KANTON LUZERN: Fremdspracheninitiative fällt im Parlament durch

Die Mehrheit des Kantonsrates lehnt die Fremdspracheninitiative ab und stützt die Haltung der Regierung. Aus Überzeugung, dass das jetzige System funktioniert, tut dies kaum jemand.

Ismail Osman
Drucken
Teilen
Wie in Nidwalden (Bild) wird Französisch auch in Luzern heute ab der 5. Klasse unterrichtet. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 9. Dezember 2014))

Wie in Nidwalden (Bild) wird Französisch auch in Luzern heute ab der 5. Klasse unterrichtet. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 9. Dezember 2014))

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Im Kanton Luzern sollen auf der Primarstufe weiterhin zwei Fremdsprachen unterrichtet werden. Mit 72 zu 42 Stimmen stimmt der Kantonsrat der regierungsrätlichen Botschaft zur Volksinitiative «Eine Fremdsprache auf der Primarstufe» zu und lehnt die Initiative somit ab. Heute wird in Luzern ab der 3. Klasse Englisch und ab der 5. Klasse Französisch unterrichtet. Die Ini­tiative lässt offen, welche Sprache auf die Oberstufe verschoben würde.

Die Debatte zum Geschäft verdeutlichte vor allem eines: Man ist sich zwar einig, dass etwas geschehen muss – insbesondere beim Französisch, wo die Sprachkenntnisse der Schulabgänger haarsträubend weit unter den Erwartungen liegen (Ausgabe vom 9. Dezember 2016). Wie man dem entgegenwirkt, darüber gibt es freilich diametral entgegengesetzte Meinungen – auch innerhalb der Fachwelt. Diesen Umstand brachte Markus Baumann (GLP, Luzern) am treffendsten auf den Punkt: «Ein Entscheid aus wissenschaftlicher Sicht ist nicht möglich.»

Von Inseln und «Reformitis»

Der Entscheid musste also politisch fallen. Allerdings gab es innerhalb der Fraktionen, mit Ausnahme der SVP, keine geschlossenen Linien – was man zahlreichen Wortmeldungen deutlich anhörte. Wenn diese nicht direkt aus dem Initiativtext beziehungsweise dem Argumentarium der Regierung kopiert waren, so klammerten sie sich jeweils eisern an den goutierten politischen Schlagworten fest. Eines davon: «Insel». Der Begriff fiel im Rahmen der gestrigen Debatte öfters als in einer Geografieprüfung zur Karibik. Gegner der Initiative warnten reihum davor, dass Luzern bei einer möglichen Abkehr vom heutigen System innerhalb der Zentralschweiz zu einer abgeschotteten Sprachinsel mutieren würde. «Unsere Gesellschaft und damit unsere Familien müssen heute sehr agil und flexibel sein», argumentierte etwa Jacqueline Mennel Kaeslin (SP, Emmenbrücke). «Es soll kein Umzugswechsel in einen Nachbarkanton unnötig erschwert werden.»

Ein weiterer Punkt der Gegner: die möglicherweise hohen Kosten, die ein Systemwechsel mit sich bringen könnte. Die Regierung geht von bis zu 9 Millionen Franken aus. Zwar habe man die Schätzungen der Regierung «mit der nötigen Skepsis zur Kenntnis genommen», sagte etwa Gaudenz Zemp (FDP, St. Niklausen). Durch einen vorschnellen Wechsel würden aber mit Bestimmtheit unnötige Kosten entstehen, denn das bestehende System könne optimiert werden. Das Nein der FDP-Mehrheit sei als Auftrag an die Regierung zu verstehen, die «nötigen Verbesserungen konsequent an die Hand zu nehmen». Auch Ali R. Celik (Grüne, Luzern) warnte davor, die erst 2006 eingeführte Fremdsprachenstrategie bereits wieder einer grundlegenden Reform zu unterziehen: «Wollen wir in der Bildung immer wieder alles über den Haufen werfen, was man einmal sorgsam eingeführt hat?» Für Adrian Bühler (CVP, Eschenbach) ist klar: «Niemand steht voll und ganz hinter dem Sprachenkonzept.» Die Initiative verschiebe die Probleme jedoch nur, statt diese zu lösen.

«Die Sprachenstrategie ist gescheitert»

Ganz anders sieht dies Priska Galliker (CVP, Knutwil). Die Sekundarschullehrerin ist selbst Mitglied des Initiativkomitees: «Aus der Praxis heraus betrachtet, verstehe ich nicht, weshalb man auf Biegen und Brechen an einer gescheiterten Strategie festhalten will.» Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) fühlte sich vor den Kopf gestossen: «Die Sprachenstrategie als gescheitert zu bezeichnen, ist für mich unerklärlich.» Wyss verwies in der Folge auf die anderen Kantone, in denen ähnliche Initiativen verworfen wurden. Etwa im Kanton Nidwalden, wo sich das Stimmvolk 2015 für die Beibehaltung des Frühfranzösisch auf der Primarstufe entschied. Luzern müsse diesem Beispiel folgen, wolle man – Sie ahnen es – nicht zur Insel werden.

Voraussichtlich im September kann über die Volksinitiative an der Urne befunden werden.