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KANTON: Blutsauger nach mildem Winter besonders durstig

Hausärzte melden für dieses Jahr schweizweit einen Rekord der Zeckenstiche. Trotzdem sind der Kantonsarzt und ein Infektiologe noch nicht beunruhigt.
Alexander von Däniken
Zecken mögen mildes Wetter. (Archivbild / KEYSTONE/EPA/DPA/Stephan Jansen)

Zecken mögen mildes Wetter. (Archivbild / KEYSTONE/EPA/DPA/Stephan Jansen)

Ein kleines Tier sorgt derzeit für grosse Verunsicherung. Kürzlich hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seinem Bulletin vermeldet, dass dieses Jahr bis Ende April schweizweit 4000 Zeckenstiche registriert wurden. Das sind doppelt so viele wie im langjährigen Durchschnitt (Ausgabe vom Mittwoch). «Es ist der höchste Wert seit Einführung dieser Überwachung 2008», erklärt BAG-Sprecher Adrien Kay auf Anfrage. Müssen wir uns also wegen des knapp vier Millimeter kleinen Blutsaugers Sorgen machen? Zumindest im Kanton Luzern werden die Ärzte nicht gerade wegen Zeckenstichen überrannt, wie Christian Studer, Präsident der Vereinigung Luzerner Hausärzte, erklärt: «Wir hatten in der Praxis zwei Fälle von typischem Hautbefall bei Borreliose als Hinweis, dass nach dem warmen Winter die Zecken-Population grösser ist.» Damit sei aber noch nicht erwiesen, dass es mehr Zecken gebe.

Kanton: Daten fehlen

Der Luzerner Kantonsarzt Roger Hars­tall erklärt zu den 4000 zeckenbedingten Arztbesuchen: «Diese Zahl nehmen wir zur Kenntnis und können wir auch nicht näher kommentieren.» Denn der Kanton verfüge über keine Daten zu den Konsultationen wegen Zeckenstichen. Solche sind nicht meldepflichtig.

Ärzte können Konsultationen wegen Zeckenstichen hingegen freiwillig dem Bundesamt für Gesundheit mitteilen. Dieses rechne die Meldungen dann hoch. Es handle sich bei der genannten Zahl um eine Schätzung, die nicht auf gesicherten Daten basiere. BAG-Sprecher Adrien Kay bestätigt Harstalls Aussage. Indessen könne nicht gesagt werden, wie viele der 4000 Fälle aus dem Kanton Luzern stammen.

Achtung: Hirnhautentzündung

Meldepflichtig und darum datengesichert sind hingegen Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Diese von Zecken übertragene Krankheit kann zu Hirnhautentzündungen führen. Dieses Jahr gab es in der Schweiz bis Ende April zwölf FSME-Fälle. Im Kanton Luzern wurde 2016 bisher ein FSME-Fall registriert, wie im Vorjahr.

Entscheidend sei, so der Luzerner Kantonsarzt, dass nicht mehr Krankheiten übertragen wurden als in den letzten Jahren – trotz der vielen Konsultationen wegen Zeckenstichen. Auch Adrien Kay vom Bund sagt: «Zahlen über Fälle, bei denen Krankheiten durch Zecken übertragen werden, sind ähnlich hoch wie in den Vorjahren.»

Das bestätigt Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene des Luzerner Kantonsspitals. Und das, obwohl zum Beispiel die FSME-Erreger stärker verbreitet sind als in früheren Jahren. Rossi vermutet, dass viele Personen, die sich öfters draussen und in Risikogebieten aufhalten, geimpft sind.

Für Menschen in FSME-Risikogebieten, wie es sie unter anderem rund um Gemeinden wie Willisau, Sursee, Dagmersellen, aber auch die Stadt Luzern gibt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Impfung. Zwei Impfdosen im Abstand eines Monats sowie eine dritte nach fünf bis zehn Monaten bieten einen umfassenden Schutz.

Abhängig von Klima und Verhalten

Die Zahl von 4000 Arztbesuchen nimmt auch der Infektiologe «zur Kenntnis». Er weist aber auch darauf hin, dass es grosse Schwankungen bei den gemeldeten Zeckenstichen gibt – und dass dies zwei Ursachen hat: «Einerseits hängt eine Häufung von klimatischen Bedingungen wie milde Temperaturen oder Feuchtigkeit ab. Andererseits – und das ist noch entscheidender – bestimmt das Wetter, wie viele Menschen sich draussen aufhalten.»

Die Impfung gegen FSME empfiehlt Rossi Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren, die sich regelmässig in Risikogebieten im Wald und in Waldnähe aufhalten. BAG-Sprecher Adrien Kay ergänzt: «Obwohl die Fallzahlen nicht angestiegen sind, ist zu betonen, dass es sich um gefährliche Krankheiten handelt und sich die Bevölkerung davor schützen soll und kann.»

Was tun bei Zeckenverdacht?

Bei Zeckenverdacht empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  • Zu Hause den Körper nach Zecken absuchen – insbesondere Kniekehlen, Scham- und Bauchnabelgegend, Achselhöhlen sowie Haaransatz.
  • Wer eine Zecke entdeckt, soll diese mit einer Pinzette aus der Haut ziehen. Kein Öl verwenden. Die Stichstelle sollte desinfiziert und beobachtet und das Datum des Stichs notiert werden.
  • Bei Hunden helfen ein Zeckenhalsband und Zeckensprays. Das Fell regelmässig absuchen. Entfernt werden die Zecken wie bei Menschen.

Alexander von Däniken

Hinweis

Eine Gefahrenkarte des Bundesamts für Gesundheit findet man unter www.map.geo.admin.ch, Stichwort FSME. Weitere Infos zu Zecken unter www.sichimpfen.ch oder www.zecken.ch

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