KANTON: Forstbetriebe arbeiten effizienter

Luzerns Forstbetriebe machen im nationalen Vergleich am meisten Gewinn. Dies ist vor allem auf den hohen Anteil an privaten Waldeigentümern zurückzuführen.

Stephan Santschi
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Der Forstwart Peter Schnider bei der Arbeit in einem Wald in Buchrain. (Bild Eveline Beerkircher)

Der Forstwart Peter Schnider bei der Arbeit in einem Wald in Buchrain. (Bild Eveline Beerkircher)

Die Zahlen sind beeindruckend. Die Forststatistik 2012 weist den Kanton Luzern als nationalen Spitzenreiter aus. Nicht, was die Menge des genutzten Holzes oder die Waldfläche betrifft, da befindet sich Luzern nur auf Rang sieben beziehungsweise zehn. Gemeint ist der wirtschaftliche Ertrag der Forstbetriebe. Während die Forstbetriebe für das Jahr 2012 gesamtschweizerisch einen Verlust von 58 Millionen Franken zu beklagen haben, präsentiert sich Luzern mit einem Plus von 3,2 Millionen als Topverdiener. Dies, obwohl auch in unseren Wäldern wegen den schwierigen Marktbedingungen 18 Prozent weniger Holz verwertet worden ist, als im Vorjahr.

Was machen die Forstbetriebe im Kanton Luzern besser? «Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen», entgegnet Alex Arnet, der Leiter des Fachbereichs Waldnutzung bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). Der Grund: «Nicht alle Betriebe sind in der Lage, saubere Zahlen zu liefern. Die Finanzdaten auf deren Richtigkeit zu überprüfen, ist unmöglich.» Das bestätigt Arthur Zesiger vom Bundesamt für Statistik, welches die Zahlen erhoben hat: «Die betriebliche Freiheit erlaubt es jedem Unternehmen, das Budget mit internen Verrechnungen zu beeinflussen. Das wünschen wir zwar nicht, wird aber trotzdem gemacht.»

Effiziente Arbeit in Luzern

Es gibt allerdings Erklärungsansätze für das gute Abschneiden Luzerns, die über rechnerisches Kalkül hinausgehen. So sagt der Krienser Hans Gerber, Mitglied der Geschäftsleitung des Verbands Waldwirtschaft Schweiz: «Luzern hat mit über 70 Prozent einen sehr grossen Anteil an Privatwald. Die privaten Waldeigentümer achten bei der Bewirtschaftung der Wälder mehr auf die Rentabilität als Forstbetriebe grosser Städte, die mehr Aufwand für Erholungsuchende betreiben und ein Defizit über das Stadtbudget ausgleichen können.»

Im Kanton Luzern sei die Waldbewirtschaftung in der jüngeren Vergangenheit zudem effizienter geworden. Dafür sorgen die Waldeigentümer, die sich seit 2006 zu regionalen Organisationen zusammenschliessen. Das sind private Unternehmen, die den Wald unter Führung einer Fachperson professionell bewirtschaften, das Holz kostengünstig bündeln und kundengerecht liefern. Ferner profitiert man im voralpinen Gebiet, wozu Luzern zählt, von Leistungsabgeltungen der öffentlichen Hand für die Pflege des Schutzwaldes.

«Mit Wald verdient man nicht viel»

Für Werner Hüsler, Geschäftsführer des Verbands der Luzerner Waldeigentümer, steht trotzdem fest: «Die Zahlen der Forststatistik sind nicht repräsentativ für die Situation der Waldeigentümer. Diese verdienen am Holz grundsätzlich nicht viel.» Ein Baumbestand werde 60 bis 70 Jahre lang gepflegt, bis geerntet werden könne. «Im optimalen Fall bleiben dem Waldeigentümer im Mittelland nach Abzug der Erntekosten 30 bis 40 Franken pro Kubikmeter Holz, damit kann der Wald nicht als Wertanlage bezeichnet werden. Im Berggebiet können mit dem Erlös nicht einmal die Erntekosten gedeckt werden.»

Sicher gebe es grössere private Waldbesitzer wie etwa in Entlebuch, wo die Erträge aus dem Wald ein wichtiger Teil des Betriebseinkommens bildeten. «Im Grossen und Ganzen steht für die vielen kleinen Waldbesitzer bei der Arbeit aber vor allem die Liebe zum Wald im Mittelpunkt.» Ausschlaggebend hierfür sei, neben dem mittlerweile tiefen Marktpreis von Holz, die starke Nutzungsreglementierung des Bundes. «Wir haben in der Schweiz nicht Plantagen wie in Afrika. Hier hat der Wald auch öffentliche Aufgaben. Er dient dem Menschen zum Schutz oder als Naherholungsgebiet und er ist Lebensort für Tiere.» Lukrative Ausnahmen finden sich, so Hüsler, bei Spezialbäumen, sogenanntem Wertholz, wie Nuss- oder Ahornbäumen. «Hier kann ein besonderes Einzelstück 4000 bis 6000 Franken wert sein.»

Holzbranche vor goldener Zukunft?

Für Pirmin Jung sind in der Schweiz die politischen Rahmenbedingungen noch nicht so weit, damit sich inländisches Holz als nachhaltiger Rohstoff etablieren könnte. «Der Fokus sollte mehr auf Wirtschaftswälder gerichtet werden, weil irgendwann in der Zukunft weltweit eine Knappheit an Holz auftreten wird», sagt der Präsident von Pro Holz Lignum Luzern, der Dachorganisation der Luzerner Wald- und Holzwirtschaft. Jung ist überzeugt, dass der Holzbranche eine goldene Zukunft blühen kann. «Auch die Chinesen kommen allmählich auf den Geschmack von Holz. Gemeinschaftsunternehmen erschliessen bereits jetzt Wälder in Sibirien mit Strassen.» Langfristig gesehen werde unser Holz gebraucht.

Die aktuell guten Zahlen der Luzerner Forstbetriebe erachtet Jung als trügerisch. Er führt sie ebenfalls auf den grossen Anteil von Privatwald zurück. «Viele Bauern gehen im Winter als Waldeigentümer in den Wald, wenn sie sonst keine andere Arbeit haben. Diese Stunden werden kaum aufgeschrieben. Genaue Zahlen sind in diesem Bereich wohl ein Ding der Unmöglichkeit.»