Kehrtwende beim Kanton Luzern: Alle Kantischüler müssen ab Montag wieder in die Schule

Die dritten Klassen des Gymnasiums werden ab Montag wieder in ganzen Klassen unterrichtet. Die vierten und fünften Klassen erhalten Halbklassen-Unterricht.

Julian Spörri
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In die Kantonsschulen von Luzern kehrt ab Montag wieder mehr Leben ein.

In die Kantonsschulen von Luzern kehrt ab Montag wieder mehr Leben ein.

Bild: Pius Amrein
(Luzern, 22. August 2019)

Der Kanton Luzern will den Präsenzunterricht auf der Gymnasialstufe ab Montag erweitern. Bislang hatten nur die 1. und 2. Klassen des Untergymnasiums wieder Unterricht vor Ort. Ab Montag, 15. Juni, werden auch die 3. Klassen des Gymnasiums Präsenzunterricht in ganzen Klassen erhalten, wie der Kanton am Mittwochnachmittag mitteilt. Bei der vierten und fünften Klasse des Langzeitgymnasiums wird unter Einhaltung der 2-Meter-Distanzregel in Halbklassen unterrichtet. Die Schüler der 6. Klasse haben ihre Maturaprüfungen bereits beendet.

Als Grund für die Veränderungen gibt der Kanton Luzern die leicht angepassten BAG-Schutzbestimmungen an. Das Bundesamt für Gesundheit hatte die 2-Meter-Distanzregel für nachobligatorische Klassen am Montag aufgeweicht. Die Abstandsregeln müssen nun nicht mehr «konsequent», sondern «wann immer möglich» eingehalten werden.

Abstandsregeln werden nicht vollständig einzuhalten sein

Regierungsrat Marcel Schwerzmann

Regierungsrat Marcel Schwerzmann

Bild: Boris Bürgisser

Noch am Montag sagte Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann gegenüber unserer Zeitung, dass die Anpassungen inhaltlich nicht wirklich «wesentlich» seien. Weshalb kommen nun trotzdem die Lockerungen an den Luzerner Gymis? «Die Anpassungen der BAG Vorschriften sind in der Tat marginal», hält Schwerzmann an seiner Aussage fest. Er betont aber:

«Wenn ich die Sicherheitsregeln für die Gymis mit jenen in anderen Bereichen wie der Gastronomie oder dem Sport vergleiche, komme ich zum Schluss, dass die Rückkehr in Halbklassen in den Präsenzunterricht möglich ist.»

In der Abwägung von Chancen und Risiken entscheide er sich für die Chance Bildung.

An der Kantonsschule Alpenquai, der grössten Schule im Kanton Luzern, können die Sicherheitsmassnahmen gemäss Schwerzmann mindestens so gut umgesetzt werden wie beispielsweise im Ausgang oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Er hält aber auch fest: «Weil aber ab Montag wieder rund 1100 Personen ein- und ausgehen, werden Engpässe auf Pausenplätzen und gemeinsam genutzten Räumen unausweichlich sein.»

Bei der Entscheidung, den Präsenzunterricht zu erhöhen, dürfte auch der Druck von Eltern und Lehrpersonen eine Rolle gespielt haben, die sich für eine Öffnung einsetzten. Schwerzmann bestätigt, dass die «Wogen hoch gegangen sind». «Das Thema ist emotional», so der Bildungsdirektor. Es gebe jedoch auch Stimmen, die einer Öffnung mit einer gewissen Angst entgegensehen würden.

Schulen können Vorgaben unterschiedlich umsetzen

Die Schulen werden die für sie geeignete Form wählen, um den Präsenzunterricht im Halbklassenmodus mit Phasen des Selbststudiums oder teilweise im Fernunterricht umzusetzen. Dabei gebe es die betrieblichen, personellen und räumlichen Möglichkeiten zu berücksichtigen. Aufgrund der weiterhin geltenden Distanzregeln und den terminierten Fachprüfungen müsse der Unterricht in den oberen Klassen stundenplanerisch von Schule zu Schule unterschiedlich geregelt werden, heisst es in der Mitteilung.

In den Berufsschulen sind bereits heute mehr als die Hälfte der Lernenden in Präsenzveranstaltungen vor Ort. Dies wird gemäss Kanton so weitergeführt.