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KANTON: Bauern setzen auf zweites Standbein

Landwirtschaftsbetriebe werden oftmals nur noch im Nebenerwerb geführt. Das gibt den Bauern die Möglichkeit, einem zweiten Beruf nachzugehen. Dies berge Chancen, aber auch Gefahren, warnt Roman Winiger (46). Seine Arbeitszeit teilt er sich zwischen Schweinemaststall und Dorfkäserei auf.
Roseline Troxler
Sein Hof ist sein grösster Stolz. Trotzdem arbeitet Bauer Roman Winiger auch noch in der Dorfkäserei. (Bilder Eveline Beerkircher)

Sein Hof ist sein grösster Stolz. Trotzdem arbeitet Bauer Roman Winiger auch noch in der Dorfkäserei. (Bilder Eveline Beerkircher)

Roseline Troxler

Die Zahlen zeigen: Die Anzahl Landwirtschafts­betriebe, die im Nebenerwerb geführt werden, ist im Verhältnis zur Gesamtzahl angestiegen (siehe Grafik). Diese Entwicklung bestätigt auch Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands. «Die Produktivität steigt in der Landwirtschaft. Somit können die Bauern die frei werdende Arbeitszeit für eine andere Tätigkeit nutzen.» Stefan Heller rechnet damit, dass auch künftig im Kanton Luzern immer mehr Betriebe im Nebenerwerb geführt werden. «In den Berggebieten wird es sicher eine stärkere Zunahme geben als im Tal.» Landwirte üben laut dem Geschäftsführer des Luzerner Bauernverbands nebst der Landwirtschaft oft handwerkliche Berufe aus.

Kein Modell besser als das andere

Heller betont, dass keines der beiden Modelle – Haupt- oder Nebenerwerb – das bessere Modell sei. «In kleineren Strukturen macht der Nebenerwerbsbetrieb sicher Sinn und ist ein zukunftsfähiges Modell.» Dennoch sagt Heller: «Der Anreiz für Betriebe im Nebenerwerb ist heute etwas zu gross.» Eine extensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen wird laut Heller in der Agrarpolitik zu stark gefördert. Und eine extensive Bewirtschaftung werde eher im Nebenerwerb ausgeführt. «Der Wert für die Gesellschaft wird aus meiner Sicht dabei überbewertet.»

Viele haben einen zweiten Beruf

Als Nebenerwerbsbetrieb werden die Landwirtschaftsbetriebe bezeichnet, bei welchen beim Betriebsleiter weniger als die Hälfte des Einkommens aus dem landwirtschaftlichen Betrieb stammt.

Dieser Definition entsprechen rund ein Viertel aller Betriebe im Kanton Luzern. Noch viel grösser und ebenfalls mit steigender Tendenz gibt es Betriebsleiter, welche neben der Arbeit auf dem Bauernhof einer weiteren Arbeit nachgehen, deren Haupterwerb aber nach wie vor der Hof ausmacht. Ein Landwirt, der dieses Modell seit zehn Jahren lebt, ist der Neudorfer Roman Winiger (46). Nebst der Tätigkeit auf seinem Bauernbetrieb arbeitet er zwei Tage pro Woche in der Dorfkäserei Neudorf – als Lastwagenchauffeur sowie als technischer Leiter. Der Vater von drei Kindern im Schulalter entschied vor zehn Jahren, seinen Betrieb von der Milchproduktion auf Schweinemast mit 504 Mastplätzen umzustellen. Roman Winiger erklärt den Wechsel auf die Schweinemast so: «Aufgrund von strengeren Vorschriften standen für unseren Hof hohe Investitionen an. Diese waren uns angesichts des tiefen Milchpreises zu riskant.» Daher habe er den Betrieb auf die weniger arbeitsintensive Schweinemast umgestellt. «Da die Produktivität damit angestiegen ist, habe ich die Möglichkeit, zusätzlich auswärts arbeiten zu gehen. Es ist toll, einem zweiten Erwerb nachzugehen, vor allem weil ich nicht davon abhängig bin.» Falls die Preissituation sich verschlechtere, könne der Betrieb auch als Nebenerwerbsbetrieb weitergeführt werden.

Er ist überzeugt, dass künftig noch mehr Bauern einen zweiten Beruf ausüben werden: «Durch den technischen Fortschritt erhält der Bauer mehr freie Zeit, wenn der Betrieb nicht wachsen kann.» Ein weiterer Grund sei der grosse Druck auf die Preise für Lebensmittel, wodurch die Landwirtschaft für viele Bauern die Lebenshaltungskosten nicht mehr decke.

Arbeit bei der Käserei als Glücksfall

Die Arbeit bei der Dorfkäserei bezeichnet Winiger als Glücksfall. «Ich kann meine Arbeitszeit sehr flexibel einteilen, was gerade in den strengen Sommermonaten mit dem Heuen viel wert ist.» Andererseits profitiere sein Arbeitgeber ebenfalls von seiner Flexibilität, wenn es mal brenne, und von seinem betriebswirtschaftlichen Wissen und den Führungserfahrungen, die er sich als Offizier bei der Feuerwehr Michelsamt angeeignet hat. «Das Schöne an zwei Arbeiten ist, aus seinem eigenen Gärtchen rauszukommen. Damit werde ich auch mit den Problemen der Privatwirtschaft konfrontiert.»

Winiger betont aber auch, dass seine zwei Jobs eine Herausforderung seien. «Ich muss bei der Betriebsplanung immer einen Schritt voraus sein.» Und er ergänzt, dass seine Arbeit ohne die Hilfe seiner Frau nicht möglich wäre.

«Betrieb darf nicht darunter leiden»

Landwirten, welche sich überlegen, den Betrieb auf einen Nebenerwerb umzustellen oder einer zweiten Arbeit nachzugehen, empfiehlt der Neudorfer vor allem Offenheit – auch gegenüber neuen Betriebszweigen. «Die künftigen Möglichkeiten für den Betrieb müssen zunächst genau analysiert werden.» Der Landwirt warnt ausserdem davor, dass der Zuerwerb nicht zu einer Arbeitsüberlastung führt. «Es macht keinen Sinn, auswärts arbeiten zu gehen, um dann mit dem Lohn den Schaden zu Hause auszubügeln.»

Nie in Frage gekommen wäre für Winiger, den Bauernbetrieb aufzugeben. «Landwirt ist für mich der schönste Beruf der Welt, und meine Familie und der Betrieb sind mein grösster Stolz.»

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