KANTON: Badeverbot wird im Sommer oft missachtet

Viele Seen und Flüsse bieten im Kanton Luzern Abkühlung. Doch das Baden kann zu einem teuren Vergnügen werden.

Roseline Troxler
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Wer im Baldeggersee baden will, darf dies nur in der Badi tun: Bademeisterin Carmen Ambühl behält in der Badi Baldegg den Überblick. (Bild Pius Amrein)

Wer im Baldeggersee baden will, darf dies nur in der Badi tun: Bademeisterin Carmen Ambühl behält in der Badi Baldegg den Überblick. (Bild Pius Amrein)

Der Kanton Luzern ist reich an Seen und Flüssen. Diese laden bei schönem Sommerwetter zu einer erfrischenden Abkühlung ein. Doch nicht überall ist Baden erlaubt. Wer trotzdem ins kühle Nass springt, dem droht eine saftige Busse.

Bussen von bis zu 300 Franken

Im Kanton Luzern gibt es Seen, die als Naturschutzgebiet geschützt sind. Natalie Kamber, Medienbeauftragte bei der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie, sagt: «Der Rotsee und der Baldeggersee sind solche Seen. Aus diesem Grund darf dort nur in den offiziellen Badeanstalten gebadet werden.» Ausserhalb der Badi ist hier das Baden verboten. Zudem gibt es an den grösseren Flüssen wie an der Reuss oder an der Kleinen Emme Wasserkraftwerke, in deren Bereich ebenfalls nicht gebadet werden darf. Dazu zählen das Kraftwerk Rathausen an der Reuss und das Kraftwerk Ettisbühl an der Kleinen Emme.

Im vergangenen Jahr hat die Umweltschutzpolizei vier Verstösse gegen das Badeverbot in einem Naturschutzgebiet verzeichnet. Laut Natalie Kamber verfügt die Luzerner Polizei allerdings nicht über Zahlen zum Rotsee. «Denn hier ist das Badeverbot privatrechtlich geregelt.» Wer im Naturschutzgebiet badet, muss mit einer Busse rechnen. «In der Vergangenheit wurden Bussen in der Höhe von 200 bis 300 Franken ausgesprochen», so Kamber.

Polizei verzeichnet 16 Verstösse

Neben Baden im Naturschutzgebiet gibt es weitere Widerhandlungen gegen Schutzverordnungen von Luzerner Gewässern wie dem Baldeggersee. Dazu zählen etwa das Betreten des Schilfgürtels, das Fischen oder das Campieren in einem Naturschutzgebiet. Natalie Kamber sagt: «Im vergangenen Jahr verzeichnete die Luzerner Polizei 16 Verstösse. Besonders betroffen, waren der Sempacher-, Hallwiler- und Baldeggersee.»

Nebst der Polizei gibt es auch private Organisationen, welche die Einhaltung von Naturschutzbestimmungen kontrollieren. So ist der Baldeggersee im Besitz von Pro Natura.

Samuel Ehrenbold, Geschäftsführer von Pro Natura Luzern, sagt: «In einem Naturschutzgebiet hat die Natur Vorrang, damit die empfindliche Ufervegetation, wertvolle Schwimmblattgesellschaften und brütende Vögel nicht gestört werden.» Daher ist das Baden im See nur in den beiden Badeanstalten in Baldegg und Gelfingen erlaubt. Nebst dem Badeverbot gilt auch ein Bootsfahrverbot auf dem ganzen See. Ehrenbold: «Das Badeverbot wird leider sehr oft missachtet – bei schönem Sommerwetter täglich mehrfach.

Nur sporadische Kontrollen

Die Polizei sowie die Aufsichtsorgane des Kantons und Pro Natura kontrollieren die Einhaltung der Schutzbestimmungen regelmässig, so Ehrenbold. «Allerdings sind es nur sporadische Kontrollen, da der personelle Aufwand für häufigere und ausgedehnte Kontrollen sehr gross wäre.» Bei einem Verstoss würden die Fehlbaren darauf hingewiesen, dass sie widerrechtlich handeln. Weiter muss die Polizei Personen, die in den Sperrzonen baden oder Boot fahren, verzeigen, da es sich dann um ein Offizialdelikt handelt. Im übrigen See muss die Eigentümerin Anzeige erstatten, damit jemand gebüsst wird.

Beim Hallwilersee wird von den Gemeinden und Kantonen, die am See liegen, ein Rangerdienst finanziert, welcher die Einhaltung der Regeln am und im See überwacht. Natalie Kamber sagt: «Private Organisationen wie Pro Natura und die Ranger am Hallwilersee machen die Badenden auf ihren Verstoss aufmerksam. Es liegt im Ermessen dieser Organisationen, den Fall der Polizei zu melden.»

Zugersee: Viele private Parzellen

Mit der Enklave Chiemen gehört auch ein Stück des Zugersees zum Kanton Luzern. Hier ist Baden erlaubt. «Auf Zuger Kantonsgebiet ist ausserhalb der öffentlichen Badeplätze individuelles Baden mit Einschränkungen möglich; in Naturschutzgebieten und in Bereichen mit Seeufervegetation darf nicht gebadet werden», wie Peter Keller vom Amt für Umweltschutz des Kantons Zug sagt. «Die Gemeinden sind zuständig, ob sie das Baden vom öffentlichen Grund aus gestatten.» Im Kanton Zug gibt es laut Keller viele private Parzellen. «Hier ist Baden nur mit der Zustimmung der Besitzer möglich.»

Nebst den bekannten und grossen Seen sowie den Flüssen Reuss, Kleine Emme, Wigger und Luthern gibt es im Kanton Luzern auch einige Kleinseen und Weiher. Die meisten stehen unter Naturschutz. So ist das Baden etwa im Mauen- wie auch im Soppensee verboten. Im Tuetensee, der in der Gemeinde Menznau liegt, dürfen nur Seeanstösser schwimmen.

Gefahr nach starkem Gewitter

Nicht nur die Naturschutzbestimmungen schränken das Baden in den Luzerner Gewässern ein. In einigen Gewässern drohen Gefahren. Kamber sagt: «Besondere Gefahren gibt es in grösseren Flüssen wie der Reuss und der Kleinen Emme – einerseits im Bereich von Wasserkraftwerken, andererseits bei Hochwasser.» Vorsicht sei nach Gewittern geboten. «Nach starkem Gewitterregen kann ein Fluss wie die Kleine Emme innert kurzer Zeit stark anschwellen.»