Acht Jahre im Brennpunkt der Politik: Peter Schilliger tritt als FDP-Präsident ab

Am 18. Januar tritt Peter Schilliger vom Präsidium der FDP zurück. In seiner Amtszeit zählte er gerade mal zwei schwierige Abende.

Evelyne Fischer
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Nationalrat Peter Schilliger (56), abtretender Präsident der FDP-Kantonalpartei, in der Werkstatt seiner Firma Herzog Haustechnik AG in Luzern.

Nationalrat Peter Schilliger (56), abtretender Präsident der FDP-Kantonalpartei, in der Werkstatt seiner Firma Herzog Haustechnik AG in Luzern. 

Bild: Philipp Schmidli

Die Nüchternheit von Peter Schilligers Büro in Luzern durchbricht einzig ein knallgelbes Paddel. Ein Geschenk bei der Geschäftsübernahme der Herzog Haustechnik AG, seiner Firma. Ein anderes Ruder gibt Schilliger symbolisch bald weiter: Am 18. Januar verlässt der 56-jährige Udligenswiler das Boot des FDP-Vorstands, das er die letzten acht Jahre gesteuert hat. Seinen Platz nimmt Markus Zenklusen (62) aus Emmen ein, designierter Präsident der FDP-Kantonalpartei (Ausgabe vom 20. November). «Ich kann ihm die Partei in einem guten Zustand übergeben», sagt Schilliger. Die Luzerner FDP sei auf Kurs.

«Jetzt braucht es neuen Schub. Mein inneres Feuer lodert nicht mehr so stark wie im Sommer 2008.»

Damals sagte er gegenüber unserer Zeitung: «Die Zeit ist reif für einen frischen Wind an der Parteispitze.» Diesen werde nun auch Zenklusen einbringen, ist Schilliger überzeugt. Der Ex-Manager sei «politisch zwar ein unbeschriebenes Blatt», wirkte vor allem in der Ortspartei Emmen. «Doch der geringe Bekanntheitsgrad kann auch ein Vorteil sein.» Und fehlendes Hintergrundwissen lasse sich aufarbeiten. «Mit der Betreuung der Ortsparteien wird Zenklusen näher an der Basis wirken, als ich es zuletzt von Bern aus konnte», sagt der Nationalrat.

Unternehmer polarisiert

2008 übernahm der damalige Kantonsrat Schilliger das Präsidium von Herbert Widmer. Aus einer gewissen Unzufriedenheit über die vorherrschenden Strukturen, die Ausrichtung der Partei. «Unternehmerisch denkend» wollte er das Ruder herumreissen, sagt Schilliger, serviert einen Café («Meine Sekretärin hat heute frei»).

Unternehmerisch. Der Ausdruck fällt am letzten Freitag mehrmals. Schilliger ist CEO eines 100-köpfigen Betriebs. So gradlinig wie sein Mittelscheitel, der leichte Geheimratsecken kaschiert, verkörpert Schilliger den Unternehmergeist. Die beruflichen Wurzeln haben seine Politik geprägt, sagen Weggefährten. Als «unternehmerisch denkend, aber pragmatisch agierend» beschreibt ihn Kantonsrat Ludwig Peyer (CVP, Willisau), «clever und taktierend» charakterisiert ihn Michèle Graber (GLP, Udligenswil). Nationalrat Franz Grüter (SVP, Eich) fühlte sich Schilliger «in vielen Wirtschaftsfragen» verbunden. Als zu dominant empfand David Roth, Präsident der kantonalen SP, Schilligers Hintergrund:

«Unter ihm wurde die FDP zu einer reinen Interessensvertretung von Grossunternehmen.»

Aus Schilligers Warte ist genau das Gegenteil passiert: «Die FDP hat ihr Image als reine Wirtschaftspartei abgestreift.» Unter seiner Führung sei es gelungen, die FDP auch in den Bereichen Umwelt und Gesellschaft zu positionieren. «Unsere Partei steht heute für Effizienz in Energiefragen, ohne grün zu sein. Auch in der Gymnasial- und Berufsbildung haben wir Pfeiler eingeschlagen.»

Ein Datum hat sich eingraviert

Als Schilliger an die FDP-Spitze vorrückte, kämpfte die Partei mit einem Generationenstau: Nationalrat Otto Ineichen hatte das Pensionsalter damals bereits überschritten, Ständerätin Helen Leumann, Regierungsrat Max Pfister und Nationalrat Georges Theiler waren nicht weit davon entfernt. «Es brauchte einen Erneuerungsprozess», sagt Schilliger. «Dieser ist uns gelungen – auch wenn ich ihm wohl selbst zum Opfer fiel.» Schilliger blickt aus dem Fenster in Richtung Zimmereggwald, denkt an den «schwierigsten Abend der letzten acht Jahre» zurück: 20. Oktober 2014, in Menznau haben sich 349 Delegierte der FDP versammelt. Ihr wichtigstes Traktandum: die Nomination für den Ständerat. «Als Nationalrat habe ich damit gerechnet, zum Zug zu kommen.» Die Enttäuschung darüber, dass Müller das Rennen gemacht hat, ist Schilliger noch heute anzusehen. In jener Nacht half guter Wodka.

Der damals 30-jährige Müller habe seinen Erfolg minutiös vorbereitet, «als Underdog» bei der Basis Knochenarbeit geleistet, sagt Schilliger. «Als Parteipräsident konnte ich diese Rolle nicht einnehmen. Ich hätte unsere Differenzen gegeneinander ausspielen müssen. Konflikte wären das Resultat gewesen.» An einen Rücktritt habe er damals ebenso wenig gedacht wie nach den kantonalen Wahlen 2011. «Dem zweitschwierigsten Tag meiner Amtszeit.» Sechs Mandate gingen flöten, Fukushima hatte den Grünliberalen in die Hände gespielt.

Historischer Pakt – aber viel Kritik

Auf rauer See war das FDP-Boot auch im Herbst unterwegs. Die Listenverbindung mit der CVP forderte Parteiaustritte. SVP-Nationalrat Grüter spricht noch heute von einer «unverständlichen Liaison». Bereits 2011 wollte die FDP diesen Weg einschlagen – verwarf die Pläne aufgrund grossen Widerstandes. «Wir hatten damals unterschätzt, wie sensibel die Wähler reagieren würden.» 2015 habe man die Ausgangslage erneut analysiert, Sitze kalkuliert. «Die Listenverbindung war richtig. Nur weil die Befindlichkeit im Bauch nicht stimmt, muss man nicht auf eine Chance verzichten.» Zwar habe die CVP letztlich mehr profitiert. «Aber lieber deren Position sichern, als der SP zu einem zweiten Sitz verhelfen.» Für «den historischen Pakt zwischen den Schwarzen und den Roten» musste Schilliger den Kopf hinhalten. «Ein Präsident hat mit der Fahne der Partei voranzugehen, das ist nun mal so.» Verantwortung aber müsse das Gremium tragen, das den Entscheid geformt habe.

Das Führen eine Partei ist aufwendig. Wie der Blick in die Zeiterfassung verrät, hat Schilliger dafür letztes Jahr 400 Stunden aufgewendet. Entlöhnung? «6000 Franken, nicht meine bestbezahlte Tätigkeit», sagt Schilliger lachend. Er, der unter anderem Präsident der TCS-Sektion Waldstätte, Spitalrat des Luzerner Kantonsspitals, Verwaltungsrat der Kursaal Kasino AG und Vorstandsmitglied im Schweizerischen Arbeitgeberverband ist. Die freiwerdenden 400 Stunden werden der unternehmerischen Seite zugutekommen, Freizeit habe er genug. «Täglich etwas Gymnastik, wöchentlich drei Stunden Tennis und einmal Joggen reichen.» Und sonst wäre da ja immer noch das Paddel.