Pandemie
Der Kanton Luzern dehnt das Testen in den Betrieben massiv aus und will künftig auch in den Arztpraxen impfen

Wöchentlich stehen im Kanton Luzern 200'000 PCR-Speicheltests für das präventive Testen zur Verfügung. Interessierte Betriebe können sich anmelden. Auch beim Impfen soll es nun vorwärtsgehen.

Roseline Troxler
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Diese Woche warten der Kanton Luzern sowie der Bund gleich mit mehreren Neuerungen auf. Die wichtigsten Änderungen:

  • Seit Dienstag können sich Luzerner Betriebe und Institutionen für repetitive, präventive Tests anmelden.
  • Seit Dienstag ist eine Anmeldung für das Impfzentrum Willisau möglich. 
  • Gratis-Selbsttests sind ab Mittwoch in den Luzerner Apotheken erhältlich.
  • Ab dem 26. April soll das Impfen auch in ausgewählten Arztpraxen möglich sein. 

Grosse Impflieferungen erwartet

26'866 Personen im Kanton Luzern haben bisher zwei Coronaimpfungen erhalten. Das entspricht 6,5 Prozent der Bevölkerung. 98'000 Luzernerinnen und Luzerner sind für einen Impftermin registriert, davon haben 63'000 noch keinen Termin, wie es bei der Dienststelle Gesundheit und Sport heisst. Dienststellenleiter David Dürr stellt aber in Aussicht:

«Diesen Monat erwarten wir mehrere Lieferungen von Pfizer-Biontech. Es handelt sich dabei um rund 31'000 Impfdosen.»

Im Mai und Juni sollen dann grössere Mengen von Moderna folgen. «Die Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs könnte grundsätzlich jederzeit erfolgen und hätte natürlich einen grossen Einfluss auf unsere Impfkampagne.»

Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums auf der Luzerner Allmend bereitet eine Impfspritze vor.

Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums auf der Luzerner Allmend bereitet eine Impfspritze vor.

Dominik Wunderli (Luzern, 13. März 2021)

Anmeldung für das Impfzentrum Willisau möglich

Da nun grössere Impflieferungen erwartet werden, will der Kanton Luzern am 26. April das Impfzentrum Willisau in Betrieb nehmen – fast drei Monate später als ursprünglich geplant. In den 16 Impfkabinen sollen pro Tag bei einem Einschichtbetrieb insgesamt 1500 Impfungen erfolgen. Wie das Impfzentrum in Luzern wird auch jenes in Willisau vom kantonalen Führungsstab betrieben.

Eine Anmeldung für das Impfzentrum Willisau ist bereits jetzt möglich. Ausserdem kann man sich auch gleichzeitig für beide Zentren anmelden. «Wer diese Option wählt, wird für die Impfung an demjenigen Standort aufgeboten, an dem eher ein Termin frei ist», heisst es beim Kanton. Anders ist es bei Personen, die sich bereits für Luzern angemeldet haben, nun aber lieber in Willisau geimpft werden möchten. Sie können sich über den erhaltenen SMS-Link zwar abmelden und neu für das Impfzentrum Willisau anmelden. Aber aufgepasst: In diesem Fall verliert man die bisherige Position in der Warteschlaufe und wird neu in die Warteschlaufe für Willisau aufgenommen. Dies schreibt der Kanton Luzern in der Mitteilung. David Dürr führt dies auf die Software des Bundes zurück.

Erste Arztpraxen sollen ab dem 26. April impfen

Nun holt der Kanton Luzern auch Hausärzte für die Impfkampagne ins Boot. Ausgewählte Arztpraxen sollen ab dem 26. April mit den Coronaimpfungen beginnen. Rund 90 Hausarztpraxen und Spezialarztpraxen haben sich bei einer Umfrage vor kurzem bereit erklärt, Covid-19-Impfungen durchzuführen, wie es bei der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern heisst. David Dürr führt aus:

«Zuerst sollen Praxen mit einer gewissen Grösse berücksichtigt werden, welche sich nicht in der Umgebung der Impfzentren befinden.»

Der Dienststellenleiter rechnet damit, dass die Bereitschaft der Hausärzte noch steigen wird, wenn der Astrazeneca Impfstoff zugelassen wird, «weil dessen Lagerung einfacher ist». Im Verlauf des Monats Mai sollen dann weitere Arztpraxen und auch Apotheken folgen. Die Anmeldung für eine Impfung in einer Arztpraxis oder bei einer Apotheke erfolgt im Gegensatz zu den Impfzentren nicht über die kantonale Website. Auch für die Impfungen beim Hausarzt gilt laut Kanton die Priorisierungsliste des Bundes. Derzeit werden im Kanton Luzern Personen über 75 Jahren sowie chronisch Kranke mit höchstem Risiko für einen schweren Verlauf geimpft. «Zwischenzeitlich haben die allermeisten Personen dieser Gruppen zumindest einen Impftermin erhalten», so David Dürr.

Mit dem Betriebsstart des Impfzentrums in Willisau und in ausgewählten Hausarztpraxen sollen ab Ende April täglich 4000 bis 5000 Personen geimpft werden können. «Mit einem Zweischichtbetrieb und Impfungen an allen Wochentagen könnte die Kapazität aber noch deutlich erhöht werden», erklärt Dürr. Ausserdem verfügt auch das Luzerner Kantonsspital über eine mögliche Impfkapazität von bis zu 1000 Personen pro Tag. «Nach wie vor ist aber die beschränkte Liefermenge der limitierende Faktor», erklärt der Dienststellenleiter.

Kanton hat zusätzliche Selbsttest gekauft

Erhöht werden soll nicht nur die Impfkapazität, sondern auch jene beim Testen. Ab Mittwoch können in den Apotheken Antigen-Selbsttests bezogen werden. Pro Monat stehen jeder Privatperson fünf Selbsttests kostenlos zu. Für den Bezug muss die Krankenkassenkarte vorgewiesen werden. Bezieht eine Person mehr als fünf Tests pro Monat werden diese in Rechnung gestellt. Die Apotheken rechnen mit einer grossen Nachfrage. Kantonsapotheker Stephan Luterbacher sagt auf Anfrage: «Wir haben versucht, uns bestmöglich auf den Andrang vorzubereiten. Alle 32 Apotheken im Kanton Luzern verfügen über Antigen-Selbsttests.» Zudem habe der Kanton Luzern weitere Tests gekauft, die er in oder in Zusammenarbeit mit sechs Apotheken im Kanton Luzern verteilt. «Damit stehen im Kanton Luzern derzeit zwischen 200'000 und 250'000 Antigen-Selbsttests zur Verfügung», sagt Luterbacher. Er appelliert an die Bevölkerung, möglichst noch nicht am ersten Tag Selbsttests zu beziehen, um einen Ansturm in den Apotheken zu vermeiden.

Tests in den Betrieben werden ausgedehnt

Seit Dienstag können sich nun alle Luzerner Betriebe und Institutionen für präventive, repetitive Tests anmelden. Zuvor war ein Pilotbetrieb in mehreren Unternehmen durchgeführt worden. «Das Interesse bei den Firmen ist gross», sagt David Dürr. Laut dem Dienststellenleiter hat sich der Kanton Luzern ein wöchentliches Kontingent von 200'000 PCR-Speicheltests gesichert. Damit könnte pro Woche die Hälfte der Luzerner Bevölkerung getestet werden. Das Ziel ist es laut Dürr mit den Tests asymptomatische Personen zu ermitteln.

«Es sollen damit Leute getestet werden, welche im Unternehmen arbeiten müssen oder Kundenkontakt haben. Die Homeofficepflicht bleibt weiterhin bestehen.»

Die Firmen können laut Kanton wählen, ob sie PCR-Speicheltests oder Antigen-Schnelltests durchführen möchten, wobei der Bund die PCR-Speicheltests aufgrund der einfacheren Handhabung und grösseren Zuverlässigkeit bevorzuge. Für die Schnelltests braucht es vor Ort nämlich eine medizinisch ausgebildete Fachperson, welche die Tests im Auftrag des Unternehmens ausführt. Abgesehen vom Arbeitsaufwand sowie den möglichen Kosten für die medizinische Fachperson sind beide Tests für die Unternehmen kostenlos. Für die Mitarbeitenden sind die Tests freiwillig.

Beim PCR-Speicheltest werden jeweils vier bis zehn Proben zusammengemischt und dann gepoolt analysiert. Ist eine gepoolte Probe positiv, werden die Personen dieser Gruppe kontaktiert und noch einmal getestet. Bei einem positiven Ergebnis wird automatisch das kantonale Contact-Tracing informiert.

Gegenüber dem Pilotbetrieb wurden bei der Logistik und der Software grosse Verbesserungen erzielt, so David Dürr. «Die Tests können neu durch die Post geliefert und auch wieder zurückgeschickt werden.» Ausserdem stehe den Betrieben neu die Plattform «Together We Test» der Hirslanden-Gruppe zur Verfügung. Zu Bedenken betreffend Datenschutz meint Dürr:

«Sowohl der Datenschützer des Kantons Luzern wie auch jener des Kantons Zürich haben die Plattform geprüft und für gut befunden.»

Durch die Anpassungen können laut Kanton deutlich mehr Personen regelmässig getestet werden. Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf meint zum Testen: «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass sich möglichst viele Luzerner Betriebe und Institutionen an diesen präventiven, repetitiven Tests beteiligen. Dennoch ersetzen sie nicht die konsequente Umsetzung der Schutzkonzepte.»