Luzern
Neue Studie zeigt: Fast jeder achte Arbeitsplatz hängt vom Tourismus ab

Luzern Tourismus sowie Stadt und Kanton Luzern haben eine Studie in Auftrag gegeben, um die Potenziale im Tourismus, aber auch die Auswirkungen von Corona zu untersuchen. Diese zeigt: Wegen der speziellen Gästestruktur wurde der Luzerner Tourismus im Vergleich zur Schweiz besonders stark getroffen.

Fabienne Mühlemann
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Ein Bild vor der Coronapandemie: Touristen aus Asien fotografieren in der Stadt Luzern.

Ein Bild vor der Coronapandemie: Touristen aus Asien fotografieren in der Stadt Luzern.

Bild: Keystone

Die Mitte April bekannt gewordenen Öffnungsschritte bedeuten auch für die von der Coronapandemie hart getroffene Tourismusbranche ein kleines Stück zurück in die Normalität. Luzern Tourismus, die Stadt Luzern sowie der Kanton Luzern nahmen dies zum Anlass, eine in Auftrag gegebene Studie zur touristischen Wertschöpfung vorzustellen. Die Studie vom Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics basiert auf Zahlen des Jahres 2019, also bezieht sie sich auf die Situation vor der Covid-19-Krise. Sie gibt aber auch Einblicke ins Jahr 2020 mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Branche.

Diese sind nämlich verheerend: So sind die Logiernächte in der Region Luzern-Vierwaldstättersee im letzten Jahr um 45 Prozent zurückgegangen. Bei den Einnahmen von Übernachtungsgästen verzeichnet man in der Stadt einen Rückgang um 74 Prozent. Die Zahl der Hotellogiernächte im Kanton hat sich 2020 halbiert. Allein in der Stadt Luzern fehlten eine Million Logiernächte. Immerhin ist der Anteil an Schweizer Gästen in den beiden Regionen gestiegen. «Es zeigt, dass wenn die ausländischen Touristen ausbleiben, vermehrt Schweizer Gäste nach Luzern kommen. Diese vermögen jedoch die fehlenden ausländischen Touristen nicht zu kompensieren», sagt Martin Bütikofer, Verwaltungsratspräsident von Luzern Tourismus.

Spezielles Gästestruktur

Gemäss Michael Grass, Mitglied der Geschäftsleitung von BAK Economics, wurde der Luzerner Tourismus im Vergleich zur Schweiz besonders stark getroffen. Das hänge vor allem mit der speziellen Gästestruktur zusammen. «Zwar hat das starke Nachfragewachstum aus Asien und den USA Luzern im vergangenen Jahrzehnt ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum ermöglicht. Die fehlenden Gäste aus Asien und den USA verursachten 2020 aber auch rund zwei Drittel des Logiernächterückgangs», sagt Grass.

Die Studie zeigt neben den Coronaauswirkungen auch das Potenzial, welches der Tourismus mit sich bringt. So wurde im Kanton Luzern 2019 durch den Tourismus eine direkte Bruttowertschöpfung von 1,037 Milliarden Franken erzielt. Etwas mehr als zwei Drittel davon fallen auf die Stadt Luzern. Der Tourismus generiert insgesamt 12'500 Arbeitsplätze. In der Stadt Luzern hängt jeder achte Arbeitsplatz vom Tourismus ab. Insgesamt generiert der Tourismus einen Anteil von 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung und sichert rund 6,4 Prozent der kantonalen Arbeitsplätze.

Neue Herausforderungen für den Tourismus

Auch Regierungsrat Fabian Peter (FDP), Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements, betont die Wichtigkeit des Tourismus: «Für den Kanton Luzern ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Um weiterhin für optimale Rahmenbedingungen zu sorgen, entwickeln wir aktuell in enger Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Tourismusbranche ein neues Tourismusleitbild. Die Ergebnisse der Wertschöpfungsstudie werden in den Prozess einfliessen.» Damit wolle man die Grundlagen für eine auch in Zukunft starke Tourismuswirtschaft schaffen. Das letzte Leitbild sei im Jahr 2009 erstellt worden, mittlerweile treffe man auf neue Herausforderungen: Die Digitalisierung, die Sharing Economy, aber auch die veränderten Kundenbedürfnisse. «Man muss noch stärker eine emotionale Bindung zu den Gästen aufbauen. Spezielle Erlebnisse sind die Zukunft des Tourismus.»

Martin Bütikofer hält dementsprechend folgende Post-Corona-Reisetrends fest:

  • Das Entdecken von wenig besuchten Reisezielen
  • Grösserer Fokus auf Nachhaltigkeit
  • Reisen in der Natur und mehr Outdoor-Aktivitäten
  • Reisen näher am Heimatort
  • Autonomes und flexibles Reisen mit eigenen Transportmitteln
  • Kleinere Reisegruppen
  • Geschäftsreisen auf tieferem Niveau

Und wie geht es nun weiter? Generell lasse sich sagen, dass die Destinationen einen Sommer analog zum Vorjahr erwarten, so Bütikofer. Das heisst: kurzfristige Buchungen von hauptsächlich Schweizer und europäischen Gästen. «Bei Ferienwohnungen und Camping in ländlichen Gebieten, also beim individuellen Reisen, herrscht bereits eine gute Nachfrage», sagt der Verwaltungsratspräsident. Die Pandemie habe auch Chancen aufgedeckt. «Online-Buchungen und Ticketverkauf haben einen weiteren Schub erhalten.» Weiter erklärt er zum Covid-19-Monitoring, dass grössere Bergbahnen- und Transportbetriebe, welche massive Verluste einfuhren, mit einer Erholung bis 2023/24 rechnen.

Auch bei Schweiz Tourismus geht man davon aus, dass man 2023/24 wieder zurück beim Erfolg ist. «Ich bin da eher etwas pessimistischer, da es nun darauf ankommt, wie sich die Flugzeugindustrie erholt», sagt Bütikofer. Er hält fest: «Natürlich wollen wir die Wertschöpfung wie vor der Pandemie wieder erreichen, das ‹Wie› wird sich jedoch gemäss den neuen Reisetrends verändern. Daher bleiben wir positiv, arbeiten an den Details und kehren gestärkt zurück.»