KANTON LUZERN: Bauern sollen Hochstammbäume besser pflegen

Der Bundesrat will die Pflegevorschriften für Hochstammbäume verschärfen. Dies bürdet Bauern viel Arbeit auf – sofern sie weiterhin Subventionen erhalten möchten.

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Urs Amrein, Obstbauer aus Hildisrieden, pflegt auf seinem Hof einen Hochstammbaum. (Bild: Corinne Glanzmann (Hildisrieden, 25. Februar 2017))

Urs Amrein, Obstbauer aus Hildisrieden, pflegt auf seinem Hof einen Hochstammbaum. (Bild: Corinne Glanzmann (Hildisrieden, 25. Februar 2017))

Noch blühen sie nicht, die Bäume, die derzeit vielerorts in Form gebracht werden. Dass Bauern ihre Obstgärten nicht dem Schicksal überlassen, ist ganz im Sinne des Bundesrats. Auf 2018 hin will er die Pflegevorschriften bei Hochstammbäumen gar verschärfen. Wer weiterhin jährlich 13.50 Franken pro Baum in der Qualitätsstufe I (siehe Kasten) erhalten will, muss Vorgaben erfüllen. So muss der Baum unter anderem geschnitten und das Gras ringsherum gemäht werden. Jungbäume sollen über einen Stammschutz verfügen, Mäuse müssen bekämpft und die Gefahr für Feuerbrand eingedämmt werden. 

Die neuen Regeln dürften nicht überall auf Gegenliebe stossen: «Schweizweit müssen sich 30 000 Bauernfamilien fragen, ob die über 2,2 Millionen Hochstammbäume, die sie für die Qualitätsstufe I angemeldet haben, den Kriterien genügen», schrieb der «Schweizer Bauer» kürzlich. Ein Berner Landwirt äussert gar die Befürchtung, «dass wegen dieser Regelung schweizweit Tausende Hochstämmer der Motorsäge zum Opfer fallen».

Luzerner Exponenten begrüssen Verschärfung

Dass bald reihenweise Hochstammbäume gerodet werden, sei unwahrscheinlich, sagt Beat Felder, beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain für Spezialkulturen zuständig: «Hinter solchen Aussagen steckt viel Polemik. Die Leute haben Angst vor Veränderungen, schliesslich geht es um sehr viel Geld.» Aus fachlicher Sicht sei die Verschärfung richtig. «Ein Baum kann nur gross und alt werden, wenn er auch gepflegt wird.» 

Ein Grossteil der Luzerner Obstbauern dürfte diese Ansicht teilen: Denn über die Hälfte der 270 000 Hochstammbäume im Kanton erfüllen bereits die Qualitätsstufen I und II. Felder vermutet daher, dass «die grossen Kritiker der Vorlage» aus Gebieten stammen «mit sehr tiefen Anteilen an Bäumen, welche die Qualitätsstufe II erfüllen». Für Bäume, die beide Qualitätsstufen erreichen, bekommt ein Bauer 45 Franken. «Dafür darf der Bund auch etwas verlangen», sagt Felder. Gleich sieht es Urs Amrein, Obstbauer aus Hildisrieden mit 500 Hochstammbäumen und Vorstandsmitglied beim Verein Hochstamm Suisse: «Ich befürworte die Verschärfung. Bauern, die nicht zu ihren Bäumen schauen, sollten nicht mit Direktzahlungen belohnt werden.»

Die strengeren Vorgaben sind Teil der Direktzahlungsverordnung, die noch bis Mai in der Vernehmlassung ist. Mit der Pflege von Hochstamm-Feldobstbäumen werde «die Baumgesundheit und -entwicklung unterstützt und das Risiko für die Übertragung von Pflanzenkrankheiten» reduziert, schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft. 

«Direktzahlungsbäume sind unerwünscht»

Mit der Anpassung will der Bund zudem verhindern, dass Beiträge für «ungepflegte, schlecht wachsende Bäume» entrichtet werden. «Das Potenzial vernachlässigter Bäume ist im Kanton Luzern vorhanden», sagt Urs Amrein. Solche «Direktzahlungsbäume» seien für die Branche unerwünscht und würden «produktionstechnisch, landschaftlich und ökologisch» nicht den gewünschten Effekt erbringen. Auch Beat Felder sagt: «Schwarze Schafe gibt es immer.» 

Um die Kontrollen zu vollziehen, schlägt das Bundesamt für Landwirtschaft eine Checkliste vor. «Nach meinem Sachverstand sollten Pflege und Kontrolle ohne viel Mehraufwand zu bewältigen sein», sagt Felder. Er hofft, dass die Vorlage so umgesetzt wird. «Wenn die nötige Pflege vorhanden ist, stimmt auch der Ertrag.» Die kürzliche Hochstammtagung habe gezeigt, dass die Rohstoffe nicht mehr im Überfluss vorhanden seien. Um die Versorgung sicherzustellen, liege bei Mostäpfeln kein schwaches Erntejahr mehr drin. Etwas entspannter sei die Situation noch bei den Birnbäumen. «Solche hätte es genug, aber sie müssten besser gepflegt und geerntet werden.» 

Der Schweizer Obstverband unterstützt laut Landwirtschaftlichem Informationsdienst die Änderungen. Noch nicht auf die Äste hinauslassen will sich Markus Thali, Präsident des Luzerner Obstbauvereins. «Ich muss die Unterlagen erst noch studieren.» Auch er ist der Meinung, «die grosse Mehrheit» schaue gut zu den Hochstammbäumen. «Aber es gibt immer solche, die die Beiträge ausnutzen. Wenn die Hürden dafür höher werden, steigt das Risiko, dass Bauern die Bäume sich selbst überlassen.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch