KANTON: Das Campieren liegt ihm im Blut

Rund 15 Campingplätze gibt es im Kanton Luzern. Jener in Vitznau existiert seit 60 Jahren und wird in der dritten Generation geführt.

Mirjam Weiss
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Zum letzten Mal hat Alex Elmiger am Sonntag die MG Brass Band Auw dirigiert. (Bild Werner Schelbert)

Zum letzten Mal hat Alex Elmiger am Sonntag die MG Brass Band Auw dirigiert. (Bild Werner Schelbert)

Sie leben dort, wo andere Ferien machen – auf dem Campingplatz. Seit zwölf Jahren leiten Alex (44) und Manuela (40) Zanetti mit Sohn Jonas (8) die Campinganlage in Vitznau, und das bereits in der dritten Generation. «Mein Grossvater hat den Campingplatz 1953 gegründet. Er war Bauer», erzählt Alex Zanetti. In den 1950er-Jahren seien immer mehr Touristen in die Schweiz und auch nach Vitznau gekommen, die sein Grossvater teilweise auch auf seinem Hof beherbergte – sie durften im Heustock schlafen.

Schon damals hätten einzelne Camper in Wohnwagen oder VW-Bussen in Vitznau übernachtet. «Als mein Grossvater merkte, dass ein Campingplatz offenbar einem Bedürfnis entsprach und auch lukrativ zu sein schien, gab er die Landwirtschaft auf und widmete sich ausschliesslich dem Camping», so Alex Zanetti. Er habe sein Land in verschiedene Terrassen unterteilt und nach und nach die landwirtschaftlichen Ökonomiegebäude zu Sanitäranlagen umgebaut. «Die Einrichtung war damals noch sehr bescheiden. Frauen und Männer haben sich jeweils an einem einzigen Waschtrog gewaschen.»

Wireless und Swimmingpool

Das war vor 60 Jahren. Heute verfügt der Vitznauer Campingplatz mit 159 Stellplätzen unter anderem über moderne Einzelwaschkabinen mit Warmwasser und Hintergrundmusik, Waschmaschinen, Wireless und einen geheizten Swimmingpool. «Der Komfortanspruch unserer Gäste ist heute viel grösser als früher, und er wächst weiter», sagt Alex Zanetti. Er und seine Frau Manuela kümmern sich auf dem Campingplatz um die Réception, den Laden, die Aussenanlagen, geben Ausflugstipps und beraten die Gäste bei allen möglichen Fragen. «Wir pflegen einen sehr persönlichen Umgang mit unseren Gästen», sagt Alex Zanetti und erinnert sich etwa an einen Notfall mitten in der Nacht: «Gegen 3 Uhr morgens mussten wir einen Gast wegen Unterzuckerung ins Spital bringen.» Nicht nur die Campingausstattung, sondern auch die Kundschaft habe sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. «Als meine Eltern den Campingplatz leiteten, hatten wir hauptsächlich ausländische Gäste», erzählt Alex Zanetti. «Heute campen auch sehr viele Schweizer bei uns.» Von den ausländischen Campern kämen die meisten aus Holland, Deutschland oder England. «Seit einigen Jahren stellen wir ausserdem eine Zunahme der Gäste aus Oststaaten wie Polen oder Tschechien fest.» Altersmässig sei die Kundschaft bunt gemischt. «In der Nebensaison haben wir viele Pensionäre hier, in der Hauptsaison Familien.» Was macht eigentlich den Reiz des Campens aus? «Man hat seine persönlichen Sachen dabei, ist sehr flexibel und kommt mit ganz unterschiedlichen Leuten in Kontakt», so Alex Zanetti.

Von 4 bis 250 Plätzen

Im Kanton Luzern gibt es rund 15 Campingplätze (siehe Box). Der grösste ist der Camping International Lido in Luzern mit 250 Tagesplätzen, der kleinste der Archehof Russberg in Hofstatt mit vier Tagesplätzen. «Für Camping interessieren sich bei uns vor allem junge Backpacker, aber auch andere Gäste, vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland», weiss Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus. Die Region Luzern und Vierwaldstättersee sei nicht zuletzt wegen der Berge und wegen des Sees bei Touristen so gefragt. «Unter diesen Gästen gibt es sicherlich viele, die naturnah auf einem Camping übernachten möchten.»