KANTON: Hochschule: «Vieles ist sehr unsicher»

Startschuss für die neue Pädagogische Hochschule Luzern. Rektor Hans-Rudolf Schärer spricht über Grenzen und Öffnungen.

Mirjam Weiss
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Heute beginnt das neue Semester: Hans-Rudolf Schärer, Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

Heute beginnt das neue Semester: Hans-Rudolf Schärer, Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

1753 angehende Lehrerinnen und Lehrer starten heute an der Pädagogischen Hochschule Luzern ins Herbstsemester. Nach dem Ausstieg aus dem PHZ-Konkordat mit den übrigen Zentralschweizer Kantonen geht die PH Luzern seit dem 1. August eigene Wege.

Hans-Rudolf Schärer, Sie haben an der Universität Zürich Germanistik und Romanistik studiert und das höhere Lehramt gemacht. Wie war Ihr Start ins Studium?

Hans-Rudolf Schärer: Es war für mich ein ziemlich abrupter Wechsel von der kleinen Kantiklasse in den Unibetrieb mit damals rund 1000 Hauptfachgermanisten. Aber mein älterer Bruder, der ebenfalls Germanistik studiert hatte, konnte mich gut beraten.

Was ändert sich für die Studenten durch den Alleingang der Pädagogischen Hochschule Luzern?

Schärer: Fast nichts. Der Entscheid betrifft in erster Linie die Führung der Schule, die dadurch effizienter wird. Das Angebot bleibt gleich, und die Diplome werden in der ganzen Schweiz anerkannt. Trotz Ausstieg aus dem Konkordat verstehen wir uns aber weiterhin als regional ausgerichtete Hochschule.

Was heisst das konkret?

Schärer: Rund die Hälfte unserer Studenten kommt aus anderen Kantonen. Mit Zug haben wir vertraglich eine Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen vereinbart, und auch mit Schwyz gibt es eine Zusammenarbeit. So sind etwa das Verfahren für die Vorbereitungskurse und die Aufnahmeprüfung in allen drei Schulen gleich.

Wie gross ist die Konkurrenz zu den anderen Pädagogischen Hochschulen in Goldau und Zug?

Schärer: Es besteht für uns keine Konkurrenz. Die PH Luzern ist mit Abstand die grösste Schule und bietet drei ihrer fünf Studiengänge exklusiv in der Zentralschweiz an. Die Studiengänge Kindergarten/Unterstufe und Primarstufe werden an allen drei Schulen geführt, da kommt es zu Parallelitäten. Aber im Moment werden alle Studenten gebraucht, und alle drei Schulen haben steigende Studentenzahlen.

Immer mehr Studenten – geht das so weiter?

Schärer: Der neue Rekord dieses Jahr hat mich überrascht, denn die Zahl der gymnasialen Maturitäten nimmt eher ab. Ich vermute daher, dass sich die Zahl unserer Studenten in den nächsten Jahren auf dem heutigen Niveau einpendeln oder sogar leicht sinken wird.

Ein Problem der wachsenden Studentenzahlen sind fehlende Praktikumsstellen. Was unternimmt die PH Luzern, um mehr solche Stellen anbieten zu können?

Schärer: Wir machen sehr viel Werbung und haben bereits mit über 100 Schulen in der Zentralschweiz Kooperationsverträge für Praktikumsstellen abgeschlossen. Da unsere Absolventen später häufig an einer Schule zu arbeiten beginnen, an der sie ein Praktikum absolviert haben, sind diese Praktika im Interesse von allen. Aufgrund der beschränkten Praktikumsstellen mussten wir in diesem Jahr die Zahl der Praktikumstage etwas reduzieren; dafür haben wir eine vierte Praktikumswoche eingeführt. Im ersten Jahr werden die Praktika zudem nicht nur in Zweier-, sondern teilweise auch in Dreiergruppen absolviert.

Im Mai dieses Jahres sagten Sie gegenüber unserer Zeitung, die Grenzen seien noch nicht ganz erreicht, «aber punkto Infrastruktur wird es bald schwierig, wenn der Zuwachs anhält».

Schärer: Die Räumlichkeiten der Pädagogischen Hochschule sind an zehn Standorten in der ganzen Stadt Luzern verteilt. Diese Zersplitterung ist für uns schwierig. Eine gewisse Entlastung bringt indes der Entscheid, dass wir das Zeughaus wiederum voll nutzen können. Aber es fehlt uns insbesondere an geeigneten Räumen für technisches und bildnerisches Gestalten.

Bis wann möchten Sie ein eigenes Gebäude?

Schärer: Langfristig ist ein eigenes PH-Gebäude vorgesehen. Bis wann und wo ist aber noch völlig offen. Im Hochschulbereich ist momentan sehr vieles unsicher.

Bildungsdirektor Reto Wyss spricht von einem grossen Spardruck auf die Bildung. Welche Auswirkungen hat dies auf die PH Luzern?

Schärer: Wir mussten die Semestergebühren von 575 auf 695 Franken erhöhen. Ausserdem wird das pädagogische Medienzentrum in Sursee aus Kostengründen per Ende Jahr aufgehoben, was wir ausser­ordentlich bedauern. Für die nächsten Jahre haben wir noch keine offizielle Vorgabe. Wir werden vermutlich mit schmerzhaften, aber vertretbaren Sparmassnahmen über die Runden kommen. 2015 wird es voraussichtlich schlimmer.

Der Lehrermangel ist derzeit etwas entschärft. Einige Schulen bekunden jedoch Mühe, Lehrpersonen für Fächer wie Französisch, Naturlehre oder auch Musik zu finden.

Schärer: Die relativ freie Fächerwahl auf der Sekstufe 1 kann insbesondere kleineren Schulen Schwierigkeiten bei der Einsetzbarkeit der neuen Lehrpersonen bereiten. Wir haben deshalb eine kleine Einschränkung der Wahlmöglichkeiten eingeführt. Es gibt aber kein ausgeprägtes Ungleichgewicht bei der Fächerwahl. Dass die Studenten ihre Fächer nach Eignung und Neigung wählen, ist eine wichtige Voraussetzung für guten Unterricht.

Der Luzerner Gewerbeverband möchte, dass die Lehrer besser auf die Aufgaben bei der Lehrstellensuche vorbereitet werden.

Schärer: In der Lebenskundeausbildung haben wir Studierende schon immer durch erfahrene Lehrpersonen auf diese Aufgaben vorbereitet. Im Rahmen des Lehrplans 21 ist geplant, das bisherige Fach Hauswirtschaft durch ein neues Fach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt zu ersetzen. Damit sollen auch die berufskundlichen Kenntnisse der Lehrer und Schüler verbessert werden.