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KANTON LUZERN: Dringend gesucht: Nachwuchs bei der Spitex

Ein Anreizsystem in der Pflege hat die Zahl der Ausbildungsplätze zwar erhöht. Doch erreichen vor allem die Spitexbetriebe die geforderten Plätze bei weitem nicht. Und der Bedarf wurde gar noch nach oben korrigiert.
Roseline Troxler
Eine Spitex-Pflegerin misst bei einer älteren Frau zu Hause den Blutzuckerwert. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Eine Spitex-Pflegerin misst bei einer älteren Frau zu Hause den Blutzuckerwert. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Ausbildungen im Gesundheitsbereich erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Dennoch sehen die Aussichten nicht rosig aus: Die Zahl der Abschlüsse in der Pflege und der Betreuung entspricht nur gut der Hälfte des erwarteten Bedarfs bis ins Jahr 2025. Dies geht aus dem nationalen Versorgungsbericht für die Gesundheitsberufe von 2016 hervor.

Der Handlungsbedarf ist auch im Kanton Luzern gross. Dies verdeutlicht der Bericht «Versorgungsplanung Langzeitpflege», welchen der Kanton diese Woche präsentierte. Zwar konnte die Anzahl Ausbildungsplätze in Pflegeheimen und Spitexbetrieben erhöht werden, seit 2013 ein Bonus-Malus-System eingeführt wurde. Doch vor allem die Spitex bildet viel weniger aus als gefordert. Mit der Ausbildungsverpflichtung müssen Betriebe, die zu wenig Nachwuchs schulen, einen Malus bezahlen – pro fehlenden Platz je nach Ausbildung 4000 bis 8000 Franken. Wer mehr ausbildet als vorgeschrieben, erhält einen Bonus. 2017 wurden 25 Spitexbetriebe mit einem Bonus belohnt, 23 mussten eine Strafzahlung leisten. Bei den Pflegeheimen erhielten 52 einen Bonus, für 10 gab es einen Malus.

Jolanda Achermann Sen, Stadträtin von Sursee, präsidiert die Kommission zur Förderung der Ausbildung in der Langzeitpflege. Sie sagt: «Mit der Ausbildungsverpflichtung gab es klar eine Steigerung der Ausbildungsplätze. Es müssen aber noch deutlich mehr Plätze geschaffen werden.» Das Luzerner Beratungsunternehmen Interface führt derzeit eine Evaluation der Ausbildungsverpflichtung durch. Zu den Zwischenergebnissen sagt Achermann: «Die Pflegeheime sind gute Ausbildner. Für die Spitexorganisationen ist das System eine grössere Herausforderung.» Es gibt ­starke Vorbehalte, dass die geforderten Plätze geschaffen werden können. Die Spitex habe aufgrund häufig kleiner Betriebsgrössen, der Distanzen zu den Kunden und der oftmals komplexen Fälle Schwierigkeiten, Nachwuchs auszubilden. «Lernende können bei einem schwierigen Fall nicht allein zu einem Klienten geschickt werden.»

Bis 2020 müssen die Pflegeheime 394 Plätze anbieten, bei der Spitex sind es 174. Um keinen Malus zu erhalten, mussten die geforderten Plätze bisher erst zu 50 Prozent angeboten werden. Nun liegt die Erfüllungspflicht allerdings bei 75 Prozent. 2020 wird sie dann auf 100 Prozent erhöht.

Innerhalb von drei Jahren um 60 Prozent gesteigert

Obwohl noch viele Plätze fehlen, sagt Peter Schärli, der den Kantonalverband der Spitex Luzern präsidiert: «Viele Betriebe bilden heute Fachpersonal aus, die ohne Verpflichtung kaum ausgebildet hätten.» Die Ausbildungsplätze in der gemeinnützigen Spitex seien innerhalb von drei Jahren um 60 Prozent gewachsen. «Das ist sehr erfreulich.» Schärli weiss aber auch, weshalb es vielerorts noch hapert – vor allem bei kleineren Organisationen. «Sie müssen eine Bildungsfachperson anstellen oder eine interne Mitarbeiterin ausbilden, was mit einem zusätzlichen finanziellen Aufwand verbunden ist.» Ausserdem sei das Einzugsgebiet oftmals zu klein, um das geforderte Behandlungsspektrum anbieten zu können. Peter Schärli äussert auch Kritik: «Das vorgegebene Soll für die Ausbildungsplätze bei der Höheren Fachschule erachten wir als zu hoch.» Es sei schwierig, hierfür Studenten zu finden.

Pflegeheime auf Tertiärstufe im Rückstand

Roger Wicki ist Präsident des Verbands Curaviva der Luzerner Pflegeheime. Bei den Fachleuten Gesundheit (Fage) und Betreuung (Fabe) zieht er ein positives Fazit. So wurden deutlich mehr ausgebildet als vorgeschrieben – nämlich 453 statt 195 Personen. Bei den Studenten der Höheren Fachschule oder Fachhochschule aber sind auch die Heime noch im Rückstand. Wicki: «Hier braucht es noch mehr Anstrengungen.» So sollen Pflegeheime vermehrt auf Ausbildungsverbünde setzen. Als Beispiel nennt er das Haus für Pflege und Betreuung Seeblick in Sursee, das er leitet. Dieses arbeitet bei der Ausbildung mit dem Wohn- und Pflegezentrum Lippenrüti in Neuenkirch zusammen. Wicki weiss, dass auch andere Institutionen Ausbildungsverbünde untereinander oder mit Spitälern eingegangen sind. Damit auf Tertiärstufe noch mehr ausgebildet wird, bieten der Verband und das Gesundheitszentrum «Xund Bildung Gesundheit Zentralschweiz» ab Herbst 2018 jährlich vier Ausbildungsstarts an. «Das erhöht den Spielraum für die Ausbildungsbetriebe.» Einen positiven Effekt erwartet Wicki auch vom neuen Bildungszentrum, das im Herbst 2019 beim Luzerner Kantonsspital bezugsbereit sein soll. Obwohl mehr Fachleute Gesundheit ausgebildet werden, sagt Wicki: «Wir wollen diesen Stand halten. Denn viele Fage wechseln nach Abschluss der Ausbildung in die Spitäler.» Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Schweizerischen Observatoriums für die Berufsbildung hat ausserdem ergeben, dass 20 Prozent der Lehrabsolventen fünf Jahre nach dem Abschluss nicht mehr in der Gesundheitsbranche arbeiten.

Nicht zufrieden sind die privaten Spitexorganisationen. Marcel Durst, Geschäftsführer der Association Spitex privée Suisse, sagt: «Wir erachten das Luzerner System nicht als geeignet. Wichtig erscheint uns, dass die Spitex und Pflegeheime nicht getrennt betrachtet werden.» Daher begrüsse der Verband die Evaluation. Durst fordert ein System wie im Kanton Bern. «Spitexorganisationen können auf einem Markt Ausbildungspunkte von Pflegeheimen oder anderen Spitexbetrieben einkaufen, wenn diese mehr Plätze anbieten.» Für Spitexbetriebe ist es laut dem Geschäftsführer wegen der Organisationsform nicht einfach, ausreichend Nachwuchs auszubilden. Zudem komme die Schwierigkeit hinzu, genügend Interessenten für die Plätze zu finden. Er betont aber: «Viele unserer Mitglieder sind sehr aktiv und behandeln Anfragen für Lehrstellen meist positiv.»

Obwohl bereits die jetzt angestrebten Zahlen an Ausbildungsplätzen eine Herausforderung darstellen, zeigt die Veröffentlichung des Versorgungsberichts: Die angepeilten Plätze reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Luzerner Pflegeheime haben daher bis 2023 die Vorgabe, nicht 394, sondern 457 Plätze anbieten, die Spitexbetriebe statt 174 neu 336 Plätze. Vor allem Letztere erwarten dadurch wieder mehr Strafzahlungen.

Bis Ende 2018 soll die Evaluation von Interface vorliegen und Anpassungen vorschlagen. Ziel ist es laut Jolanda Achermann, die Anreize für Ausbildungsplätze zu erhöhen. «Ein Problem des aktuellen Systems besteht auch darin, dass der eigentlich vorgesehene Bonus nie in voller Höhe ausbezahlt werden kann», erklärt sie. Denn lediglich die Summe aller Strafzahlungen wird an jene Betriebe verteilt, die mehr ausbilden als gefordert.

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