KANTON LUZERN: Ernesto Piazza: «Auf dem Land geht es oft emotional zu und her»

Der 61-jährige Ernesto Piazza berichtet für unsere Zeitung seit vier Jahren als Reporter über die Luzerner Landgemeinden. Er ist verheiratet und lebt in Eich.

Turi Bucher
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Ernesto Piazza verfügt über ein grosses Kontaktnetz. (Bild: Pius Amrein)

Ernesto Piazza verfügt über ein grosses Kontaktnetz. (Bild: Pius Amrein)

Interview: Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Ernesto Piazza, wie sieht Ihre tägliche Arbeit als Landreporter aus?

Ich bin in erster Linie verantwortlich für die Seite, die über die Luzerner Gemeinden berichtet und im Ressort Kanton jeweils am Freitag erscheint. Diese Seite hat oberste Priorität. Dazu bin ich natürlich auch bei aktuellem Tagesgeschehen im Einsatz.

Was prädestiniert Sie dazu, Landreporter zu sein?

Ich wohne auf dem Lande und habe so in den vergangenen vier Jahren mein Beziehungsnetz sukzessive vergrössert. Ich bin in Hochdorf geboren und aufgewachsen, da decke ich viel vom Seetal ab. Dazu kommt, dass ich zuvor für die Luzerner Nachrichten gearbeitet und dabei vor allem das Geschehen im Wiggertal verfolgt habe. Auch da konnte ich ein Beziehungsnetz aufbauen.

Wie wählen Sie Ihre Themen aus, wie kommen Sie an Ihre Geschichten?

Durch das erwähnte Beziehungsnetz. Ich kann sagen: Die Themen kommen zu mir.

Sie waren nicht immer Journalist ...

Richtig. Ich habe eine Berufslehre in einem kleinen Treuhandbüro absolviert und wurde dann Buchhalter in der Privatwirtschaft. Dann habe ich eine Weile als Sportredaktor gearbeitet, aber gemerkt, dass – so sehr ich den Sport liebe – mir durch die unregelmässige Arbeitszeit an Abenden und an Wochenenden zu wenig Zeit für mein Privatleben bleibt. So wechselte ich wieder zurück in die Finanzwelt.

Und dennoch haben Sie vor vier Jahren wieder Ihr Comeback bei der Zeitung gegeben?

Ja, wobei ich nun deutlich weniger Spät- und Wochenendeinsätze habe als damals im Sport.

Wieso wurden Sie denn eigentlich Sportredaktor?

Nun, eben, durch meine Liebe zum Sport. Ich habe als Torhüter bei der Handballriege Hochdorf angefangen, danach auch beim ATV Emmenbrücke und beim STV Luzern gespielt. Zurück in Hochdorf, haben wir den Aufstieg von der 2. in die 1. Liga geschafft. Mit 33 Jahren habe ich aufgehört. Wobei ich sagen muss, dass ich als kleiner Knirps eigentlich mit Fussball beim FC Hochdorf angefangen hatte. Ich wollte schon dort Goalie sein, aber das Tor war mir zu gross.

Mit 33 war Ihre sportliche Laufbahn also zu Ende?

Nein, ich bin seit rund 25 Jahren Handballtrainer. Wobei ich immer Frauenteams trainiert habe. So in Hochdorf, Stans, Zug, Emmenbrücke, Willisau, Langenthal und jetzt in Kriens.

Zurück aufs Land. Welches sind landauf, landab Ihre aktuellen Themen?

Ich erinnere beispielsweise an die nicht zu Stande gekommene Fusion der Gemeinden Wauwil und Egolzwil im Herbst 2015. Oder Reiden ist bei mir oft auf dem ­Radar. Da gehts momentan beispielsweise um die Badi, welche faktisch Konkurs ist. Der knappe Schulraum und die Finanzen sind ebenfalls ein Dauerbrenner. Das bewegt die Leute. Diese sind auf dem Land sowieso ein wenig anders «gestrickt» als in der Stadt. Auf dem Land gehts oft emotional zu und her.

Selber wollten Sie nie in die Politik?

Ich wurde schon von diversen Parteien angefragt. Aber das ist kein Thema für mich – als Landreporter muss ich die nötige Distanz haben. Wobei die Berührungsängste mit der Zeitung auf dem Lande teilweise frappant sind. Wenn ich mich als Reporter melde, höre ich nicht selten als Antwort: «Wir haben die Zeitung schon.» Ist das Eis dann aber mal geschmolzen, dann kann schon mal Kaffee und Kuchen aufgetischt werden. Auch ein Bier wurde mir oft offeriert.

Das schlimmste Erlebnis in Ihrer Journalistenzeit?

In meiner Anfangsphase als Sportredaktor wollte ich ein Spiel am TV aufnehmen und benötigte dazu eine Video-Programmiertabelle. Weil man sie mir an meinem damaligen Wohnort Hochdorf nicht geben wollte – ich weiss heute noch nicht, warum – musste ich bis nach Küssnacht in ein TV-Geschäft fahren. Diesen Tipp hatte ich von einem Kollegen bekommen. In einer Kolumne habe ich mich darüber ein wenig ereifert. In Hochdorf waren sie deswegen aber «steinhässig» und gingen bis zum Chefredaktor. Sogar das Hochdorfer Gewerbe hatte sich damals eingeschaltet.

Und Ihr schönstes Erlebnis?

Nun, es gibt immer wieder schöne Erlebnisse. Als ich als Sportreporter seinerzeit mit der Schweizer Handballnationalmannschaft in Schweden an der A-Weltmeisterschaft weilte und sie sensationell den vierten Rang schaffte, war das schon sehr aufregend.

Die letzte Frage habe ich von Ihrem Ressortleiter mitbekommen. Er fragt sich, wieso Sie das Papier eigentlich immer noch zusätzlich zerreissen, wenn Sie es in den Papierkorb werfen?

Ja ... jetzt wo Sie es sagen, das stimmt. Das rührt möglicherweise von meiner Arbeit als Finanzer her. Was nicht durch den Schredder lief, musste auf andere Art und Weise in möglichst kleine Einzelteile «zerlegt» werden. Dieses «Sicherheitsdenken» habe ich offensichtlich bis heute behalten ...