Coronavirus: Kanton Luzern bereitet sich auf das Worst-Case-Szenario vor

Die Luzerner Behörden haben am Mittwochmorgen über den Ausbau der Bettenkapazitäten an den Luzerner Spitälern informiert. Ziel sei es, für eine weitere Zunahme von Patienten mit Covid-19-Erkrankungen gewappnet zu sein.

Dominik Weingartner
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Die Gesundheitsinstitutionen des Kantons Luzern wappnen sich für die anrollende Corona-Welle. Die Bettenzahl im ganzen Kanton wird massiv erhöht, um dem erwarteten Ansturm von Patienten in den kommenden Wochen Herr zu werden.

Am Mittwoch hat der Regierungsrat gemeinsam mit der Leitung des Luzerner Kantonsspitals über die Massnahmen orientiert. «Wir bereiten jetzt die Worst-Case-Szenarien vor», sagte Gesundheitsdirektor Guido Graf. Das sind die wichtigsten Punkte:

Kantonsspital: An den drei Standorten des Luzerner Kantonsspitals (Luks) Luzern, Sursee und Wolhusen wurden verschiedene Massnahmen ergriffen, wie CEO Benno Fuchs am Mittwoch erläuterte. In Luzern wurde die Isolierstation auf den ganzen 10. Stock ausgeweitet. Auch der 6. Stock steht als Isolierstation bereit. Auch in Sursee und Wolhusen wurden solche Stationen eingerichtet. «Damit haben wir in kürzester Zeit über 120 Betten für stationäre Corona-Patienten geschaffen», so Fuchs. In Luzern laufen die Vorbereitungen für weitere 200 Betten. An allen drei Standorten werden zudem sogenannte Fast-Tracks betrieben, mit denen täglich 150 bis 200 Verdachtsfälle getestet werden können. Die Zahl der Intensivbetten wurde standortübergreifend auf rund 65 erhöht, laut Fuchs mehr als doppelt so viele wie bisher. Dies ist wichtig, weil schwer erkrankte Corona-Patienten häufig beatmet werden müssen. Um den erwarteten Ansturm zu bewältigen, laufen zudem bauliche Vorbereitungsarbeiten, um die Triage effizient zu gestalten. Um in Wolhusen personelle Ressourcen freizumachen, wird zudem die stationäre Geburtshilfe vorübergehend nach Luzern verlegt.

Das Kantonsspital in Luzern: Die Isolierstation wurde auf zwei ganze Stockwerke ausgeweitet.

Das Kantonsspital in Luzern: Die Isolierstation wurde auf zwei ganze Stockwerke ausgeweitet. 

Bild: Patrick Hürlimann (18. November 2019)

Medical Center in Nottwil: Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) werden in einer ersten Etappe rund 200 Betten zur Verfügung gestellt. Das Medical Center wird in der Turnhalle, in der Aula sowie weiteren Räumen der Anlage eingerichtet. Bei Bedarf kann die Kapazität erhöht werden. Das Medical Center wird von Militär und Zivilschutz betrieben. Zudem stellt das SPZ seine akutmedizinische Abteilung mit bis zu 100 Betten (inklusive Intensivstation) sowie 30 Beatmungsplätze für die Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung.

Ein Zimmer auf der Intensivpflegestation

Ein Zimmer auf der Intensivpflegestation

Bild: PD
Intensivpflegestation im Schweizer Paraplegikerzentrum

Intensivpflegestation im Schweizer Paraplegikerzentrum

Bild: PD

RehaClinic Sonnmatt Luzern: Die RehaClinic Sonnmatt stellt 80 Betten für ein Akutspital zur Verfügung. Vertraglich, bewilligungsrechtlich und abgeltungstechnisch sei alles geregelt, sagte Guido Graf.

Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern: Die Klinik St. Anna ist ebenfalls Teil der kantonalen Pandemieplanung. Dort wurden zwei Spezialstationen für die Isolation von Corona-Patienten eingerichtet. Die Kapazität liegt bei über 100 Betten. Die Zahl der Intensivpflegeplätze wurde auf 24 mehr als verdoppelt. Bei Bedarf würden die Kapazitäten der Klinik Meggen, die auch zur Hirslanden-Gruppe gehört, hinzugezogen, so Graf.

Der Gesundheitsdirektor appellierte am Mittwoch noch einmal eindringlich an die Bevölkerung, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Ohne die Umsetzung dieser Regeln drohe «vielleicht auch im Kanton Luzern das Szenario Norditalien», warnte er. Zu viele Leute hielten sich nicht an die Regeln. «Diese Leute handeln unverantwortlich. Sie gefährden sich und andere», stellte Graf klar.

Mehr Leute infiziert, als offiziell bekannt

Offiziell sind im Kanton Luzern Stand Mittwoch rund 250 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Das sind aber nur die positiv getesteten. Guido Graf warnte davor, sich aufgrund dieser eher tief anmutenden Anzahl in falscher Sicherheit zu wiegen. «Ich gehe davon aus, dass massiv mehr Personen im Kanton Luzern infiziert sind», sagte er.

Was die verfügbaren Beatmungsgeräte in den Luzerner Spitälern angeht, sagte Luks-CEO Benno Fuchs, dass man «sehr gut aufgestellt» sei. Es seien zusätzliche Geräte beschafft worden. Christoph Henzen, Departementsleiter Medizin am Luks, führte weiter aus, dass alleine durch den Wegfall der selektiven Operationen – bisher rund 350 – viele Beatmungsgeräte für die Behandlung von Corona-Patienten frei geworden seien.

Zweiter Todesfall im Kanton Luzern

Was die Triage betrifft, so sei es entscheidend, Corona-Patienten von Nicht-Corona-Patienten zu trennen, «und zwar bevor die Leute ins Spital kommen», sagte Henzen weiter. Er glaubt, die jetzigen Kapazitäten reichten aus, um die Situation zu beherrschen und um nicht in die Lage zu kommen, plötzlich entscheiden zu müssen, wer noch behandelt wird und wer nicht. «Ich bin zum jetzigen Zeitpunkt davon überzeugt, dass wir nicht in Engpässe oder Situationen wie in Bergamo kommen werden», so Henzen. Es seien «20 bis 25 Beatmungsplätze pro 100 000 Personen nötig», um dies abzuwenden. Dies sei gegeben, sagte der Departementschef Medizin. Für den Fall, dass es doch zu Notsituationen kommen sollte, habe man sich gemeinsam mit dem Ethik-Forum des Luks «intensiv darauf vorbereitet», so Henzen.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Kanton Luzern einen zweiten Todesfall in Zusammenhang mit dem Coronavirus zu beklagen hat. Es handle sich um eine 92-jährige Frau aus der Agglomeration, die an Vorerkrankungen litt, teilte der Kanton mit.

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