Kanton Luzern
130 Millionen Franken: Von Gemeinden getragene Pflegekosten wachsen weiter

Die Zahl der älteren Luzernerinnen und Luzerner nimmt zu. Dies bedeutet auch höhere Kosten für die Luzerner Gemeinden.

Zéline Odermatt
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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Luzerner Spitex-Organisationen betreuen mehr betagte Personen ambulant als noch vor ein paar Jahren.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Luzerner Spitex-Organisationen betreuen mehr betagte Personen ambulant als noch vor ein paar Jahren.

Archivbild: Pius Amrein (Neuenkirch, 26. November 2019)

Die Schweiz altert. Das führt zu einer steigenden Zahl hochbetagter Menschen und mit ihnen komplexer werdende Krankheitsbilder und wachsende Pflegekosten. Dabei lassen sich betagte Menschen im Kanton Luzern vermehrt ambulant pflegen. «Der Trend vom stärkeren Wachstum der ambulanten Pflege wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Ältere Menschen möchten auch bei Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu Hause leben», sagt Edith Lang, Leiterin der kantonalen Dienststelle Soziales und Gesellschaft.

Aufwand wächst im ambulanten Bereich schneller

Im Jahr 2020 leisteten Spitex-Organisationen und selbstständige Pflegefachpersonen im Kanton Luzern bei insgesamt 12’447 Personen ambulante Pflege, Hauswirtschaftsunterstützung oder Sozialbetreuung, teilt Lustat Statistik Luzern mit. «Die Zahl der Klientinnen und Klienten hat gegenüber 2011 im Bereich der Pflege demnach um 56 Prozent zugenommen, jene in der Hauswirtschaft und Sozialbetreuung um rund 8 Prozent.»

Im 10-Jahres-Vergleich war zwischen 2011 und 2020 ein Kostenanstieg um 92 Prozent auf 111 Millionen Franken zu verzeichnen. Vor allem die Kosten der privaten Spitex-Anbieter sind im Zuge des Angebotsausbaus stark gewachsen, so Lustat.

So viele Personen lebten 2020 in Heimen

Anfang 2020 standen in den 68 Institutionen im Kanton Luzern für Pflege und Betreuung 5146 Plätze zur Verfügung. Ende 2020 lebten in diesen Institutionen 4697 Bewohner und Bewohnerinnen. Gegenüber 2019 betrug die Abnahme der neuen Eintritte ins Heim 9,6 Prozent. Eine mögliche Ursache könnte die Covid-19-Pandemie sein, so Lustat. Auch in den meisten anderen Zentralschweizer Kantonen sei ein Rückgang der Eintritte zu beobachten. Insgesamt nimmt der Anteil der Bevölkerung, der in einem Pflegeheim lebt, also ab.

Im stationären Bereich wuchsen die Kosten der Luzerner Pflegeheime im Vergleich zu 2011 um 20 Prozent auf 530 Millionen Franken an. Ein Aufenthaltstag im Heim kostete im vergangenen Jahr im Schnitt 301 Franken.

Gesamtkosten der ambulanten und stationären Dienste

in Millionen Franken
2011
2020
ambulantstationär0100200300400500

Die Gesamtkosten der Gemeinden steigen

Die Kosten der Pflege tragen neben Krankenversicherern und pflegebedürftigen Personen zu einem grossen Teil die Gemeinden. Sie wendeten im Jahr 2020 insgesamt 130,3 Millionen Franken auf; das sind 2,6 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. 2018 waren es noch 120 Millionen Franken.

Pflegekosten der Gemeinden

in Millionen Franken
020406080100120140201820192020

Die ambulanten Pflegekosten betrafen 35,1 Millionen Franken (2019: 29 Millionen Franken) und sind wie erwartet gestiegen. Die Gemeinden zahlten für ihre Einwohnerinnen und Einwohner in einem Heim hingegen 95,2 Millionen Franken, 2019 waren es noch 98,7 Millionen Franken.

Edith Lang sagt: «Die verrechneten Leistungsstunden sind von 2019 auf 2020 gesunken, was der Hauptgrund ist. Zudem ist der Anteil der Kosten, welche von Versicherern und Versicherten getragen werden, gestiegen. Dadurch sind die von den Gemeinden getragenen Kosten im Vergleich zum Vorjahr tiefer.»

Personalbedarf nicht gedeckt

Mit dem Wachstum der Anzahl pflegebedürftiger Menschen wird auch der Bedarf an qualifizierten Fachpersonen sowohl in der ambulanten als auch stationären Pflege weiter steigen. Lang sagt: «Zunehmend komplexere Krankheitsbilder und pflegerische Prozesse verlangen nach entsprechender Qualifikation des Personals, sodass in Zukunft die Nachfrage nach Pflegefachkräften mit einem Abschluss auf Tertiärstufe steigen wird.» Momentan sei dieser Bedarf nicht gedeckt, deshalb seien weitere Anstrengungen in der Ausbildung notwendig.