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KANTON LUZERN: Borkenkäfer zwingt Waldbesitzer zum Griff in den Giftschrank

In höher gelegenen Gebieten muss das Sturmholz rasch beseitigt werden, denn der warme April hat die Vermehrung des Borkenkäfers begünstigt. Ein anderer Käfer zwingt Waldbesitzer zum Griff in den Giftschrank.
Susanne Balli
Sturm «Burglind» hat im Wald eines Bauern aus Lieli grossen Schaden angerichtet. (Bild: Pius Amrein (8. Januar 2018))

Sturm «Burglind» hat im Wald eines Bauern aus Lieli grossen Schaden angerichtet. (Bild: Pius Amrein (8. Januar 2018))

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Sonnenhungrige haben sich über das schöne und ausserordentlich warme Wetter der vergangenen Wochen gefreut. Andere haben daran gar keine Freude: Dazu gehören die Luzerner Waldbesitzer. «Wir stehen wegen des Borkenkäfers massiv unter Druck, das Fichten-Sturmholz der Winterstürme Burglind und Evi aus dem Wald zu holen. Und dasjenige, das im Wald bleibt, muss entrindet werden», sagt Ruedi Gerber, Präsident von Wald Luzern, der Vereinigung der Luzerner Waldeigentümer. Begünstigt durch warmes Wetter könne sich der Borkenkäfer (Buchdrucker) stark vermehren (siehe Kasten). Die Situation sei angespannt. «Zum Teil sieht man die Käfer jetzt schon fliegen. Sie gehen nun in die Fichten rein.»

Während das Sturmholz in den unteren Lagen weitgehend weggeräumt werden konnte, stehen nun die Aufräumarbeiten in den Waldgebieten in höheren Lagen an. Doch diese Aufgabe ist für viele Waldbesitzer kaum zu bewältigen. Dies bestätigt Lukas Balmer, Förster und Geschäftsführer der Waldgenossenschaft oberes Entlebuch. «Unser grösstes Problem ist momentan, genügend Leute in den Wald holen zu können, um das Sturmholz zu räumen.»

«Täglich wird mehr Sturmholz entdeckt»

Erst im Verlauf der letzten Wochen konnten diverse Waldgebiete in höheren Lagen begutachtet werden. Zuvor verhinderte Schnee den Zugang. Aber auch jetzt seien viele Waldstücke nur sehr schwer zugänglich, das Gelände unwegsam und schlecht erschlossen. «Man muss zum Teil lange gehen, bis man die Wälder erreicht. Und unsere Waldflächen sind zudem sehr verstreut. Das ist Knochenarbeit», sagt Balmer. Darum sei das tatsächliche Schadenausmass durch die Winterstürme zum Teil noch unklar. «Täglich wird mehr Sturmholz entdeckt, das rasch aus dem Wald geholt oder entrindet werden müsste.» Zudem wären wegen des Borkenkäfers laut Balmer engmaschige Kontrollgänge notwendig. «Von den personellen und finanziellen Ressourcen her stossen wir an Grenzen.»

Balmer geht davon aus, dass die 5 Millionen Franken, die der Bund und der Kanton für die Behebung der Schäden im Schutzwald des Kantons Luzern gemeinsam aufbringen (Ausgabe vom 13. April), möglicherweise nicht genügen werden. «Es kommen ja auch noch Folgeschäden durch den Borkenkäfer hinzu.»

Was den Waldbesitzern derzeit eben so grosse Sorgen bereitet wie der Borkenkäfer, ist ein weiterer Schädling mit dem lateinischen Namen Lineatus. Zu Deutsch heisst er Nutzholzbohrer oder Nutzholzborkenkäfer. Im Gegensatz zum Buchdrucker-Borkenkäfer befällt der Lineatus vor allem aufgerüstetes Nutzholz, das im Wald gelagert wird, und dringt ins Holz hinein. Dadurch verliert dieses bedeutend an Wert, besonders was die optische Qualität anbelangt. «Derzeit ist schätzungsweise knapp 10 000 Kubikmeter Nutzholz noch auf wertvollem Kulturland und im Wald des oberen Entlebuchs gelagert, weil die Sägereien keine Kapazitäten haben, um das Holz anzunehmen», erklärt Balmer. Dies kenne man von anderen Jahren her so nicht, normalerweise werde das meiste Holz –vor allem jenes, das auf dem Kulturland liege – in die Sägereien abgeführt.

Ein grosser Teil des Holzes muss behandelt werden

Um das Nutzholz vor dem Befall zu schützen, muss es mit Insektiziden behandelt werden. «Etwa 30 Prozent des Holzes, das nun angefallen ist, muss direkt im Wald gespritzt werden», sagt Balmer. Das sei personell wie finanziell ein grosser Aufwand. Das Holz zu behandeln koste 3 bis 4 Franken pro Kubikmeter.

Dazu kommt: Der Spritzmittel-Einsatz ist nicht unproblematisch. In der Schweiz sind wenige Insektizide zugelassen, um das Holz im Wald zu schützen. Für deren Einsatz braucht es allerdings eine Anwendungsbewilligung durch den Kanton. Zudem dürfen nur speziell ausgebildete Personen, die eine Prüfung für eine Fachbewilligung abgelegt haben, das Spritzmittel anbringen. So müssen beispielsweise Grundwasserschutzzonen, Zonen entlang von Bächen und Biolandbau geschützt werden. Denn das Insektizid ist für Lebewesen im und am Wasser und auch für Bienen schädlich. «Wir müssen Ende Jahr genau Rechenschaft darüber ablegen, wie viel Insektizid eingesetzt wurde, damit wir auch die FSC-Zertifizierung erhalten», sagt Lukas Balmer von der Waldgenossenschaft oberes Entlebuch.

Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald, bestätigt auf Anfrage, dass beim Kanton heuer viele Anwendungsbewilligungen für den Einsatz von Insektizid für den Schutz des Nutzholzes beantragt wurden. «Normalerweise sind diese Mittel nicht so stark im Einsatz.» Doch weil die Lagerkapazitäten der Sägereien ausgeschöpft seien, komme es nun zu dieser Ausnahmesituation. Röösli sagt aber auch: «Wird das Spritzmittel korrekt angewendet, bestehen keine Risiken für die Umwelt.»

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