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KANTON: «Chilbi hat mehr Konkurrenz»

Über 150 Chilbis gibt es im Kanton Luzern. Nun beginnt deren Hochsaison. Doch es gibt Orte, wo die alte Tradition in Gefahr ist.
Roseline Troxler
Seit Jahrhunderten auch im Kanton Luzern ein jährlich wiederkehrendes Bild: Schausteller und Besucher an einer Chilbi. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Seit Jahrhunderten auch im Kanton Luzern ein jährlich wiederkehrendes Bild: Schausteller und Besucher an einer Chilbi. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Roseline Troxler

Es gibt kaum eine Gemeinde im Kanton Luzern, in welcher die Chilbi nicht fester Bestandteil des Jahreskalenders ist. Im Gegenteil: Viele der 83 Gemeinden kennen gar mehrere Chilbi-Anlässe. So etwa Hasle. Neben der Dorfchilbi ziehen die Schützenchilbi und diverse Älplerchilbis die Dorfbevölkerung und Besucher an. Gross ist die Chilbidichte auch in Flühli, Luzern oder in Horw.

Ein Ausbruch aus dem Alltag

Gleich in acht Gemeinden heisst es dieses Wochenende Zuckerwatte schlecken, Autoskooter fahren oder Büchsenwerfen. Von August bis Oktober ist die Hochsaison der Chilbis. Sibylle Gerber ist Kuratorin der Ausstellung «Chilbi – von Zuckerwatte, Karussells und Schaustellern», die zurzeit im Historischen Museum in Luzern gezeigt wird. Sie sagt zur Bedeutung der Chilbis: «Sie sind ein Volksfest, an dem sich die Bevölkerung trifft. Es geht ums Sehen und Gesehenwerden. Die Chilbi ist ein Ausbruch aus dem Alltag.» Die Bedeutung habe sich seit den Anfängen nicht gross verändert, so Gerber. Gewandelt habe sich aber das Erscheinungsbild. «Früher haben Schaubuden dominiert, wo Abnormitäten wie die dicke Berta oder zweiköpfige Kälber gezeigt wurden.» Heute würden die Bahnen im Zentrum des Anlasses stehen, erzählt sie und ergänzt: «Früher wie heute wird an der Chilbi viel Süsses und Fettiges gegessen. Und es ist und bleibt ein Anlass zum Flirten.»

Ursprung von der Kirchweihe

Das Wort Chilbi ist auf Kirchweihe zurückzuführen. Das genaue Alter der verschiedenen Chilbis ist laut Gerber häufig unklar. Auffallend ist: Besonders viele Chilbis im Kanton Luzern finden am zweiten Wochenende im Oktober statt. Dies beruht auf einem mehr als 240 Jahre alten Entscheid. Der Obrigkeit war es ein Dorn im Auge, dass sich die Bevölkerung das ganze Jahr hindurch an Chilbis vergnügte. Der Bischof von Konstanz beschloss 1778 deswegen, alle Kirchweihfeste der Luzerner Pfarrkirchen auf den zweiten Sonntag im Oktober festzusetzen. Dies missfiel dem Volk – dennoch finden an diesem Datum auch heute noch viele Chilbis statt.

Bedürfnis nach Treffpunkt bleibt

Das Historische Museum Luzern hat eine Karte mit allen Chilbis zusammengestellt. Sibylle Gerber sagt, sie sei über die grosse Anzahl überrascht. Kann sich die Tradition auch in Zukunft halten? «Die Chilbi hat durch das wachsende Freizeitangebot grosse Konkurrenz erhalten. Dennoch rechne ich nicht damit, dass sie von der Bildfläche verschwindet», sagt die Kuratorin. «Menschen haben ein Bedürfnis nach einem jährlichen Treffpunkt im Dorf.» Für viele sei die Chilbi ein Heimkommen. Sie würden dort, wo sie aufgewachsen sind, alte Bekannte treffen. Dennoch sagt Gerber: «Wenn Vereine Nachwuchsprobleme haben, kann auf dem Land die treibende Kraft für die Organisation fehlen.»

Dieses Problem stellt sich in mehreren Gemeinden, so etwa in Wikon, wo die Chilbi seit Jahrzehnten vom Gemeinnützigen Frauenverein Wikon organisiert wird, so auch dieses Wochenende. Der Verein löst sich voraussichtlich im kommenden Frühling auf. Als Grund gibt Vereinsmitglied Erika Scheidegger Nachwuchsmangel an. Dennoch soll die Chilbi weitergeführt werden. «Es ist uns ein grosses Anliegen, die Tradition zu bewahren.» Es laufen derzeit Gespräche mit anderen Vereinen und der Gemeinde, die Hand bieten wollen.

Ausstellung noch bis Mitte Oktober

Das Historische Museum Luzern zeigt die Sonderausstellung zum Thema Chilbi noch bis 16. Oktober. Ziel sei es, die Geschichte mit der Gegenwart zu verlinken. «Die Chilbi ist eine Alltagskultur, die noch wenig erforscht ist, obwohl sie eigentlich viele gesellschaftliche Komponenten zeigt», erklärt Sibylle Gerber. Und sie fügt an: «Jeder hat eine besondere Erinnerung an die Chilbi.»

Hinweis

Weitere Informationen zur Ausstellung «Chilbi – von Zuckerwatte, Karussells und Schaustellern» finden Sie unter historischesmuseum.lu.ch. Dort gibt es auch eine Übersicht über die verschiedenen Chilbis in den Luzerner Gemeinden.

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