Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

KANTON: Lehrer schelten Bildungsdirektor Wyss

950 Lehrer trafen sich am Mittwochabend in Sursee. Ihre Forderung an Bildungsdirektor Reto Wyss: Wertschätzung durch Handeln – und nicht durch leere Worthülsen.
Evelyne Fischer
Mit den Forderungen der Lehrerschaft in der Hand verlässt Regierungspräsident und Bildungsdirektor Reto Wyss gestern die Bühne in der Stadthalle Sursee. (Bild Philipp Schmidli)

Mit den Forderungen der Lehrerschaft in der Hand verlässt Regierungspräsident und Bildungsdirektor Reto Wyss gestern die Bühne in der Stadthalle Sursee. (Bild Philipp Schmidli)

Evelyne Fischer

«Die Angst vor Qualitätsverlust treibt uns um.» Annamarie Bürkli, Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands (LLV), beschönigt nichts. Dass die Regierung im Budget 2016 erneut bei der Bildung den Rotstift ansetzen will, sei unakzeptabel. «Uns werden Aufgaben übertragen, im Nachhinein aber die Mittel dafür gestrichen. Durch die Sparprogramme ist auf ­Beschlossenes kein Verlass mehr.» Kontinuität lasse sich so nicht gewähr­leisten. Die Lehrerschaft sei buchstäblich «von der Rolle», sagt Bürkli mit Verweis aufs Motto des gestrigen Lehrerinnen- und Lehrertags in der Stadthalle Sursee.

Sechs Forderungen an Wyss

Gross sei die Empörung über den geplanten Lektionenabbau bei der Sonderschule oder die Kürzung bei handwerklichen Fächern. «Von ihnen lebt doch gerade unser duales Bildungssystem», so Bürkli. Und weiter: «Mit der Änderung des Besoldungssystems existieren Maximallöhne künftig nur noch auf Papier.» Dies kratze an der Motivation und drücke auf die Qualität. Sechs Forderungen hat der LLV deswegen in Form einer Schriftrolle gestern an Bildungsdirektor Reto Wyss übergeben. Ein Resümee:

  • Beschlossene Bildungswege sollen nicht aus ökonomischen Überlegungen in Frage gestellt werden.
  • Die Bildung soll nicht vom Finanzhaushalt der Eltern abhängen. Dies gefährdet die Chancengleichheit.
  • Es braucht genügend ausgebildetes Personal und die nötigen Lektionen für Spezialbegabte und Lernschwache.
  • Politisch Verantwortliche sollen eine verlässliche Rolle als Arbeitgeber spielen.
  • Die Leistungsbereitschaft der Lehrer soll nicht durch verschlechterte Arbeitsbedingungen abgestraft werden.
  • Der Kanton soll Lehrern nicht nur verbal Respekt zollen. Den Worten müssen auch entsprechende Taten folgen.

Energiefluss gestört

Den Forderungen ging die Ansprache von Regierungsrat Reto Wyss voran. Diese griff das Motto des Lehrertags 2013 auf – Energie. Damals erhielt Wyss ein Stromkabel. «Dieses hatte schon mal Wackelkontakt», so der Bildungsdirektor. Die Energieflüsse zwischen Lehrern und Politikern schwankten, als der Lehrerverband vor den kantonalen Wahlen die Weisung erliess, bürgerliche Parteien nicht zu berücksichtigen. Für Schwachstrom sorgte auch die Forderung nach einer Fremdsprache auf der Primarstufe.

«Persönlicher Mehrfrontenkrieg»

Wyss liess das «leidige Thema der Finanzen» nicht aussen vor. Punkto Budgetdebatte führe er «einen persönlichen Mehrfrontenkrieg». Da seien zum einen die persönliche Begeisterung und das Wissen um die Bedeutung der Bildung. «Da ist aber auch die grosse benötigte Summe, die nicht zur Verfügung steht.» Nötig sei ein Paradigmenwechsel. «Es braucht künftig eine Finanzstrategie, die ihren Namen verdient.» Der Stellenabbau bei den Sonderschulen sei schmerzhaft. «Bei den Mitteln für die Volksschule ist der Kanton nicht von der Rolle.»

Dass der Verband diese Meinung nicht teilt, zeigt der Aufruf zur Teilnahme an der Kundgebung vom 24. November: Unter dem Slogan «Luzern in der Sackgasse» organisiert die Luzerner Allianz für Lebensqualität eine Protestaktion gegen die Abbaumassnahmen.

Lehrerverbände, aber auch der Berufsverband der Pflegefachleute und Behindertenorganisationen wollen sich auf dem Luzerner Kornmarkt gegen den «Kahlschlag» in der Bildung, der Sicherheit oder dem Gesundheitswesen wehren. Sie hoffe auf eine grosse Teilnahme, auch wenn dies bisher oft nicht der Fall war, sagt Annamarie Bürkli. «Vielleicht aus Resignation, vielleicht aus Angst vor Sanktionen.» Wie Lehrer diese Rolle meistern, werde sich zeigen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.