Kanton Luzern beendet Leistungsauftrag mit SAH im Flüchtlingswesen – 22 Personen verlieren Stelle

Der Kanton Luzern beendet nach 18 Jahren die Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz, das von ihm bislang Dienstleistungen im Asylwesen übernommen hatte. 22 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

Fabienne Mühlemann
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Im Rahmen der Umsetzung der Integrationsagenda Schweiz beendet der Kanton Luzern die Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz. Der jetzige Vertrag, der per Ende 2020 ausläuft, wird nicht verlängert. Seit 2002 war das SAH vom Gesundheits- und Sozialdepartement des Kanton Luzern (GSD) mit der beruflichen Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen im Alter von 21 bis 46 Jahren beauftragt. Das heisst, sie begleiteten Flüchtlinge zum Beispiel bei der Suche nach einem Praktikum oder Job oder sie machten Vorschläge, welche Sprachkenntnisse die Person noch erwerben sollte. Im letzten Jahr vermittelte das SAH im Kanton Luzern 425 Stellen an Flüchtlinge.

Beat Däppeler, Präsident des SAH Zentralschweiz, zeigt sich enttäuscht über den Entscheid: «Wir haben erwartet, dass das GSD weiter von der ausgewiesenen Erfahrung unserer Organisation profitieren möchte.» Der Entscheid hat schwerwiegende Folgen für das Unternehmen: 22 Mitarbeiter werden per Ende Jahr ihre Stelle verlieren.

Das steckt hinter der Integrationsagenda

Damit Flüchtlinge besser Arbeit finden, mehr Kontakt mit Schweizern knüpfen und weniger von der Sozialhilfe abhängig sind, wurde im März 2019 auf Bundesebene das beschleunigte Verfahren eingeführt. Bund und Kantone wollen anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen schneller in die Arbeitswelt integrieren. Die sogenannte Integrationsagenda verfolgt einen für alle Akteure verbindlichen Integrationsprozess. Von den Kantonen wird eine durchgehende Fallführung erwartet, um Brüche in der Zuständigkeit zu vermeiden und Kontinuität zu gewährleisten. Das bedeutet, dass nur eine Instanz für die Integration eines Flüchtlings zuständig ist. So werden früher als bis anhin Standortbestimmungen im Bereich Sprache gemacht oder Grundfähigkeiten getestet, um zum Beispiel den passenden Beruf für die Person zu finden. (fmü)

Entscheid ist laut Kanton keine Sparmassnahme

Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, sagt zum Entscheid: «Der bisherige Integrationsprozess im Asyl- und Flüchtlingsbereich war geprägt von wechselnden Zuständigkeiten. Die Integrationsagenda aber verlangt, dass der Integrationsprozess aus einer Hand sichergestellt wird.» Aus diesem Grund hat der Kanton entschieden, den gesamten Integrationsprozess selber zu steuern. Damit hat er auch die Möglichkeit, die Kosten zu beeinflussen.

«Es geht bei diesem Entscheid nicht darum, bei der Integration zu sparen»

, so Bolliger. Die Integrationsmassnahmen würden intensiviert und insgesamt stünden mit der Erhöhung der Integrationspauschale durch den Bund mehr Mittel zur Verfügung. «Der Entscheid ist keine Sparmassnahme.»

Aus Sicht von Beat Däppeler vom SAH Zentralschweiz wäre eine Zusammenarbeit auch im Rahmen der Integrationsagenda möglich gewesen. Denn auch andere Kantone würden weiterhin auf ihre bisherigen Partner zurückgreifen. «Wir haben unsere Bereitschaft stets signalisiert, zusammen nach Lösungen zu suchen und haben Vorschläge eingebracht», sagt Däppeler.

Bei einigen Dienstleistungen sucht die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen weiterhin die Zusammenarbeit mit externen Anbietern. Es handelt sich dabei um die Bereiche Jobcoaching, Praxis-Assessment und Bewerbungskurse. Von Gesetzes wegen werden diese im zweiten Quartal 2020 öffentlich ausgeschrieben. Auch das SAH Zentralschweiz wird sich darauf bewerben. Däppeler hofft, dass dadurch vier bis fünf seiner Angestellten doch noch weiterbeschäftigt werden können.

Ähnlicher Fall mit Caritas

Schon vor zwei Wochen hat der Kanton Luzern bekannt gegeben, dass er eine Leistungsvereinbarung mit der Caritas Luzern beim Programm Schule & Jobtraining vorzeitig per 31. Juli 2020 auflöst. Grund: Caritas kann das Angebot aufgrund der stetig sinkenden Teilnehmerzahlen nicht kostendeckend führen. Fünf Personen verlieren ihre Stelle. Sind in unmittelbarer Zukunft noch weitere Kooperationen in Gefahr? Silvia Bolliger sagt: «Es sollte keine gravierenden Veränderungen in Bezug auf Zusammenarbeiten mehr geben.»

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