo designt.

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