KANTON LUZERN: Gemeinden kommen wegen dem Schwimmen ins Schwimmen

Primarschulen müssen gemäss Lehrplan 21 ab dem neuen Schuljahr Schwimmunterricht obligatorisch anbieten. Doch einige Gemeinden tun sich schwer, die entsprechenden Auflagen des Kantons zu erfüllen.

Susanne Balli
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Kinder müssen künftig am Ende der 4. Primarklasse 50 Meter schwimmen können. (Symbolbild: Getty)

Kinder müssen künftig am Ende der 4. Primarklasse 50 Meter schwimmen können. (Symbolbild: Getty)

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

An der Luzerner Volksschule gilt ab dem kommenden Schuljahr für den Kindergarten und die 1. bis 5. Primarschule der Lehrplan 21. Dieser schreibt vor, dass alle Kinder am Ende der 4. Primarklasse den sogenannten Wasser-Sicherheits-Check absolviert haben (Ausgabe vom 19. Januar). Der Test umfasst drei Elemente: das Purzeln ins tiefe Wasser, sich eine Minute an Ort über Wasser halten sowie 50 Meter schwimmen können.

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, sagt: «Der Wasser-Sicherheits-Check und somit auch der Schwimmunterricht sind für die Schulen obligatorisch.» Er soll schwerpunktmässig in der 3. und 4. Primarklasse stattfinden. Der Kanton erachtet in diesen beiden Schuljahren einen regelmässigen Schwimmunterricht im Umfang von je 9-mal 2 Lektionen bis maximal 18-mal 2 Lektionen als «sinnvoll und notwendig». Der Schwimmunterricht sollte wöchentlich oder vierzehntäglich stattfinden. Für den Transport zu den Bädern und den Eintritt sind die Gemeinden zuständig.

Nicht allen Gemeinden steht in unmittelbarer Nähe ein Hallenbad zur Verfügung. Als 2013 der Lehrplan 21 in der Vernehmlassung war, monierten einige Gemeinden, dass die Infrastruktur im Kanton Luzern für den obli­gatorischen Schwimmunterricht nicht ausreichend sei. Kritisch beurteilte man das Schwimmobligatorium unter anderem in den Regionen rund um Wolhusen, im Rottal und im Seetal. In den Gemeindeschulen von Ruswil und Hochdorf zum Beispiel gab es damals mangels Infrastruktur keinen Schwimmunterricht. Wie sieht die Situation jetzt aus?

«Wir können den Schwimmunterricht auf der Primarstufe auch künftig nur in geringem Umfang anbieten», sagt Rolf Henzen, Schulleiter der Sekundarstufe Wolhusen. Das heisst in Wolhusen, dass die Schülerinnen und Schüler der 2. und 3. Primarklassen dafür pro Schuljahr an fünf Vormittagen ins Hallenbad Willisau fahren. «Rechnet man die Zeit für den Transport und das Umziehen, macht das pro Vormittag noch gut eine Stunde Zeit für den effektiven Schwimmunterricht aus», so Henzen. Mehr liege nicht drin, weil die Kapazität des Schwimmbads Willisau ausgereizt sei. In den Sommermonaten könnte man auf das Schwimmbad im Freien ausweichen. Je nach Wetter sei dies aber in der Praxis nur an wenigen Tagen möglich, und dann sei das Freibad meist derart überfüllt, dass dann höchstens Baden möglich sei. Henzen: «Für uns ist der Schwimmunterricht in dem Umfang, wie sich dies der Kanton vorstellt, undenkbar. Und das geht sicherlich noch einigen weiteren Gemeinden so.»

«Schwierig zu buchen, teuer und Zeit raubend»

Auch für die Gemeinde Hochdorf ist es eine Herausforderung, die Auflagen des Kantons zu erfüllen. «Wir werden Schwimmunterricht anbieten, die Art und Weise ist aber noch unklar», sagt Daniela Ammeter Bucher, Gemeinderätin des Ressorts Bildung und Wirtschaft. Die Gemeinde habe im letzten Jahr alle Möglichkeiten angeschaut. Doch: «Externe Schwimmangebote sind oft schwierig zu buchen. In Hochdorf besuchen rund 240 Schülerinnen und Schüler die dritten und vierten Primarklassen», sagt sie. Zudem: «Wir haben die Möglichkeiten mit dem öffentlichen Verkehr und mit privaten Transporten verglichen. Beide sind sehr teuer, Zeit raubend und schmälern den effektiven Aufenthalt im Wasser.» Die Nutzung des Seebades in Baldegg sei nur in der warmen Jahreszeit möglich. In den nächsten Tagen führt Hochdorf ein klärendes Gespräch mit einer Vertretung der Dienststelle Volksschulbildung.

Grosswangen hat vor zwei Jahren den Schwimmunterricht wieder eingeführt. Zuvor hatte die Gemeinde einige Jahre kei­-nen solchen angeboten. «Unser Schwimmunterricht findet im Hallenbad Willisau statt. Er wird in der 1. und 3. Primarklasse zu je 8 Lektionen pro Schuljahr durchgeführt», sagt Monika Meier-Böll, Gemeinderätin des Ressorts Bildung. Das heisst, auch in Grosswangen wird die vom Kanton geforderte Anzahl Schwimmlektionen nicht erreicht.

In Ruswil setzt man vor al­-lem aufs Freibad, das für den Schwimmunterricht genützt werden könne. Und ist entsprechend auf gutes Wetter angewiesen. Der zuständige Gemeinderat Thomas Glanzmann sagt darum: «Es ist nicht anzunehmen, dass alle Lektionen entsprechend gehalten werden können.» Man sei mit Betreibern von Hallenbädern in der Region Sursee im Gespräch, um künftig entsprechende «Wasserzeiten» zu erhalten.

Beim Kanton sind bisher keine Gesuche eingegangen

Fazit: Einige Gemeinden haben Mühe, die vom Kanton vorgeschriebenen Schwimmlektionen ab dem nächsten Schuljahr an­zubieten. Charles Vincent sagt dazu: «Wenn Schwimmunterricht, zum Beispiel aufgrund fehlender Infrastruktur, für Gemeinden nicht möglich ist, muss beim Kanton ein Gesuch eingereicht werden.» Dann werde individuell entschieden. Es seien zirka zehn Gemeinden im Kanton Luzern «in einer etwas schwierigen Lage betreffend die Infrastruktur für Schwimmunterricht. Bisher ist bei uns aber noch kein Gesuch eingegangen.» Vincent ist der Ansicht, «dass im Grundsatz genügend Hallenbäder für das Schulschwimmen im Kanton Luzern zur Verfügung stehen».