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KANTON LUZERN: Bettler fordern Pfarreien zunehmend

Immer mehr Pfarrhäuser werden von Betteltouristen systematisch aufgesucht. Einige Pfarreien sprechen gar von Belästigung.
Roseline Troxler
Bettler ziehen von Pfarrei zu Pfarrei (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Bettler ziehen von Pfarrei zu Pfarrei (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Die Kirche nimmt sich aller Bedürftigen an, beherbergt Fremde und speist Hungrige. Das Gleichnis des barmherzigen Samariters, der sich um einen Not leidenden Mann kümmert, ist zentral in der Bibel, Barmherzigkeit ein Grundsatz der Kirchen.

Doch oft wollen Bedürftige keine Herberge oder eine Mahlzeit, sondern fordern Geld, wie eine Umfrage bei Luzerner Kirchgemeinden zeigt. Klingeln Bedürftige an den Pfarrhaustüren, handhaben dies die Kirchgemeinden unterschiedlich. Gewisse Pfarreien haben genaue Richtlinien zur Passantenhilfe, wie die Kirche die Hilfe für Bedürftige beschreibt, andere entscheiden spontan, wer Hilfe erhalten soll. Selten wird Geld abgegeben, wie die Pfarreien betonen, und wenn, dann meist zwischen 10 und 20 Franken.

«Haben vermehrt Anfragen»

Vikar Bruno Oegerli vom katholischen Pfarramt St. Stephan in Beromünster erzählt, dass in seiner Gemeinde sehr viele Hilfesuchende anklopfen. «In den letzten Monaten haben wir vermehrt Anfragen, vor allem von Sinti und Roma.» Mehrmals pro Woche würden Bedürftige vorbeikommen. Die Pfarrei gibt je nach Anfrage Gutscheine oder Geld ab. «In Härtefällen gehen wir manchmal mit den Hilfesuchenden direkt einkaufen.»

Vor kurzem sei eine Mutter mit zwei Kindern vorbeigekommen, die nach Pampers für die Kleinen gefragt habe, erzählt Oegerli. Da habe er sie in einen Laden begleitet, und weil die Frau über Schmerzen im Arm klagte, habe er ihr in einer Apotheke noch eine Salbe gekauft. «Wir handhaben die Anfragen unterschiedlich und suchen immer zuerst das Gespräch mit den Hilfesuchenden», sagt Oegerli. Bei Drogensüchtigen werde kein Geld, sondern Gutscheine und Essensbons abgegeben – etwa für die Gassenchuchi.

Geld aus der Antoniuskasse

Laut Oegerli wird die Passantenhilfe aufwendiger: «Teils werden wir auch belästigt, und die Bittsteller sind nicht zufrieden mit der Höhe des Beitrags, den wir ihnen abgegeben.» Das Geld für die Passantenhilfe kommt in Beromünster wie in vielen Gemeinden aus der Antoniuskasse für Menschen in Not. Diese ist benannt nach dem heiligen Antonius von Padua, der als Patron der Armen verehrt wird. Trotz negativer Seiten betont Oegerli, dass nicht alle, die Hilfe suchen, Geld fordern. «Selten, aber es kommt immer wieder vor, dass Hilfesuchende nur ein Gespräch wünschen. Dies ist meist bei psychisch angeschlagenen Personen der Fall.»

Das Bistum Basel bietet den Pfarreien den Leitfaden «Passantenhilfe». Im 16-seitigen Papier heisst es: «Erfahrungen und Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen, die (...) an die Pfarrhaustüre klopfen, Menschen mit psychischen und sozialen Problemen sind.» Oftmals würden sie in Süchte flüchten. Das Bistum empfiehlt den Pfarreien etwa klare Absprachen unter den Mitarbeitenden zum Umgang mit Passanten, das Anlegen einer Kartei und eine Kasse mit Buchführung bei Geldzahlungen.

Im Sommer sind es oft Fahrende

In Rothenburg gibt es pro Woche im Durchschnitt zwei bis drei Anfragen. David Rüegsegger, Gemeindeleiter der Pfarrei St. Barbara, sagt: «Vor allem vor Festtagen kommen mehr Bedürftige vorbei. Zudem erhalten wir in den Sommermonaten mehr Anfragen von Fahrenden oder rumänischen Musikanten.» 50 Prozent der Anfragen stammen von Menschen aus der Region, so der Gemeindeleiter. «Bei regionalen Anfragen versuchen wir, eher mal eine Rechnung zu bezahlen, statt Geld oder Gutscheine abzugeben.»

Sie ziehen von Pfarrei zu Pfarrei

Die Mitarbeiter der Pfarrei in Rothenburg kopieren bei jeder Anfrage den Ausweis der Hilfesuchenden, sagt Rüegsegger. «Damit wollen wir verhindern, dass gewisse Bittsteller zu regelmässig vorbeikommen.» Denn laut David Rüegsegger gehen gewisse Fahrende systematisch als Betteltouristen von Pfarrhaus- zu Pfarrhaustür. «Sie können an der Tür auch mal rabiat und verbal ausfällig reagieren, wenn wir kein Bargeld abgeben.» Zudem seien sie sehr gut vernetzt. «Es spricht sich herum, wenn ein Pfarramt besonders grosszügig ist.»

Solche Erfahrungen machen mehrere Angestellte der hiesigen Kirchgemeinden, wie auch eine Umfrage im Pfarreiblatt Nr. 10. der römisch-katholischen Kirche im Kanton Luzern zeigt. So nehme die Zahl der Bettler zu – vor allem aus dem Osten. Ein Kloster, das nicht genannt werden will, sagt ausserdem, dass die Bettler «aggressiver» werden. Pastoralraumleiter Romeo Zanini in Horw sagt gegenüber dem Pfarreiblatt, dass er schon zweimal angegriffen worden sei, als er eine Unterstützung ablehnte. Und in Schüpfheim stellt man fest, dass bei den Bettlern «die meisten Geschichten erfunden sind».

Restriktiv – Nachfrage sinkt

Die Gemeinde Eschenbach erhält inzwischen weniger Anfragen. Pfarreisekretärin Rosmarie Meyer erklärt: «Seit einigen Jahren sind wir restriktiv und geben grundsätzlich kein Geld an der Tür ab.» Seither hätte die Anzahl Hilfesuchender stark nachgelassen. «Im Schnitt klingeln bei uns pro Monat zwei Personen an der Pfarrhaustür», sagt Meyer. Wenn jemand um Hilfe bittet, verweist sie zunächst an den Pfarreileiter, der dann das Gespräch mit dem Bedürftigen sucht.

Zwei Anfragen im Monat, das ist auch im Pfarramt Hitzkirch so. Laut Pia Wagner vom Pfarramt St. Pankratius werden an der Tür Coop-Gutscheine von 20 Franken, Lebensmittel oder Kleider, aber niemals Bargeld abgegeben. Wagner: «Die Bittsteller kommen vor allem aus Osteuropa und Portugal.»

In Emmen haben die Anfragen bei der Pfarrei Bruder Klaus ebenfalls abgenommen, nachdem vor einigen Jahren eine kirchliche Sozialberatungsstelle eingerichtet wurde.

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